Auch wenn derzeit Hochsommer ist und es Bockbier gewöhnlich in der kälteren Jahreszeit gibt, wurde am Freitag in der Kitzinger Rathaushalle mit einem Narrenbock-Bier auf die Ausstellung „Hopfen und Malz – Kitzinger Brautradition“ angestoßen.

Der Kulturverein PAM mit den Verantwortlichen Klaus Christof und Renate Haaß konzipierten mit Unterstützung der Stadt Kitzingen im Jahr des 500-jährigen Jubiläums des Deutschen Reinheitsgebots für Bier diese sehenswerte Ausstellung. Dazu ließ die PAM eigens den Narrenbock von der kleinen Sternla-Brauerei in Albertshofen einbrauen, um mit Oberbürgermeister Siegfried Müller und der Bayerischen Bierkönigin Sabine-Anna Ulrich anstoßen zu können.

„Hier haben es Ausstellungsmacher geschafft, ein Stück Kitzinger Braugeschichte eindrucksvoll aufleben zu lassen“, würdigte Oberbürgermeister Siegfried Müller die Ausstellungsmacher Klaus Christof und Renate Haaß. „Sie haben hier die lebhafte Kitzinger Brautradition ab 1793 nachgezeichnet“, sagte der OB. Damals habe es elf Brauereien in der Stadt und vier in den heutigen Stadtteilen gegeben und mit 5000 Hektolitern pro Jahr hätten sie mit dem Bierausstoß sogar weit vor den Münchner Brauerein gelegen. Wie Siegfried Müller anriss, war das Bierbrauen in Kitzingen erstmals im 11. Jahrhundert erwähnt worden, nachdem die Würzburger Fürstbischöfe den Bierausschank davor über Jahrhunderte hinweg untersagt hatten.

Doch die Kitzinger hätten einen Umweg gefunden und 1793 ein Braurecht erlangt. Wenn die Bürger an ein Bier kommen wollten, waren Flößer hilfreich, die neben Weinbergsstickeln auch Bierfässer vom Obermain mitbrachten, die als „Mainbier“ direkt am Floß verzapft und getrunken werden durften. Erst im 17. Jahrhundert brachte die Nachkriegzeit eine Lockerung der Weinbau-Protektion, weil der Wein knapp wurde und erstmals Bierbrauen durch Wirte geduldet wurde.

Finanzprobleme beheben

In der Folgezeit schickte der Kitzinger Magistrat mehrere dringliche Briefe nach Würzburg auf die Erlaubnis einer Brau-Konzession. Diese sollte die Finanzprobleme der Stadt beheben helfen. Später habe der Kitzinger Paul-Moritz Nägelein die Initiative ergriffen und 1794 die erste Brauerei aufgemacht. Später kam dann die Blütezeit Kitzinger Braugeschichte, die in den 1980er-Jahren endete, als die Bürgerbräu als letzte Brauerei in der Großen Kreisstadt ihre Pforten schloss.

Die bayerische Bierkönigin Sabine-Anna Ulrich war sich bewusst, hier in einer historischen Weinhandelsstadt zu sprechen. Doch Hopfen und Malz als Gerstensaft tue jeder Kommune gut und die Majestät empfand die „wunderbar gewordene Ausstellung“, wie sie meinte, als sehr gute Form, Kultur zu präsentieren.

„Ihre jährlichen kulturellen Werke sind eine Bereicherung für die Stadt“, lobte Siegfried Müller die Ausstellungsmacher. Am Beispiel dieser Ausstellung werde einmal mehr erkennbar, dass die Kulturarbeit weiter gefördert werden sollte. Deswegen dankte der OB den Förderern.

Die Ausstellung ist in der Rathaushalle noch bis zum 4. September, täglich von 10 bis 18 Uhr, zu sehen und dazu ist auch ein Begleitbuch bei der Ausstellungsaufsicht zu haben.