Eine neue Studie der "Eidgenössischen Technischen Universität in Zürich (ETH)" widerlegt vorherige Annahmen des "Robert-Koch-Instituts (RKI)", dass mit Corona infizierte Menschen ein bis zwei Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome ansteckend seien.

Die Forscher der Züricher Universität veröffentlichen ihre Ergebnisse im August in der Fachzeitschrift Swiss Medical Weekly. In ihren Untersuchungen stellten sie fest, dass an dem "Sars-CoV-2"-Virus Erkrankte schon viel früher ansteckend sind - nämlich sechs Tage vor Beginn der ersten Krankheitsanzeichen wie Fieber, Husten und Atemnot.

CoronaStudie: Infizierte können Virus schon sechs Tage vor ersten Symptomen übertragen

Forscher der Medizinischen Fakultät der "Universität Hong Kong" hatten im April 2020 insgesamt 77 Infektionspaare untersucht und bei 98 Prozent die höchste Infektiösität kurz vor dem Ausbruch der Corona-Symptome festgestellt. Damit legten sie den Grundstein auf diesem Forschungsfeld: Die Schweizer Forscher, um Sebastian Bonhoeffer, sind nun erst die zweiten Forscher, die sich diesem Thema widmen. Deshalb wurden bisher die Ergebnisse der chinesischen Studie als richtig angesehen. 

Die Schweizer Analysen kamen zum Ergebnis, dass sich nur 61 Prozent der Menschen einen oder zwei Tage vor dem Ausbruch der Symptome angesteckten. Somit müssten Infizierte deutlic früher das Virus auf andere übertragen haben können. Peter Ashcroft, der ebenso Autor der Studie ist, sagte gegenüber der Neuen Züricher Zeitung: "Unsere Analysen zeigen, dass Infizierte das Virus bis zu 5 oder 6 Tage vor Ausbruch der Krankheit weitergeben können."

Diese neue Erkenntnis hat Folgen für die künftige Handhabung mit Kontaktpersonen der Infizierten: Bisher wurden nur die Menschen ausfindig gemacht, die zwei Tage vor Ausbruch des Virus mit dem Corona-Infizierten Kontakt hatten. Berücksichtigt man die neue Studie, müssten nun alle in Quarantäne, die bis zu sechs Tage vor Beginn der Symptome mit dem Erkrankten zusammen waren. 

Müssen mehr Menschen in Quarantäne? Reaktion des RKI auf Schweizer Studie

Die chinesischen Wissenschaftler korrigierten ihre Publikation nach der Veröffentlichung der Schweizer Studie. Das "Robert-Koch-Institut (RKI)" ordnete zunächst eine Überprüfung der Studie an, bevor Handlungspläne geändert wurden. Denn man habe laut einer Sprecherin des "RKI" "mit den zwei Tagen vor Symptombeginn gute Erfahrungen gemacht". Ein vermutlich beträchtlicher Anteil der Ansteckungen sei auf Kontakte mit Infizierten zwei Tage vor Symptom-Beginn zurückzuführen, so die Sprecherin. 

Das "RKI" reagierte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk: "Modellierungen sind nach Einschätzung aus der Praxis mit einer gewissen Vorsicht in Entscheidungen einzubeziehen. Zum Beispiel ist nur sehr selten beschrieben, was genau als 'Symptombeginn' definiert ist. Aus dem 'Webasto'-Cluster wissen wir, dass dieser sehr schleichend sein kann und ein oder mehrere Tage an leichter Symptomatik einer "typischeren" vorausgehen kann. Dies kann aber dazu führen, dass in einer gegebenen Studie systematisch (oder gar unsystematisch) der Tag des Symptombeginns zu spät verortet wird, und dadurch auch der präsymptomatisch-infektiöse Anteil überschätzt wird."

Daran erkennen Sie, ob Sie sich mit dem Corona-Virus infiziert haben.

sh/tu