"Küssen verboten", singen Die Prinzen 1992. Daran hält sich so gut wie niemand. Es wird gebusselt, gezüngelt und geknutscht. Warum eigentlich?

Warum küssen sich Menschen überhaupt?

Das ist unter Wissenschaftlern durchaus umstritten. Viele haben eine eher unromantische Theorie: Das Küssen komme von der Brutpflege und habe sich aus dem Fütterungsritual entwickelt, bei dem vorgekaute Nahrung an die Kinder weitergegeben wird. Andere Experten gehen davon aus, dass die Wurzel des Kusses eher sexueller
Natur ist: Bei Begegnungen zwischen Vierbeinern sei es nicht unüblich, sich am Hinterteil zu beschnüffeln und zu belecken. Diese Geste habe sich dann beim Aufrichten des Menschen von unten nach oben verlagert.

Wer stellt solche Thesen auf? Unter anderem Philematologen: Kussforscher. Sie haben zum Beispiel herausgefunden, dass zwei Drittel der Menschen den Kopf beim Küssen nach rechts neigen. Von ihnen stammt auch die Erkenntnis, dass ein Mensch in 70 Lebensjahren im Schnitt mehr als 76 Tage mit Küssen verbringt.


Gehört Knutschen zum Menschen automatisch dazu?

Nicht unbedingt. US-Forscher haben herausgefunden, dass es nur in 46 Prozent der verschiedenen Kulturen "romantisch-sexuelles Küssen" gibt. Über die Chinesen schrieb 1897 ein französischer Ethnologe, sie empfänden den Kuss der Europäer als eine ekelhafte Spielart von Kannibalismus.


Küssen Tiere auch?

Manche schon. Besonders tun sich die Bonobos - eine Schimpansenart - hervor. Die Primaten sollen, so heißt es, sogar Zungenküsse austauschen - auch außerhalb der fruchtbaren Zeit des Weibchens.


Warum gilt Küssen als gesund?

Wissenschaftlern zufolge kann Küssen das Immunsystem stärken und Stress abbauen. Nach Erkenntnissen von US-Forschern produziert der Körper beim Küssen chemische Substanzen (Neuropeptide), die die sogenannten Killerzellen aktivieren. Sie stürzen sich auf schädliche Bakterien oder Viren und vernichten sie.

Zudem trainiert man beim Küssen alle 34 Gesichtsmuskeln. Gleichzeitig warnen manche Mediziner davor, dass beim Küssen gefährliche Viren übertragen werden können. Allerdings kann gerade das das Immunsystem stärken.


Wie entstehen Knutschflecken?

Er sieht rötlich-bläulich aus. Wer einen hat, dem ist das oft peinlich. Die Rede ist vom Knutschfleck. Ein Knutschfleck ist ein kleiner Bluterguss. Er entsteht, wenn kräftig mit den Lippen an der Haut gesaugt wird. Unter der Haut platzen dann kleine Blutgefäße. Denn das Saugen sorgt für Unterdruck. Dieser lässt die Blutgefäße platzen. Besonders einfach klappt das an weichen, dehnbaren Stellen, zum Beispiel am Hals.

Zunächst präsentiert sich ein Knutschfleck in roten und blauen Farbtönen. Irgendwann wird er gelblich, ehe er ganz verschwindet. Das kann bei fiesen Knutschflecken aber bis zu zwei Wochen dauern. Soll der Knutschfleck nicht riesengroß werden, kann man ihn kühlen.