Die Suche nach einer erfolgreichen Eindämmung des Coronavirus läuft auf Hochtouren. Da Impfstoffe und Medikamente noch in der Entwicklung sind und wohl nicht vor 2021 auf den Markt kommen, braucht es politische Maßnahmen und Strategien.

Eine mögliche Idee ist die Herdenimmunität, an der der britische Premierminister Boris Johnson lange festhielt. Viele andere Länder, darunter auch Deutschland reagierten mit Ausgangsbeschränkungen oder gar Ausgangssperren. Experten raten zu einer anderen Strategie: "Hammer und Tanz" - die schon in Südkorea von Erfolg gekrönt war.

"Schnellstmögliche Kontrolle" des Virus: Südkorea als Vorbild?

In einem internen Strategiepapier des Bundesinnenministerium, das der Süddeutschen Zeitung, dem NDR und WDR vorliegt, werden mehrere Szenarien der Corona-Pandemie simuliert. Eine veränderte Variable ist jeweils die angewandte Strategie zur Eindämmung des Virus. Bundesweit gilt derzeit die Methode "Wir testen, um die Lage zu bestätigen", so die Autoren des Papiers. Sie geben die Empfehlung, eine neue Strategie zu fahren.

Südkorea gilt hier als strategischer Vorreiter: Anders als China wurde keine Ausgangssperre verhängt - stattdessen wurde dort über weite Flächen getestet. Jedoch in einer anderen Art, als es in Deutschland bundesweit derzeit der Fall ist. In Südkorea wurde insbesondere über zahlreiche Testzentren und Drive-In-Stationen getestet. Diese hohe Testkapazität und die gezielte Isolation Erkrankter brachten den erhofften Effekt: Die Verbreitung des Virus verlangsamte sich, ohne dass dabei das öffentliche Leben zum Erliegen kam.

"Schnellstmögliche Kontrolle" gilt laut den Autoren als das vielversprechendste Szenario. Zur Erreichung des Ziels seien laut den Experten "das Testen und Isolieren der infizierten Personen" notwendig. Damit sollen die schlimmsten Folgen für Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft verhindert werden.

Erhöhung der Testkapazitäten durch "innovative Lösungen"

Aktuell werden in Deutschland nur Personen mit grippeähnlichen Symptomen oder Personen, die zur Risikogruppe gehören, beziehungsweise Kontakt zu einer Infizierten Person hatten, getestet. Das müsse geändert werden. Um das empfohlene Szenario zu erreichen, sollten "sowohl Personen mit Eigenverdacht, als auch der gesamte Kreis der Kontaktpersonen von positiv getesteten Personen" einen Test durchlaufen.

Dazu müsste zunächst die Testkapazität erhöht werden. In dem Papier zur Ermittlung des besten Szenarios ist die Rede von einer schrittweisen Erhöhung der Tests - bis Ostern auf 200.000 Tests täglich. Aktuell sind laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wöchentlich zwischen 300.000 und 500.000 Tests möglich. Zur Erhöhung dieser Kapazität seien "innovative Lösungen" nötig, wie es laut tagesschau.de in dem Papier heißt.

Vorgeschlagen werden Drive-In's und Telefonzellen-Teststationen. Zudem soll medizinisches Personal geschützt und entlastet werden, indem die Bürger den Rachenabstrich, der zur Kontrolle auf das Coronavirus angewandt wird, selbst durchführen. Wer positiv getestet wird soll umgehend zu Hause oder in einer Quarantäne-Anlage isoliert werden.

"Hammer and Tanz" für das bestmögliche Szenario

In dem Papier wird außerdem das "Worst-Case" Szenario durchlaufen. Hier gibt es keinerlei Maßnahmen der Regierung, das Virus breitet sich monatelang unkontrolliert aus, es gebe viele Tote, was zusätzlich drastische Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft hat. Ohne sämtliche Maßnahmen würden im Mai 80 Prozent der Patienten, die auf eine Intensivstation müssten, von den Krankenhäusern abgewiesen.

Daher wird empfohlen, Maßnahmen zu ergreifen, um die "schnellstmögliche Kontrolle" zu erreichen. Für den "Hammer" sind zunächst Maßnahmen wie Schulschließungen, Ausgangsbeschränkungen oder Kontaktsperren nötig. So soll das Virus und dessen Verbreitung eingedämmt werden, die Fallzahlen innerhalb weniger Wochen rückläufig sein.

In diesem "Best-Case" könnte um Ostern die "Tanz"-Phase beginnen. Die Schließungen von Schulen und Kindergärten wird aufgehoben und die Infektion durch ein breites Testen kontrolliert. "Weitgehend zurück zur Normalität" käme das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben, heißt es in dem Papier. In der Wirtschaft sei von einem Verlust von "nur" vier Prozent des Bruttoinlandproduktes zu rechnen. Gleichzeitig würde im Zeitraum rund um Ostern die höchste Zahl an entdeckten Infektionen erwartet, was auf die vielen Tests zurückzuführen wäre. Danach würde diese Zahl jedoch rückläufig sein.