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Diäten und Detox-Produkte: Schädlicher Trend oder gesundheitliche Offenbarung?

Detox-Produkte und Diäten versprechen vieles: Gesünder leben, besser fühlen, mehr Energie und besser Aussehen. Doch machen und diese Trends in Wirklichkeit sogar krank?
Detox-Produkte und Diäten stehen zum neuen Jahr wieder auf vielen Vorsatz-Listen. Warum man sich das aber noch mal überlegen sollte, erklären wir in diesem Artikel. Symbolfoto: weyo/AdobeStock

"The same procedure as every year" heißt es in dem Kult-Klassiker "Dinner for One". Frei übersetzt bedeutet das in etwa: Dasselbe wie jedes Jahr. Und das trifft nicht nur auf den Butler James zu, sondern auch auf die alljährlichen guten Vorsätze zum neuen Jahr. Allen voran stehen erfahrungsgemäß das Abspecken und neuerdings auch das Entgiften auf dem Programm. Doch gerade der Entgiftungs-Trend "Detox" steht nun massiv in der Kritik. Und das nicht nur von der Verbraucherschutzzentrale. Auch Diäten und andere schnelle Maßnahmen zu einem schlanken Körper bekommen ihr Fett weg.

Detox-Produkte: Was ist das überhaupt?

Zuerst aber in aller Kürze: Detox ist eine Abkürzung und bedeutet Detoxifikation. Das ist ein anderes Wort für Entgiftung. Detox-Produkte sollen entweder den Körper von Schadstoffen reinigen, zur Gewichtsreduktion beitragen oder das allgemeine Wohlbefinden steigern. Handfeste Nachweise bleiben die Vertreiber der Detox-Produkte aber schuldig. In den Detox-Produkten können verschiedenste Inhaltsstoffe sein.

Sie reichen von Heilerde, Brennnessel oder Minze über Gemüse- oder Obstextrakte. Auch sogenannte Superfoods wie Goji- oder Açaibeeren können in den Produkten verarbeitet sein. Das Versprechen: Sie reinigen die Leber, Niere und den Darm. Und das soll zu mehr Energie führen, das Immunsystem stärken, das Gewicht reduzieren und natürlich auch das eigene Wohlbefinden steigern.

Detox wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus

Und so schön diese Fantasie auch klingen mag, so wenig hält sie einer genaueren Betrachtungsweise stand. Denn sämtliche Werbeversprechen sind weder wissenschaftlich untersucht, noch bewiesen. Die von den Vertreibern genannten Giftstoffe, sogenannte "Schlacken", lassen sich in dem menschlichen Körper ebenso wenig nachweisen wie anderweitige Ansammlungen von Stoffwechselprodukten. In einem gesunden menschlichen Organismus sind die Leber und Nieren die Hauptentgiftungsorgane.

Sie arbeiten so effektiv, dass so gut wie keine schädlichen Stoffe im Körper verbleiben können. Viele "Detox"-Produkte enthalten jedoch tatsächlich viele Bestandteile, die einfach nur entwässernd wirken. Nicht aber entgiftend. Dazu zählen unter anderem Wacholderbeeren, Brennnesseln, Löwenzahn, grüner Hafer, Schachtelhalm und ähnliche Bestandteile. Setzt man seinen Körper ständig diesen Mitteln in einer hohen Dosierung aus, könnte es sogar zu einer erhöhten Ausscheidung von bestimmten Mineralstoffen kommen. Das wiederum würde die Wirkung von Medikamenten abschwächen.

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Der Begriff "Detox" ist medizinisch mittlerweile verboten

Der Bundesgerichtshof hat in einem Urteil die Verwendung des Begriffs "Detox" bei medizinischen Präparaten untersagt. Daher greift die Werbeindustrie auf Alternativen zu dem Begriff "Detox" zurück. Kombinationen wie "freetox", "minus tox", "antitox", "d-tox" sind genauso häufig anzutreffen wie Kreative Wortneuschöpfungen wie ein "Detox Deine Seele".

Indes steht für die Verbraucherschutzzentrale fest: Dass "Detox-Produkte" den Körper entgiften entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage. Tatsächlich wird der Begriff "Entgiftung" daher mehr als Werbemasche eingesetzt. Die Produkte sind in ihrer Wirksamkeit ebenso fragwürdig wie teuer. Daher die klare Empfehlung: Finger weg von Detox-Produkten. Besonders erschreckend: Detox-Produkte die auf Zeolithbasis hergestellt wurden können sogar Schwermetalle, besonders Blei, enthalten. Diese Schwermetalle können sich im Körper anreichern und das zentrale Nervensystem sowie die Organe vergiften.

Diäten helfen nicht - das belegen zahlreiche Studien

Weniger gefährlich, dafür ebenso wenig Erfolgversprechend sind Diäten. Sie zwingen durch die verminderte Nahrungsaufnahme unseren Körper in den Energiesparmodus. So kann er sich, wenn die Diät einmal überstanden ist verlorene Kilos zurückholen. In den allermeisten Fällen sogar mit dem ein oder anderen Kilo mehr. Das passiert, um einer neuerlichen "Hungersnot" entgegenzuwirken. Bekannt ist dieses Phänomen unter dem sogenannten "JoJo"-Effekt.

Der JoJo-Effekt kommt in der Regel immer

Bereits 2012 ergab eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK): 73 Prozent der Diät-erprobten Frauen hatten bereits ein Jahr nach ihrer Diät entweder das Ausgangsgewicht oder waren sogar schwerer als zuvor. Die beiden Schweizer Ernährungswissenschaftler Dulloo und Montani von der Universität Fribourg erklärten gegenüber der Süddeutschen Zeitung im November 2016: "Nach spätestens einem Jahr hat man ein bis zwei Drittel des ursprünglich verlorenen Gewichts wieder auf den Rippen, nach fünf Jahren den Rest." Einen von drei Menschen treffe der Jojo-Effekt besonders hart. Sie seien nach der Diät sogar schwerer als zu Beginn.

Lasst die Diäten sein

Ergänzend dazu erkannte das American Journal of Public Health in einer großen Übersichtsstudie Mitte 2015: Nur 0,8 Prozent der Frauen aus der Studie zum Thema Diäterfolg erreichten. So steht für die Forscher fest: Keine Diät kann langfristig schlank machen. Denn so gut wie niemand hält die reduzierte Kost lebenslang durch. Da alle Diäten die negative Energiebilanz funktionieren, also weniger Kalorien aufnehmen als verbrauchen, zwingt es den Körper in die Reserve. Nur so kann der Stoffwechsel aufrechterhalten werden. Das bestätigte auch Mitte 2014 die Deutsche Adipositas-Gesellschaft: "Bei einer Diät spielt die Zusammensetzung aus Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß kaum eine Rolle, entscheidend ist nur die Gesamtkalorienzahl." Deswegen sind sich die Experten einig: Zum neuen Jahr und auch im generellen sind Diäten keine gute Idee.