Kann man sich an der frischen Luft mit dem Coronavirus anstecken, etwa beim Joggen oder Spazierengehen? Die Zahl der Corona-Infizierten steigt inzwischen etwas langsamer, dennoch breitet sich Covid-19 weiter aus. Um sich außerhalb der eigenen vier Wände zu schützen, wird derzeit viel über Schutzmasken diskutiert. Zuletzt verhängte die österreichische Regierung eine Mundschutz-Pflicht beim Einkaufen.

Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren sollen die Ausbreitung des Virus hierzulande verlangsamen. Es wird zu "Social Distancing" und Zuhause-Bleiben aufgerufen. Rausgehen ist unter Bedingungen, beziehungsweise aus einem "triftigen Grund", dennoch erlaubt. Dazu zählt auch Bewegung - also unter anderem Spazierengehen oder Joggen.

Gefahr der Tröpfcheninfektion durch andere Sportler

Bewegung im Freien ist grundsätzlich gesund für den Körper, das Immunsystem und die Psyche. Eine kleine Runde an der frischen Luft ist allemal sinnvoll - doch wie groß ist die Gefahr, sich dabei mit dem Coronavirus zu infizieren?

 

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Dass sich Coronaviren durch Husten, Niesen oder Ausatmen übertragen lassen, gilt als sicher. Über die sogenannte Tröpfcheninfektion gelangt das Virus von einer infizierten Person zu einer bis dahin nicht infizierten Person. Gelangt es von dort in den Mund oder die Schleimhäute der Nase, ist eine Infektion möglich. Daher birgt das Joggen oder Spazierengehen in dieser Hinsicht Gefahr - allerdings nur dann, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten und Hygieneregeln wie das Husten in den Arm missachtet werden.

Weitere Infektionswege sind deutlich umstrittener. So ist eine Schmierinfektion über Gegenstände nicht auszuschließen, jedoch konnten noch keine Infektionen nachgewiesen werden. Mehr über die aktuell vorliegenden Erkenntnisse, wie man sich mit dem Coronavirus infizieren kann, lesen Sie hier. Da beim Joggen oder Spazierengehen zudem wenig angefasst wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit noch mehr.

Virologe Drosten: Virus fällt schnell zu Boden

Die Luft selbst ist nach bisherigen Erkenntnissen ein potenzieller, allerdings kein guter Überträger. Offenbar hält sich das Coronavirus nur für einen geringen Zeitraum dort auf und fällt dann "relativ schnell zu Boden" sagt Christian Drosten, Virologe und Institutsleiter der Berliner Charité, im Podcast "Coronavirus-Update" des NDR

 

Somit ist eine Infektion nicht vollkommen auszuschließen, jedoch scheint die Wahrscheinlichkeit sehr gering. Bisher konnte auch hier noch keine reine Übertragung über die Luft nachgewiesen werden. Die größte Gefahr einer Ansteckung beim Joggen oder Spazierengehen ist also die Tröpfcheninfektion.

Drosten erklärt, dass das Virus "ausgehustet" werde und "als grobes bis mittelgroßes tröpfiges Aerosol in der Luft" steht. Jedoch, und das ist der wichtige Faktor, nur "für eine ganz kurze Zeit, für ein paar Minuten" - danach falle das Virus zu Boden. Er fügt an, dass es nicht so sei, "dass man sich beim Spazierengehen infiziert, wenn man sich begegnet."

Untersuchungen aus Belgien und den Niederlanden: 2 Meter Abstand reichen vermutlich nicht aus

Der Aerodynamiker Bert Blocken und ein Team der Universitäten Leuven und Eidhoven haben Untersuchungen zum Mindestabstand und der Infektionsgefahr bei Bewegung angestellt. Das Ergebnis: Die Tröpfchen, die man ausatmet, seien so leicht, dass sie sich nicht mitbewegen. "Sie bleiben in der Luftwolke hinter Ihnen zurück und benötigen eine Zeit, bis sie zu Boden fallen", sagte Blocken in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Die Tröpfchen bleiben also eine Zeit lang  im Windschatten in der Luft. Je nach Größe des Joggers oder Radfahrers kann der zwischen 20 und 25 Metern lang sein. Bei Bewegung ist ein Sicherheitsabstand von zwei Metern also nicht ausreichend.

Konkrete Aussagen zum Infektionsrisiko möchte Blocken nicht machen: "Wir sind keine Virologen, wir sind Aerodynamiker und Ingenieure."
Trotzdem mache es einen großen Unterschied, ob man beim Überholen nur kurz im Windschatten eines Jogger oder Radfahrers sei oder während einer Fahrradtour mehrere Stunden hinter einer anderen Person fahre.