Schlechte Nachrichten für Craft-Beer-Fans: Die schottische Kult-Brauerei Brewdog verabschiedet sich aus Deutschland. Wie zunächst die Berliner Morgenpost (MoPo) berichtete, will die Deutschland-Tochter des Unternehmens beim Amtsgericht Berlin Anfang dieser Woche einen Insolvenzantrag stellen.
Laut der Zeitung sind sowohl die Berliner Brauerei als auch die Gastronomie von der Insolvenz betroffen. Brewdog betreibt mehrere Objekte in Wiesbaden, Berlin und Hamburg. Der Standort in Wiesbaden war bereits Anfang des Jahres geschlossen worden, kürzlich gingen die Lichter im Lokal in Berlin-Friedrichshain aus. Zwei weitere Filialen in Berlin sowie in Hamburg sollen sofort schließen. Die Mitarbeiter sollen laut der MoPo per E-Mail von Brewdog-CEO James Watt über die weiteren Schritte informiert worden sein.
Craft-Beer-Riese Brewdog in Schieflage - Mitarbeiter bangen um Jobs
Die britische Zeitung Guardian berichtet bereits seit Mitte Februar über Turbulenzen rund um Brewdog. Demnach ist das Unternehmen tief in den Miesen und hatte das Consulting-Unternehmen AlixPartners beauftragt, Wege aus der Krise zu finden. Am Dienstag berichtete das britische Blatt schließlich, dass die Brauerei für 33 Millionen Pfund an die US-amerikanische Getränke- und Cannabis-Firma Tilray verkauft worden sein. Für viele Mitarbeiter bedeutet das laut dem Guardian düstere Aussichten. Zwar hätten über 700 Jobs, mehrere Bars in Großbritannien sowie Produktion und Marken gerettet werden können. Doch für knapp 500 Menschen bedeutet der Verkauf einen Abschied vom Unternehmen.
Die deutschen Mitarbeiter der Krisen-Brauerei dürften für Februar schon kein reguläres Gehalt mehr bekommen, vielmehr soll es für sie bereits Insolvenzgeld über die Bundesagentur für Arbeit geben. Laut der MoPo will das Unternehmen fortlaufend über den Stand der Verhandlungen mit möglichen Investoren informieren. Die Bierbranche in Deutschland steckt durch zunehmend schwache Absätze in einer tiefen Krise, zahlreiche Brauereien haben in den vergangenen Monaten Insolvenz angemeldet. In Franken verkündete unter anderem die Traditionsbrauerei Leikeim ihre Zahlungsunfähigkeit.
Brewdog profilierte sich als großer Player der Craft-Beer-Szene und erreichte zuletzt einen Ausstoß von 800.000 Hektolitern. Aus dem schottischen Ellon heraus expandierte das Unternehmen in die ganze Welt und war unter anderem in den USA, Brasilien oder Australien stark präsent. Ihr Wachstum finanziert die Brauerei unter anderem mit einer Art Crowdfunding-Modell, bei dem in den ersten Runden rund 67 Millionen Pfund von rund 95.000 Kleininvestoren eingesammelt wurden. Auch diese sogenannten "Equity Punks" dürften durch den Verkauf an Tilray nun leer ausgehen.