Patienten müssen sich darauf einstellen, dass sie für bisher zuzahlungsbefreite Medikamente ab April zahlen müssen - und zwar fünf oder zehn Euro pro Medikament. "Die Neuerung tut sicher sehr vielen Patienten weh. Denn bei den Medikamenten, die bisher zuzahlungsbefreit waren und jetzt nur mit Zuzahlungen zu bekommen sind, handelt es sich um gängige Arzneimittel. Diese Änderung wird jeder spüren. Sie trifft den Normalo", sagt der fränkische Apotheker Christian Machon aus Mellrichstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld), der dem Vorstand der bayerischen Landesapothekerkammer angehört.

Dabei sind die neuen Zuzahlungen nicht die einzige Änderungen zum April. Diese Gesetze ändern sich ebenfalls.


Zuzahlungen gehen an Kassen

Machon betont, dass die Apotheker die Zuzahlung nicht behalten, sondern in Gänze weitergeben an die Krankenkassen.

Zu den Arzneimitteln, für die bisher keine Zuzahlungen anfielen und für die ab April fünf bis zehn Euro gezahlt werden müssen, gehören starke Schmerzmittel, die die Wirkstoffe Fentanyl, Morphin oder Oxycodon enthalten. Auch häufig von Ärzten verordnete Substanzen wie der EntzündungshemmerPrednisolon oder der Blutverdünner Clopidogrel werden wohl zuzahlungspflichtig; ebenfalls das Rheumamittel Infliximab. "Wenn jemand zwei oder drei dieser Medikamente häufiger braucht, dann merkt er das schon am Geldbeutel", sagt Machon.

Dabei seien die Patienten ja bereits leidgeprüft. Sie hätten sich in den letzten Jahren wohl oder übel darauf einstellen müssen, dass die Krankenkassen im Zuge der Rabattverträge die Abgaberichtlinien von Medikamenten häufig geändert hätten - mit der Folge, dass gewohnte Medikamente plötzlich unter einem anderen Namen, in einer anderen Darreichungsform oder zu einem anderen Preis daherkämen.

Auch in dieser Hinsicht wird der April den Patienten einiges abverlangen. Denn zeitgleich zu den kassenübergreifenden Änderungen bei der Zuzahlung treten auch kassenspezifische Rabattverträge in Kraft. Das kann einer Mitteilung der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA) zufolge dazu führen, dass Patienten sich von ihrem gewohnten Präparat verabschieden und auf ein neues Medikament umstellen müssen.


"Massiver Redebedarf"

Apotheker Machon rechnet damit, dass die Patienten nach der Umstellung "massiven Redebedarf" haben - und er drückt sich dabei noch weit zurückhaltender aus als manche Apotheker aus der Region, die voraussehen, dass die Patienten ihren Frust über die Umstellung an ihnen auslassen und auch mal laut schimpfen.

Auf einen beratungsintensiven April stellt sich auch die Apothekerin Sonja Stipanitz aus Falkenstein in der Oberpfalz ein, die von der ABDA als einzige bayerische Patientenbeauftragte gelistet ist. Stipanitz erläutert die Probleme, die auf Apotheker und Patienten zukommen werden, am Beispiel des Blutverdünner-Wirkstoffs Clopidogrel. Rund 70 Präparate, die diesen Wirkstoff enthielten, seien aktuell verfügbar.

Doch sie könne dem Patienten nicht einfach das günstigste geben - denn sie müsse ja vorher prüfen, ob die Darreichungsform und die Stärke der ärztlichen Verordnung entspreche und ob die Kasse, bei der der Patient versichert ist, das jeweilige Medikament mit Bezug auf jeweilig geschlossene Rabattverträge auch unterstütze.

"Wir Apotheker geben deshalb kein verschreibungspflichtiges Medikament mehr raus ohne dass wir das durch den Computer mit seinen zehntausend Verknüpfungen laufen lassen", sagt Stipanitz.
Deshalb dauere die Beratung in der Apotheke manchmal auch etwas länger. Zudem gebe es ein weiteres Problem - die Lieferbarkeit. So passiere es in den letzten Jahren immer wieder, dass gängige Medikamente nicht verfügbar seien, so Stipanitz weiter.

Warum die Kassen den Patienten die neuen Zuzahlungen zumuten? "Letztlich geht es ihnen einfach darum, ihre Ausgaben zu senken", sagt Thomas Metz, der Sprecher des bayerischen Apothekerverbands. von Gisela Rauch