• Die nicht-alkoholische Fettleber ist die häufigste Leberkrankheit.
  • Auf eine Fettleber folgt häufig ein Herzinfarkt.
  • Übergewicht und Diabetes spielen eine wichtige Rolle.
  • Ärzte nehmen die Fettleber oft nicht ernst genug.

Nein, Angst machen will Ali Canbay niemandem, aber aufrütteln, das schon. Es ist schließlich ein bedrohliches Szenario: Wenn jemand übergewichtig sei und zusätzlich Diabetes habe, dann leide er mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an einer Fettleber, sagt der Professor. Laut Deutscher Leberhilfe ist die nichtalkoholische Fettleber hierzulande bereits der häufigste Leberbefund, also die häufigste Erkrankung der Leber - und darüber hinaus eine Art "Brandbeschleuniger" für weitere chronische Leberkrankheiten.

Doch damit nicht genug: Wer eine Fettleber habe, bekomme in wenigen Jahrzehnten auch eine koronare Herzkrankheit, warnt Canbay, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie an der Uniklinik Magdeburg. Denn die Leber sei eine Kraftmaschine für den gesamten Körper. Und funktioniere diese Kraftmaschine aufgrund der Verfettung nicht mehr richtig, würden Stoffe freigesetzt, die die Herzkranzgefäße attackieren. Fazit: Wer an einer Fettleber leide und nichts dagegen tue, werde mit hoher Wahrscheinlichkeit herzkrank bis hin zum möglichen Herzinfarkt, warnt Canbay.

Fettleber als Basis für Leberzirrhose und Leberkrebs

In einem kürzlich erschienenen Beitrag der Fachzeitschrift "The Lancet Diabetes & Endocrinology" weisen die Forscher Norbert Stefan, Hans-Ulrich Häring und Kenneth Cusi auf die Notwendigkeit neuer Behandlungsmethoden hin. Denn personalisierte Therapien sowie die Kombination verschiedener Behandlungsmöglichkeiten würden in Zukunft die besten Heilungschancen bieten.

Dass reichlich Alkoholkonsum der Leber schadet, ist hinreichend bekannt. Wer trinkt, setzt womöglich eine verhängnisvolle Kaskade in Gang: Die Leber verfettet, später entzündet sie sich, dann vermehrt sich das Bindegewebe (Fibrose), und schließlich kommt es zur Leberzirrhose, den narbigen Umbau des Organs, das seine zahlreichen lebenswichtigen Aufgaben im menschlichen Stoffwechsel folglich nicht mehr erfüllen kann. In einem kleinen Prozentsatz entwickelt sich daraus sogar ein Leberkrebs.

So weit die möglichen Abläufe bei übermäßigem Alkoholkonsum. Doch auch ohne Alkohol kann die Kettenreaktion ablaufen. Etwa, wenn jemand übergewichtig ist - und Übergewicht hat bekanntlich in den letzten Jahrzehnten weltweit stark zugenommen.

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Beschwerden macht eine Fettleber üblicherweise kaum. Allenfalls Druckgefühle im rechten Oberbauch, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen werden von der Deutschen Leberhilfe als mögliche Symptome genannt. Oft ist eine "nichtalkoholische Fettleber" (NAFL) daher ein Zufallsbefund im Rahmen eines Gesundheitschecks beim Hausarzt. Doch die meisten Ärzte meinten dann, das sei nicht so schlimm. "Dabei ist die Fettleber viel gefährlicher, als wir denken", sagt der Experte.

Gemeinsam mit seinem Team hat er eine Publikation veröffentlicht, die besagt, dass die Funktion einer verfetteten Leber bereits eingeschränkt sei, auch wenn man davon nichts sehe. Anders als die alkoholische Lebererkrankung hat die NAFL, wie der Name schon sagt, nichts mit übermäßigem Trinken von Alkohol zu tun, sondern vielmehr mit falscher Ernährung und Bewegungsarmut. Beide Faktoren spielten eine "entscheidende Rolle" - und seien weit verbreitet.

Keime im Darm: Interessant für die Fettleber-Forschung

Die Entstehung einer Fettleber sei äußerst komplex und abhängig von verschiedenen Faktoren. So ist auch die Besiedelung des Darmes mit Keimen, das sogenannte Mikrobiom, bei Fettleber zunehmend in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses gerückt. "Wir wissen, dass das Mikrobiom eine große Rolle spielt", sagt Canbay. Bei den Deutschen Mikrobiomtagen hat er unlängst darüber berichtet.

Es scheine so zu sein, dass die Gemeinschaft der Darmkeime bei Übergewichtigen beziehungsweise Fettleber-Patienten verändert sei. Das Verhältnis zwischen den Bakteriengruppen der Firmicutes und Bacteroides ist zugunsten der Firmicutes verschoben, die die Energieausbeute aus der Nahrung erhöhen können.

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Man weiß, dass Firmicuten viel mehr Kalorien aus der Nahrung extrahieren könnten als die Bacteroides. Mit kohlenhydratreicher Nahrung und Fastfood würden die Firmicutes gepäppelt. Möglicherweise können eines Tages Probiotika helfen, oder Stuhltransplantationen, also eine Übertragung von "guten" Bakterien gesunder, schlanker Menschen auf jene, die an Übergewicht und Fettleber leiden.

Bis es so weit ist, sind Lifestyle-Änderungen die einzige Möglichkeit, das Fett in der Leber wieder loszuwerden. Der Experte rät zu mehr Bewegung im Alltag und zu einer Ernährungsänderung mit mehr Gemüse und nicht zu viel Obst. Denn Obst enthält Fruchtzucker (Fructose), von dem man weiß, dass er die Leberverfettung fördern kann. Er empfehle seinen Patienten eine eiweißbetonte, nicht zu fette Kost mit wenigen Kohlenhydraten und reichlich Salat: "Fleisch und Salat ist super", sagt er, und "Man kann alles essen, nur eben weniger. mit dpa