Das DIVI informierte am Freitagmorgen über die Leitlinien bei Triage und Priorisierung. Teilnehmende waren Prof. Dr. Uwe Janssens, Präsident der DIVI, Prof. Dr. Georg Mackmann, Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin sowie Prof. Dr. Jan Schildmann, Internist und Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin. Es wurden Kriterien der Priorisierung erörtert, Präsident Uwe Janssens richtete aber auch einen dringenden Appell an die Politik. 

Unterdessen beginnt die Bundeswehr am Freitag mit Hilfsflügen, um Intensivpatient*innen in Deutschland per Luft zu verlegen, während eine neue Corona-Variante in Südafrika entdeckt wurde, die wohl noch ansteckender als die Delta-Variante ist.

Priorisierung & Triage: Ist der Impfstatus ein Kriterium?

Bei einer Pressekonferenz am Freitagmorgen hat das DIVI, darunter sein Präsident Professor Uwe Janssens, über Triage und Priorisierung informiert. Thema waren auch die ethischen Dimensionen solcher Entscheidungen. Eine Frage, die immer wieder aufkommt, ist, ob bei einer Priorisierung auf Intensivstationen der Impfstatus eine Rolle spielen sollte. Das heißt, dass im Zweifelsfall eine geimpfte Person behandelt wird statt einer ungeimpften. 

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Hierzu äußerte sich Georg Mackmann, Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin deutlich: Überlebenswahrscheinlichkeit und Erfolgsaussicht seien zwar Kriterien bei einer Priorisierung der Behandlung, aber der Impfstatus per se dürfe kein Kriterium sein, wenn es darum geht, wer behandelt wird. Man sei "Retter, kein Richter", so Mackmann in der ethischen Begründung. Man wisse nicht, warum Menschen nicht geimpft seien und habe auch nicht darüber zu befinden. Man behandle alle gleich. Würde man den Impfstatus mit einbeziehen, käme man überdies zu einer sozialen Schieflage, da die Impfquote auch in sozial benachteiligten Milieus geringer als im Durchschnitt sei. Auch sonst gelte, dass das Hilfsgebot für Medizinpersonal für jede*n gelte - das sei bei Unfällen so wie auch bei womöglich selbst verschuldeten Erkrankungen. Der Impfstatus sei also definitiv kein Kriterium, so Mackmann.

Janssens: "Schnellste Entscheidungen" von der Politik erforderlich

Man sei mit dem Begriff der Triage an sich eigentlich nicht glücklich, so Janssens, denn bei dieser Einteilung, die aus der Militär- und Notfallmedizin stammt, teile man Menschen in Kategorien nach der Schwere der Erkrankung und Erfolgsaussicht ein. Covid-19-Patient*innen fallen jedoch alle in die erste Kategorie, somit ist die Einteilung wenig hilfreich. Unter diesen Patient*innen findet jedoch eine Priorisierung statt, je nach Patientenwunsch und nach Erfolgsaussicht und Befund. Hierbei sei man übrigens, betont Janssens, stets im Austausch mit Betroffenen und Angehörigen. Es sei angebracht, hier auf die jeweiligen Teams auf den Intensivstationen zu vertrauen. 

Ein Problem, das sich momentan deutlich zeigt, ist die Situation von Patient*innen, die zwar nicht akut bedroht sind, aber dennoch schwer erkrankt sind. Ein übliches und weit verbreitetes Beispiel sind hier Krebspatient*innen. Hier kann man Behandlungen zwar verschieben, doch verringere sich dadurch natürlich deren Lebenserwartung sowie die psychische Situation, so Jan Schildmann, Internist und Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin. Es dürfe mittelfristig nicht zu iner Benachteiligung von Patient*innen ohne Covid-Erkrankung kommen. 

Zum Schluss des Pressetermins wurde Uwe Janssens noch einmal sehr deutlich: Die aktuelle Situation mache ihn tieftraurig und er forderte von der Politik nun "schnellste Entscheidungen", denn man wisse doch, "was auf uns zukommt", wenn täglich rund 70 bis 80.000 Neuinfektionen gemeldet würden. Das bedeute hunderte Intensivpatient*innen in den kommenden Wochen und wenn man nun nicht politisch "klar und allgemeingültig" handle, und zwar drastisch, komme man bald in eine Situation, in der schwere und eben auch bedrückende Entscheidungen zu treffen seien. Dann sei bald die Lage erreicht, dass alle betreibbaren Betten voll sind. Bald seien mehr als 5000 Menschen mit Covid-19-Erkrankung auf Intensivstationen zu erwarten, so Janssens. 

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