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Corona-Impfstoff

Corona-Impfstoff: Gerüchte und Behauptungen im Fakten-Check

Gerüchte, Verschwörungstheorien und irreführende Behauptungen zum Impfstoff gegen das Coronavirus kursieren derzeit im Netz. Dabei sind viele vermeintliche Tatsachen falsch oder lassen sich nicht eindeutig belegen.
Viele sind skeptisch, wenn es um die Impfung gegen das Coronavirus geht Daniel Schludi/ unsplash.com

Impfen lassen oder nicht? Bei kaum einem Thema gehen die Meinungen so auseinander wie beim Impfen gegen das Coronavirus. Viele sind verunsichert, denn im Internet verbreiten sich derzeit viele Falschinformationen, die nur schwer von Fakten zu unterscheiden sind. 

Die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs ist ein großer Hoffnungsschimmer: Er könnte die langersehnte Normalität, wie es sie vor der Corona-Pandemie gegeben hat, einläuten. Dafür müsste aber eine breite Masse der Bevölkerung bereit sein, sich den Stoff impfen zu lassen. 

Warum kann ein Corona-Impfstoff so schnell zugelassen werden?

Damit ein Impfstoff zugelassen werden kann, muss seine Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit belegt sein. Die Entwicklung dauert meist mehrere Jahre und ist ein langwieriger und komplexer Prozess. Zudem muss sein Nutzen gegenüber den Risiken deutlich überwiegen. Laut dem Paul-Ehrlich-Institut (Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel) werden Corona-Impfstoffe nach diesem Prinzip entwickelt und zugelassen.

Grundsätzlich entscheidet die Europäische Kommission über die Zulassung eines Impfstoffes in Europa. Dann kann der Impfstoff in den EU-Mitgliedstaaten inklusive der EWR-Staaten vermarktet und allen Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Da die Corona-Pandemie Experten weltweit vor nie dagewesene Herausforderungen stellte, verstärkte sich die Motivation, die Zusammenarbeit enger und effizienter zu gestalten. Das führte zu einem deutlichen Zeitgewinn in der Entwicklung.

Profitieren konnten die Experten auch vom SARS-Coronavirus von 2003 und MERS-Coronaviren, denn diese SARS-CoV-2 ähnlichen Coronaviren waren Auslöser der SARS-Epidemie 2002/2003 und der MERS (Middle-East-Respiratory-Syndrom)-Epidemie seit 2012. Wissenschaftler konnten auf den bereits erarbeiteten Forschungen aufbauen.

Kann der Impfstoff eine Covid-19-Erkrankung verschlimmern, statt vor ihr zu schützen?

Die Wahrscheinlichkeit ist zwar gering, aber in seltenen Fällen kann es bei Impfstoffen nach der ersten Impfung zur Bildung sogenannter "infektionsverstärkender Antikörper" kommen. Kommt der Körper das zweite Mal mit dem Virus in Kontakt, könnte sich die Krankheit verschlimmern.

Aufgrund der begrenzten Anzahl an Freiwilligen in den Studien, die nach der Impfung nochmal dem Virus ausgesetzt waren, müssen solche Reaktionen laut Professor Carlos Guzmán, Leiter der Abteilung Vakzinologie und Angewandte Mikrobiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), weiterhin beobachtet werden. 

In den groß angelegten Studien zur Zulassung für SARS-Cov-2-Impfstoffe, in denen mehrere zehntausend Probanden untersucht wurden, sind solche negativen Effekte aber bisher nicht beobachtet worden. 

Werden zur Herstellung des Corona-Impfstoffes Föten abgetrieben?

Hoch im Kurs bei Verschwörungstheoretikern sind Behauptungen, die auf das Töten von menschlichen Föten abzielen.  Vor allem auf Social-Media-Seiten werden solche vermeintlichen Fakten geteilt. 

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Dabei gehen die Behauptungen auf Forschungen zurück, bei denen in den 60er-Jahren zwei menschlichen Föten Zellkulturen entnommen wurden. Zwar werden in der Impfherstellung menschliche oder tierische Zellkulturen benötigt, diese wurden jedoch den zwei bereits abgetriebenen Föten entnommen und seither immer wieder reproduziert. Für die Herstellung von Impfstoffen werden also keine Föten getötet. 

Frauen könnten durch die Impfungen unfruchtbar werden - auch dieses Gerücht kursiert zurzeit im Netz. Die Behauptung lautet, dass im Spike des Virus enthaltene Proteine Ähnlichkeiten mit den Proteinen hätten, die bei Säugetieren Voraussetzung für die Ausbildung der Plazenta sind. Da der Körper aufgrund der Impfung nun Antikörper gegen eben diese für eine Befruchtung notwendigen Proteine bilde, würde so eine Schwangerschaft verhindert werden.

Die Impfungen gegen das Coronavirus machen Frauen nicht unfruchtbar

Lennart Randau, Professor für Mikrobiologie an der Universität Marburg und Leiter der Studiengruppe RNA-Biochemie der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie widerlegt die Behauptungen gegenüber dem ARD-faktenfinder:  Dafür sei das Spike-Protein viel zu spezifisch für das Sars-Cov2-Virus. "Es ist das Strukturprotein mit der höchsten Divergenz und wurde unter anderem zur Minimierung der Kreuzreaktionen mit anderen Erkältungs- oder Durchfall-Coronaviren gewählt." Eine Unfruchtbarkeit durch eine Impfung gegen das Coronavirus hält er daher für abstrus.