Bisher waren Experten und Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die Coronaviren größtenteils über den Rachen aufgenommen werden und im weiteren Verlauf in die Atemwege wandern. 

Diese Annahme wurde von einer neuen Studie aus den USA infrage gestellt. Dort will man festgestellt haben, dass eine Infektion über die Nasenschleimhäute deutlich wahrscheinlicher ist, als über den Rachen. Auch der deutsche Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin hat sich dazu geäußert.

Coronavirus: Infektion über Nase am wahrscheinlichsten

Um zu analysieren, wie das Coronavirus "Sars-CoV-2" am leichtesten in den Körper eindringt, betrachtete das Forscherteam aus North Carolina die unterschiedlichen Zelltypen in den Nasen-, Rachen- und Bronchialschleimhäuten. Die dort befindlichen Rezeptoren sind für die "Sars-CoV-2"-Erreger von entscheidender Bedeutung, da das Virus sie benötigt, um in das Innere des Körpers einzudringen. 

Bei ihren Untersuchungen stellten die Wissenschaftler fest, dass sich in den Zellen der Nasenschleimhaut am meisten Andockstellen für Coronaviren befinden. Außerdem kam, wie erwartet, zum Vorschein, dass eine Infektion über die oberen Atemwege am wahrscheinlichsten ist.

Im zweiten Teil der Studie beleuchtete das Forscherteam um Wissenschaftler Yixuan Hou, wie das Coronavirus auf die Antikörper der Verwandten "Sars-1" und "Mers"-Krankheit reagiert. Das Ergebnis des Laborversuchs war: Die Antikörper konnten die Vermehrung von "Sars-CoV-2"  in geringem Maße hemmen, was auf eine mögliche Teilimmunität von  ehemaligen "Sars"- beziehungsweise "Mers"-Patienten hindeutet.

Corona: Welche Rolle spielt die Nase? Drosten äußert sich

Auch der deutsche Virologe Christian Drosten hat sich in seiner neusten Folge (Stand: 10. Juni 2020, 7.20 Uhr) des Podcasts "Coronavirus-Update" im NDR dazu geäußert, welche Rolle die Nase bei der Verbreitung von "Covid-19" spielt.

Dabei bezieht er sich unter anderem auf die oben genannte Studie und betitel die Nase als mögliche "Virenschleuder". "Die Nase ist anscheinend ein sehr gutes Zielorgan für das Sars-2-Virus. Ich denke schon, dass beim Ausatmen aus der Nase ordentlich Virus ausgeschieden wird", erklärt der Virologe im Podcast. 

Die Erkenntnis könnte aber auch neue Wege zur medizinischen Behandlung des Virus öffnen. "Es ist lohnenswert zu überlegen, inhalative Wege der Therapie, später vielleicht sogar der Impfung zu gehen", so Drosten. So könnte direkt das betroffenen Gewebe behandelt werden und es wäre kein Umweg über den Blutkreislauf nötig. Potenziell kämen Nasensprays oder Inhalatoren infrage. Laut Drosten sollen würden Pharmafirmen bereits an einer derartigen Lösung arbeiten. 

Auf der ganzen Welt forschen Wissenschaftler nach einem geeigneten Corona-Impfstoff. Dafür benötigen sie sogenannte "Hot-Spots" - aber warum eigentlich? Hier erfahren Sie es

aa