Der Hauptübertragungsweg des Coronavirus erfolgt über Tröpfchen. Durch Niesen oder Husten können diese in Reichweite von anderen Menschen gelangen, bei denen das Virus hauptsächlich von den Schleimhäuten der Nase und des Mundes aufgenommen wird.

Doch andere Übertragungswege können nicht automatisch ausgeschlossen werden. So wurde bereits untersucht, ob Covid-19 möglicherweise sogar durch Mücken übertragen werden kann. Auch ist vielen unklar, ob das Virus wirklich nur durch Husten und Niesen für andere Menschen gefährlich wird - oder ob eine Übertragung sogar durch eine normale Unterhaltung geschehen kann. Dieser Frage haben sich Forscher der US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) angenommen - und sind dabei zu einem nicht ganz eindeutigem Ergebnis gekommen.

Viren-Übertragung in Form von Aerosolen möglich

Die Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen, sind in der Regel relativ groß und können, sofern von einer infizierten Person ausgestoßen, Viren enthalten. Der Vorteil solcher großen Tröpfchen ist, dass diese verhältnismäßig schnell zu Boden Fallen. Anders verhält es sich nun mit kleinen Tröpfchen, die durch normales Sprechen in die Luft gelangen.

Je kleiner die Tröpfchen, desto schneller trocknen diese auch aus - allerdings bleiben sie als sogenanntes "Aerosol" lange in der Luft stehen. Überstehen die Viren diesen Prozess der Austrocknung relativ unbeschadet, so besteht demnach die Gefahr, dass infektiöse Partikel weiterhin in der Luft herumschwirren - alleine durch normale Gespräche.

Immer mehr Experten halten diese Möglichkeit der Viren-Übertragung für nicht unwahrscheinlich - auch das Robert Koch Institut (RKI) hält es für möglich, dass Viren in Form von Aerosolen stundenlang in der Luft bleiben können.

Experiment zeigt: Tröpfchen gelangen durch normales Sprechen in die Luft

Um der Frage auf den Grund zu gehen, entwarfen die Forscher des NIH ein Experiment. Es sollte gezeigt werden, wie viele Tröpfchen sich bereits bei alltäglichen Gesprächen aus dem Mund in die Luft begeben. Die Versuchspersonen wurden angewiesen, die Worte "stay healthy" auszusprechen. Und tatsächlich: Mit Hilfe eines Lasers konnte festgehalten werden, wie viele Tröpfchen die Menschen produzierten. Die Anzahl und Größe der Tröpfchen variierte demzufolge mit der Lautstärke der gesprochenen Worte.

Je lauter die Stimme, desto mehr Tropfen. Den Forschern zufolge könne demnach bereits ein ruhiger Umgangston und eine normale Gesprächsatmosphäre eine Verbreitung der Viren verursachen. Eine übereinstimmende Meinung hinsichtlich der Minimierung solcher Viren-belasteten Aerosole teilen sowohl die Nationale Akademie der Wissenschaften der USA als auch das RKI in Deutschland: Das Tragen einer Gesichtsmaske verhindert den Ausstoß von feuchten Partikeln. Übrigens: Wir haben aufgrund der anstehenden Maskenpflicht ab dem 27. April 2020 einige Alternativen aufgelistet, wo Sie noch Masken im Internet bestellen können.

Der Biologe Matthew Meselson von der Harvard University äußerte sich in einem Kommentar zu dem Forschungsbericht wie folgt: "Aerosole von infizierten Personen können auch in beträchtlichen Entfernungen und in geschlossenen Räumen eine Infektionsgefahr darstellen, insbesondere bei schlechter Belüftung." Auch er empfiehlt das Tragen von Masken und regelmäßiges Lüften von geschlossenen Räumen.

Luftübertragung von  Sars-CoV-2 laut Experten unwahrscheinlich

Die Studie kann jedoch nicht beweisen, dass speziell Covid-19 durch normales Sprechen übertragen werden kann, denn das Projekt wurde virusfrei durchgeführt. Ohne Zweifel konnte aber gezeigt werden, dass sich Aerosole durch normale Gespräche lange in der Luft halten können. Dennoch sollte das kein Grund zu erhöhter Sorge sein.

Zu dem Ergebnis kam auch Virologe Christian Drosten in einem Podcast von NDR-Info. Grundsätzlich halte er eine Luftübertragung von Sars-CoV-2 für möglich. Allerdings stelle das Sprechen im Freien keine erhöhte Gefahr dar. Auch schätzt er die Lage im öffentlichen Leben in dieser Hinsicht als wenig dramatisch ein: "Viele Supermärkte und ähnliche öffentliche Räume haben raumlufttechnische Anlagen, die eine erhebliche Austauschrate der Raumluft ermöglichen, sodass man auch nicht unbedingt in der ängstlichen Vorstellung leben muss, dass die Luft jetzt überall voller Virus ist." Auch das RKI hält eine Übertragung von SARS-CoV-2 über Aerosole nach aktuellen Erkenntnissen für unwahrscheinlich. Anhand der Ergebnisse ist klar, dass weitere Forschung hinsichtlich der Übertragung des Coronavirus durch normale Unterhaltungen nötig ist - der derzeitige Stand aber keinen Grund zur Panik liefert.