Forschende der Technischen Universität (TU) Berlin haben die aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus zum Anlass genommen und verschiedenste Szenarien evaluiert, um auf eine mögliche Rückkehr des Virus im Herbst vorbereitet zu sein. Denn auch wenn die Corona-Pandemie nach dem Aufheben fast aller Schutzmaßnahmen und der rückläufigen Omikron-Infektionswelle überwunden scheint, mahnen Expertinnen und Experten bereits jetzt vor verfrühter Euphorie. 

In der am 26. April von der TU Berlin veröffentlichten Prognose spielte das Team aus Forscherinnen und Forschern um Kai Nagel wahrscheinliche Szenarien des weiteren Pandemieverlaufs durch. Dabei fallen vor allem die Aussichten für Herbst 2022 ernüchternd aus.

Corona-Pandemie im Herbst 2022: Das erwarten die Expertinnen und Experten

Besonders schwer könnte das Gesundheitssystem unter einer neuen Mutation leiden, die gefährlicher als die Delta-Variante ist. Im Groben haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler drei Szenarien erstellt, um möglichst viele Eventualitäten abbilden zu können. 

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  • Szenario eins: Omikron bleibt die vorherrschende Variante, oder es bildet sich eine sehr ähnliche Mutation heraus, die auch auf Antikörper gegen Omikron anspricht. Diese Variante bezeichnen die Expertinnen und Experten als „eher günstigen“ Fall. 
  • Szenario zwei: Es bildet sich eine neue Mutation, gegen die Omikron-Antikörper nicht wirken, aber die in etwa der Krankheitsschwere von Omikron entspricht. Das bezeichnen die Forschenden als „mittleren“ Fall.
  • Szenario drei: Es bildet sich eine neue Variante, die in etwa der Krankheitsschwere der Delta-Variante entspricht. Das wird in der Prognose als „eher ungünstiger“ Fall bezeichnet. 

Zu den drei Szenarien erklärten die Forschenden: „Wir gehen davon aus, dass sich neue Virusvarianten der Szenarien zwei und drei hinsichtlich der Immunflucht (dem nicht erkannt werden des Virus vom Immunsystem, Anm. d. Red.) von Omikron unterscheidet.“ Daher gehen die Expertinnen und Experten davon aus, dass „die Immunflucht der neuen Variante im Vergleich zu Omikron die gleiche Größenordnung hat wie Omikron im Vergleich zu Delta.“ Das würde bedeuten, dass der bisherige Impfschutz oder Schutz durch eine Infektion gegen eine mögliche neue Variante deutlich weniger effektiv ist, so die Forschenden. Zusätzlich wäre bei Szenario zwei im Vergleich zum ersten Szenario die Inzidenz rund dreimal so hoch wie bei der aktuellen Omikron-Welle. Im dritten Szenario würde sich zudem die Krankheitsschwere deutlich erhöhen, bei einer ähnlich hohen Inzidenz wie beim zweiten Szenario. Dadurch wäre die Hospitalisierungsrate um ein Vielfaches höher, laut den Berechnungen der Forschenden um den Faktor dreizehn. Bei diesem Szenario würde das Gesundheitssystem an sein Limit stoßen, wahrscheinlich sogar überlastet werden. 

Schutz vor Überlastung des Gesundheitssystems bei einem Szenario nur mit 100 Prozent Impfquote

Ein mögliches „Szenario 4“, bei dem sich nur die Schwere der Krankheit verändert, halten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU für „weniger wahrscheinlich“. „Eine solche Virusvariante hätte Schwierigkeiten, sich durchzusetzen“, heißt es. 

Alleine durch eine Impfkampagne sei den berechneten Szenarien zwei und drei nicht beizukommen, heißt es von den Forschenden. Sie sind der Ansicht, dass der bisherige Impfstoff kaum gegen die Übertragung neuer Mutationen wirke. Mit mehreren Booster-Impfungen jedoch könne die Schutzwirkung vor einem schweren Krankheitsverlauf deutlich erhöht werden. „Unsere Simulationen ergeben, dass solche Wellen durch breite Impfkampagnen deutlich eingedämmt werden und die Belastung des Gesundheitssystems erheblich reduziert werden kann“, heißt es von dem Berliner Forscher Kai Nagel. „Sollte allerdings eine neue Mutation auftreten, die so gefährlich wie die Delta-Variante ist, wird laut unseren Simulationen das Gesundheitssystem selbst mit einer solchen Impfkampagne sehr viel stärker als derzeit belastet.“

Sollte Szenario drei eintreten, wofür es laut den Expertinnen und Experten „eine gewisse Wahrscheinlichkeit“ gebe, können laut den Simulationen der Forschenden „Impfungen als Einzelmaßnahme nur dann eine Überlastung des Gesundheitssystems vermeiden, wenn eine utopisch hohe Impfquote von 100 Prozent ab einem Alter von fünf Jahren angenommen wird“. Müsse also eine Überlastung des Gesundheitssystems abgewendet werden, so sei es in diesem Szenario nötig, „über die Impfkampagne hinaus sehr schnell sehr deutliche Gegenmaßnahmen zu ergreifen“, erklärt Nagel.  Dann also würden wieder eine umfassende Teststrategie, Maskenpflichten und Kontaktbeschränkungen eine zentrale Rolle in der Pandemiebekämpfung einnehmen. 

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