Die Szene kennen viele Eltern: Brokkoli, Rosenkohl oder Spinat werden serviert, und das Kind schiebt den Teller angewidert weg. Was wie Trotz aussieht, hat jedoch einen tieferen biologischen Hintergrund. Ernährungswissenschaftler erklären, warum die Abneigung gegen grünes Gemüse ein evolutionäres Schutzprogramm ist - und weshalb Gelassenheit die beste Erziehungsstrategie darstellt.
Die Ablehnung bestimmter Gemüsesorten wurzelt in der Evolution des Menschen. "Seit Jahrmillionen signalisiert 'bitter' in der Natur: Achtung, potenziell giftig", erklärt Ernährungswissenschaftler Uwe Knop bei Focus Online. Pflanzen entwickelten Bitterstoffe als Schutz vor Fressfeinden. Vorfahren, die diese Warnsignale ernst nahmen, besaßen einen Überlebensvorteil.
Besonders Brokkoli und Rosenkohl betroffen: Bestimmte Stoffe lösen genetisch Ablehnung aus
Kinder reagieren demnach besonders empfindlich auf bittere Aromen. Auch Geo berichtet über diese angeborene Vorsicht: Ein bitterer Geschmack sei oft ein Hinweis auf Giftiges, weshalb sich Kinder erst langsam an derartige Lebensmittel gewöhnen müssten. Besonders betroffen von kindlicher Ablehnung seien Kreuzblütler wie Brokkoli oder Rosenkohl. Laut Knop enthalten diese Glucosinolate – sekundäre Pflanzenstoffe, die für empfindliche Kinderzungen wie ein Warnsignal schmecken könnten, obwohl sie für Erwachsene gesundheitsfördernd seien, zum Beispiel bei der Leberentgiftung.
Die Farbe Grün wirke dabei oft wie ein optischer Verstärker, da sie in der Natur häufig mit unreifen oder bitterstoffreichen Pflanzenteilen assoziiert wird. Wichtiger als die Farbe seien jedoch Geschmack, Textur, Geruch und Vertrautheit, so der Experte. Parallel zur Abneigung gegen Bitteres bestehe eine angeborene Vorliebe für Süßes, wie die Fachzeitschrift Geo erläutert. Zucker lieferte bereits in der Urzeit überlebenswichtige Kalorien und signalisiere Kindern, dass ein Lebensmittel sicher ist - kaum ein Nahrungsmittel sei süß und giftig zugleich.
Mit zunehmendem Alter verändere sich die Wahrnehmung. Die Empfindlichkeit gegenüber Bitterstoffen nehme ab und das Gehirn lerne, dass auch bittere Lebensmittel sicher sein können. Knop bezeichnet diesen Prozess als "Flavor-Flavor-Learning". Manche Erwachsene blieben dennoch empfindlich: Sogenannte "Superschmecker" mit bestimmten Varianten des Bitterrezeptor-Gens TAS2R38 nähmen Bitteres lebenslang intensiver wahr, heißt es im Bericht.
6 Ernährungstipps von klein auf: So vermeiden Eltern ein Mäkel-Kind beim Essen
Schätzungen zufolge benötige es zehn bis 15 entspannte Kontaktmomente, bis ein neues Lebensmittel akzeptiert wird. "Druck verlängert diesen Prozess – Gelassenheit verkürzt ihn", betont der Ernährungswissenschaftler. Die Sorge vieler Eltern, ihr Kind erleide ohne grünes Gemüse einen Nährstoffmangel, ist laut Knop überzogen. "Vitamine und Mineralstoffe sind nicht an die Farbe Grün gebunden." Vitamin C stecke auch in Paprika oder Obst, Ballaststoffe lieferten Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte, Eisen finde sich in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln. Das Ausmaß der Mäkeligkeit beim Essen variiert allerdings von Geburt an. Geo berichtet, dass es Kinder gibt, die von Natur aus aufgeschlossener für Esserziehungsversuche sind, während andere vehement auf ihrer täglichen Portion Fischstäbchen beharren.
Schon vor der Geburt könne die Mutter über ihre Ernährung erste Geschmacksvorlieben prägen. Das Ungeborene registriere nämlich Aromen im Fruchtwasser. Nach der Geburt setze sich diese Erfahrung fort, da die Muttermilch Spuren jener Speisen enthält, welche die Frau verzehrt hat, so das Fachmagazin. Obwohl genetische Faktoren eine Rolle spielen, sei Esserziehung keineswegs sinnlos. Eine Zwillingsstudie hat laut Geo gezeigt: In den ersten 16 Monaten können Heranwachsende besonders gut daran gewöhnt werden, ausgewogen zu essen. Diese Empfehlungen von Experten können Eltern beim Thema Ernährung helfen:
- Vielfältige Speisen ohne Druck anbieten
- Entspanntes und gesundes Essen vorleben
- Lebensmittel nie als "gesund" anpreisen (führt zu Zwangsgefühl, wird von Kindern nicht verstanden)
- Süßigkeiten nicht komplett verbieten, sondern Vorauswahl beim Einkauf treffen
- Stress am Esstisch vermeiden
- Geduld bewahren und Speisen immer mal wieder probieren lassen
Ein Redakteur hat diesen Artikel unter der teilweisen Verwendung eines KI-Sprachmodells verfasst und/oder optimiert. Sämtliche Informationen wurden sorgfältig geprüft.
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