• Vorherige Infektion mit "humanen" Coronaviren könnte den Covid-19-Verlauf mildern
  • Studien entdecken Kreuzimmunität bei Coronaviren
  • Antikörpertests könnten Patienten mit hohem Risiko ermitteln
  • Nähe zu Kindern als womöglicher Schutz vor starkem Verlauf

Wer sich bereits mit Sars-Cov-2 infiziert hatte, der soll danach vorerst weniger Gefahr laufen, sich erneut anzustecken. In einer kürzlich veröffentlichten Studie einer Arbeitsgruppe der Universität Münster liegen nun Hinweise dafür vor, dass auch eine vorherige Infektion mit anderen Coronaviren vor einem schweren Verlauf einer Corona-Erkrankung schützen könnte. Die Ergebnisse wurden im Journal of Clinical Virology veröffentlicht.

Vorangegangene Erkältung könnte schweren Covid-19-Verlauf verhindern

296 Patienten nahmen an der Studie der Arbeitsgruppe um Professor Martin Dugas von der Universität Münster teil. Im Kern der Untersuchung standen die Antikörper gegen das "Nukleokapsidprotein", welches als Hauptstrukturprotein von Covid-19 gilt. Da der Baustein auch in den humanen Coronaviren, die seit über 50 Jahren untersucht werden, auftritt, wurde nun erforscht, ob eine vorherige Infektion mit einem der Erkältungsviren auch vor einem schweren Covid-19-Verlauf schützt.

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Die Grundüberlegung besteht darin, dass sich im Rahmen einer vorangegangenen Infektion bereits Antikörper gegen das Nukleokapsidprotein gebildet haben und eine hohe Anzahl dieser Antikörper dadurch den Verlauf von Covid-19 abschwächt. Das Konzept, das ein Antikörper gegen mehrere unterschiedliche Antigene wirkt, da diese über ein ähnliches Bindungselement - in diesem Fall das Protein - verfügen, wird auch Kreuzimmunität genannt.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Covid-19-Patienten, die schon einmal mit dem humanen Coronavirus "OC43" infiziert waren, seltener beatmet werden müssen. Die Wahrscheinlichkeit könnte um zwei Drittel sinken. Eine mögliche Kreuzimmunität reduziert jedoch lediglich einen schweren Verlauf und schützt nicht vor der Infektion mit Covid-19. Für drei andere untersuchte Coronaviren (229E, NL63 und HKU1), die bereits vor der Pandemie im Umlauf waren, wurden keine signifikanten Auswirkungen festgestellt.

Antikörpertest könnten "Prognose für Krankheitsverlauf" liefern

Das Forscherteam spricht sich in einer Mitteilung der Universität Münster klar dafür aus, die Studienergebnisse in künftige Überlegungen miteinzubeziehen. Durch Antikörpertest in Form einer kleinen Blutprobe könnte somit das Risiko eines schweren Verlaufs ermittelt werden. "Wir haben mit der Testung erstmalig eine Screeningmöglichkeit, aus der wir eine Prognose für den Krankheitsverlauf ableiten und neue Therapiemöglichkeiten bei Covid-19 für diejenigen Patienten nutzen können, die sie am meisten benötigen", sagt Professor Hartmut Schmidt in der Mitteilung. "Diese Chance sollten wir nutzen." Forscher aus Erlangen haben ebenfalls zur Früherkennung von schweren Corona-Verläufen geforscht: Sie entdeckten einen Immunbotenstoff, der das Risiko für eine schwere Erkrankung vorhersagen kann.

Auch in anderen Studien wurde eine mögliche Kreuzimmunität gegen das Coronavirus untersucht. So kam eine Studie einer Arbeitsgruppe aus Boston im vergangenen Jahr zu ähnlichen Ergebnissen wie die Forscher aus Münster. Ein Team um For Yue Tso von der University of Nebraska-Lincoln erforschte außerdem am Anfang dieses Jahres die Entwicklungen der Corona-Pandemie im subsaharischen Afrika, wo die humanen Coronaviren bereits vor der Pandemie vermehrt auftraten. Die verhältnismäßig niedrigen Infektions- und Todeszahlen im Rahmen von Covid-19 deuten ebenfalls auf einen Zusammenhang zwischen den vorherigen Erkrankungen und dem Verlauf einer Covid-19-Infektion hin.

Als Vorreiter für die aktuelle Untersuchung der Universität Münster gilt unter anderem eine Studie des örtlichen Universitätsklinikums aus dem Frühjahr 2020. Dort wurde bereits festgestellt, dass viele der Covid-19 Patienten mit mildem Verlauf viel Kontakt mit Kindern unter 10 Jahren hatten. Es besteht die Vermutung, dass eine vorangegangene Erkältung, die durch die Kinder an die jeweiligen Erwachsenen weitergegeben wurde, einen schützenden Effekt verursacht hatte.

Nähe zu Kindern könnte vor starkem Verlauf schützen

Jedoch ist trotz der positiven Ergebnisse der Studie weiterhin zu Vorsicht zu raten. Eine Erkältung im Winter bedeutet noch keinen Schutz vor Covid-19, denn nur ein Bruchteil der saisonalen Atemwegserkrankungen sind auf Coronaviren zurückzuführen. Dem Magazin Spektrum zufolge haben manche Studien auch keine Schutzwirkung durch eine vorangegangene Infektion feststellen können. Die Lage bleibt also unklar, auch wenn die aktuellsten Ergebnisse Hoffnung bereiten.

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