Die Botschaft ist klar: Das Titelbild des Reports ziert ein Mann mit Cowboy-Hut im Stil der Marlboro-Werbung. Allerdings hält er eine Cola-Flasche in der Hand. Denn für Foodwatch steht fest: Cola ist genauso gesundheitsschädlich wie Zigaretten.


Coca-Cola: Mitverantwortlich für Fettleibigkeit und Diabetes?
 

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat dem Getränkekonzern Coca-Cola eine Mitverantwortung für die verbreitete Fettleibigkeit und Diabetes in Deutschland vorgeworfen. Der Weltmarktführer für Zuckergetränke nehme mit millionenschweren Marketingkampagnen im Internet und im Fernsehen bewusst Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ins Visier, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker am Mittwoch in Berlin. Damit verstoße der Konzern gegen seine Selbstverpflichtung, keine Werbung an Kinder unter zwölf Jahren zu richten.

 


Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Seit Jahren würden sämtliche klassische Limonaden auch in zuckerfreien Varianten angeboten, erklärte Patrick Kammerer von der Geschäftsführung von Coca-Cola Deutschland. Zugleich befürwortet der Konzern eine Ampelkennzeichnung der Inhaltsstoffe auch seiner Getränke. Unterstützung erhält er dabei von Grünen-Chef Robert Habeck, der sich am Mittwoch gegen eine Zuckersteuer, aber für eine "Ernährungsampel" aussprach, "damit Verbraucher mehr Durchsicht haben, was drin ist an Dickmachern in ihren Produkten".

 

 


Foodwatch kritisiert Lobbyarbeit von Coca-Cola scharf
 

Foodwatch wirft dem Konzern in einem mehr als 100 Seiten starken Bericht vor, durch gezielte Lobbyarbeit wirksame Regulierungen wie Werbeverbote oder Sondersteuern auf Zucker zu torpedieren. "Mit gekauften Wissenschaftlern" würden Zweifel an der Schädlichkeit von zuckerhaltigen Getränken gesät. Der Autor des "Coca-Cola-Report", Oliver Huizinga, erklärte Zuckergetränke seien auch laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine wesentliche Ursache für Fettleibigkeit und die Lebensstil bedingte Typ-2-Diabetes. Er nannte "die Zuckergetränke von Coca-Cola flüssige Krankmacher".

 

 


Coca-Cola sieht "keine einfachen Antworten"
 

Die Deutschland-Zentrale des US-Konzerns nannte die verbreitete Fettleibigkeit dagegen "ein komplexes Phänomen", das sich nicht durch einfache Antworten lösen lasse. "Man kann Übergewicht nicht wegbesteuern", erklärte Kammerer. Bereits jetzt sei rund ein Drittel des Getränkeangebots von Coca-Cola ohne Zucker oder zuckerreduziert.

 

 


Zuckerhaltige Getränke fördern laut Foodwatch Krankheiten
 

Foodwatch betonte unter Verweis auf wissenschaftliche Untersuchungen, der überhöhte Konsum zuckerhaltiger Getränke fördere nachweislich die Entstehung zahlreicher Krankheiten. Vor allem jugendliche Jungs in Deutschland würden "deutlich mehr Zuckergetränke" trinken als empfohlen. Laut Robert Koch-Institut trinken sie knapp einen halben Liter täglich, empfohlen werde aber nur 250 Milliliter - in der Woche.

Foodwatch forderte Coca-Cola auf, sein an Kinder und Jugendliche gerichtetes Marketing zu stoppen und nicht länger junge Youtube- und Instagram-Stars, sogenannte Influencer, für Werbezwecke einzuspannen. Neun der 20 meistabonnierten "Youtuber" Deutschlands seien bereits in dem Konzern-eigenen Youtube-Kanal "CokeTV" aufgetreten.

 

 


Foodwatch fordert Zuckersteuer für Getränke in Deutschland
 

Von der Bundesregierung fordert Foodwatch, eine Herstellerabgabe für überzuckerte Getränke einzuführen. Die Politik dürfe den Konflikt mit Weltkonzernen wie Coca-Cola und der einflussreichen Lobby nicht länger scheuen. Zahlreiche Länder wie Großbritannien, Frankreich, Irland, Belgien oder Mexiko hätten eine solche Sondersteuer oder -abgabe bereits beschlossen. Dabei warf Huizinga Coca-Cola vor, "gezielt gesundheitspolitische Initiativen rund um den Globus" zu torpedieren und "mithilfe von Lobbyverbänden die Gesundheitsgefahren von Zuckergetränken zu verschleiern - mit den gleichen Methoden wie früher die Tabakindustrie".