Sie hören auf Namen wie Brewdog, Crew Republic oder Wuida Hund. Die Rede ist von Craft Beer, dem Szenegetränk, das  nicht mehr wegzudenken ist aus der deutschen Kneipenlandschaft. Die meist auffällig designten Flaschen haben äußerlich nur wenig gemein mit einem fränkischen Seidla oder Rauchbier. Doch ob Indian Pale Ale, Barley Wine oder Stout –  Craft Beer ist richtiges Bier.

Der Trend weg vom herkömmlich in Massenproduktion hergestellten Bier zurück zum handwerklich gebrauten Qualitätsprodukt kommt, wie so vieles, aus den USA. Dort experimentieren Hobbybrauer und Mikrobrauereien seit den 70er Jahren mit außergewöhnlichen Zutaten und alternativen Braumethoden.   „Das Craft Beer lässt in Vergessenheit geratene Bierstile wieder neu aufleben und interpretiert klassische Bierstile neu“, beschreibt Andreas Englisch, Chefbrauer von Open Your Mind Brewing, die Idee hinter der Craft Beer Bewegung. Craft Beer definiert sich also nicht zwangsläufig über den aus dem Englischen übersetzten Begriff Handwerk, sondern vielmehr über die Originalität, die der Brauer bei der Herstellung des Bieres an den Tag legt.  Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Biere mit Früchten, Gewürzen, Kaffeebohnen, Nüssen oder gar Tabak sind im Craft Beer Regal keine Seltenheit. Dementsprechend unterscheidet sich das Craft Beer auch geschmacklich vom herkömmlichen Bier.

Das Reinheitsgebot

Mit dem deutschen Reinheitsgebot hat das auf den ersten Blick nichts mehr zu tun, möchte man meinen. Aber nicht alle Craft Beer Brauer widersetzen sich bewusst dem seit 1516 bestehenden Gesetz, welches lediglich Wasser, Hefe, Hopfen und Malz als Zutaten für die Herstellung von Bier erlaubt. Aus den gut 40 verschiedenen Malzsorten, 170 Hopfensorten, 200 Hefesorten  sowie der Vielzahl an unterschiedlichen Brauverfahren ergeben sich schier unendliche Kombinationsmöglichkeiten für einen originellen Sud. So kommt es, dass der Großteil der deutschen Craft-Biere auch tatsächlich dem Reinheitsgebot entspricht. Craft-Biere, die andere Zutaten enthalten, dürfen in Deutschland nicht als „Bier“ gekennzeichnet werden und tragen deshalb meist den englischen Begriff „Beer“ im Namen.

Unzählige Sorten

Die Liste der unterschiedlichen Craft Beer Stile ist lang. Das Craft Beer Portal BeerJack zählt über 140 Bierstile. Laut der amerikanischen Brewers Association sind Indian Pale Ale, saisonale Craft-Biere, Pale Ale und Amber Ale die meistgetrunkenen Craft Beer Sorten. Das mit Abstand beliebteste  unter ihnen ist das Indian Pale Ale, kurz IPA. Geschmacksintensive, fruchtige Hopfenaromen und das ausgeprägt Bittere machen das alkoholreiche obergärige Bier zum Spitzenreiter der Craft Beer Szene. Wer es gerne englisch-herb mag, dem sei ein Porter ans Herz gelegt. Das dunkle, meist tiefschwarze Bier mit dem markanten malzigen Geschmack, das sich vor allem bei englischen Arbeitern des 18. Jahrhunderts und später in ganz Europa großer Beliebtheit erfreute, galt  als ausgestorben. Der Craft Beer Trend lässt dieses einst so populäre Bier wieder aufleben. Doch auch kreative Interpretationen gängiger Sorten tummeln sich unter den Craft-Bieren. „Die meisten Leute trinken die klassischen Biersorten wie Helles oder Pils, auf diesem Gebiet gibt es einige spannende Craft-Biere zu entdecken. Wer gerne etwas Hopfigeres ausprobieren möchte, sollte es mit einem Pale Ale versuchen“, empfiehlt Englisch.

Erhältlich ist Craft Beer in vielen Supermärkten. Zudem findet sich in jeder größeren Stadt ein Fachgeschäft mit einem breiten Sortiment und erfahrenem Personal, das  Neugierigen zur Seite steht.

Dennis Tuczay