Das neuartige Coronavirus beherrscht zurzeit die Nachrichten und politischen Vertreter aller Länder. Viele Menschen fragen sich: „Woran merke ich, ob ich auch infiziert bin?“inFranken.de hat einen Überblick über die bisher bekannten Symptome verfasst. Einen neuen Anhaltspunkt liefert nun eine neue Untersuchung an der sich auch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt. Demnach würden zahlreiche Befragungen den Schluss nahe legen, dass das Coronavirus bei Erkrankten vorübergehend den Geruchs- und den Geschmackssinn ausschalten würde.

Um diese These mit weiteren Zahlen abzusichern, hat nun das Global Consortium for Chemosensory Research (GCCR), ein Konsortium von mehr als 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt, eine breit angelegte Online-Studie gestartet. Durch diese Studie erhoffen sich die Wissenschaftler Erkenntnisse darüber, wie Covid-19-Patienten den Verlust von Geruch und Geschmack, oder aber eine Veränderung des Empfindens im Mund während der Erkrankung, wahrnehmen. Aus Franken von der FAU unterstützen Prof. Dr. Jessica Freiherr und Prof. Dr. Andrea Büttner die Untersuchung. Freiherr ist Professorin für Neurowissenschaften der sensorischen Wahrnehmung, Büttner Inhaberin des Lehrstuhls für Aroma- und Geruchsforschung.

Expertin: "Rund 80 Prozent der Coronavirus-Patienten scheinen betroffen zu sein"

„Es gibt inzwischen einige Veröffentlichungen zum mutmaßlichen Covid-19-Symptom des Geruchs- und Geschmacksverlusts. Demnach leiden wohl rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten daran“, sagt Jessica Freiherr. Doch um diese Annahme zu belegen bräuchte es eine groß angelegte Studie. Die gebe es bislang noch nicht. Könnte man tatsächlich eine Korrelation zwischen der Corona-Infektion und der Veränderung des Geruchs- respektive Geschmackssinns nachweisen, könnte man diese Erkenntnis offiziell in die Liste der Symptome bei Covid-19-Erkrankungen aufnehmen.

Das wiederum würde medizinischen Einrichtungen eine Grundlage geben, auch Patienten auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu testen, bei denen dieses Symptom im Vordergrund steht. Auch wenn die Erkrankung sonst eher symptomlos verläuft.

An der Online-Studie nehmen neben Geruchsforschern auch Vertreter aus den Bereichen der Neurowissenschaft, Psychologie oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde teil. Jessica Freiherr verspricht sich davon einen detaillierten Einblick in ein bislang angeblich unterschätztes Symptom: „Da Geruchsverlust auch bei einer herkömmlichen Erkältung – etwa dem klassischen Schnupfen mit verstopfter Nase – auftreten kann, ist es für die Forschung wichtig, die Zusammenhänge genauer zu verstehen, vor allem auch, wie intensiv das Symptom wahrgenommen wird und wie lange und häufig es auftritt.“

FAU und GCCR bitten um Mithilfe bei der Online-Studie

Um möglichst präzise und verlässliche Zahlen und Daten zu erhalten, bittet die FAU in Zusammenarbeit mit der GCCR darum, dass möglichst viele Menschen die in den vergangenen Wochen entweder eine Covid-19-Infektion oder eine herkömmliche Erkältung (Kontrollgruppe) durchgemacht haben,an der Umfrage teilzunehmen. Nur so könnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.