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Die letzten Jahre haben gezeigt, dass veränderte extreme Klimabedingungen einen großen Einfluss auf unsere Gärten haben. Heiße Sommer, milde Winter, lang an-dauernde Trockenperioden und Stürme führen langfristig zu einem hohen Pflegeaufwand, wenn man am traditionellen Gärtnern festhält.

Solange man großen Wert auf einen ganzjährigen, grünen Rasen legt, wird es schwer, mit dem eigenen Verhalten das Klima zu schonen oder auf zunehmenden Wetterveränderungen angemessen zu reagieren, die der Klimawandel mit sich bringt. Hier ist ein Umdenken unbedingt erforderlich.

Für Schatten sorgen und Nützlinge anlocken

Neu bebaute Grundstücke sind heute aufgrund rasant steigender Immobilien-preise in der Regel relativ klein und lassen es kaum zu, einen großen Baum zu pflanzen. In Kleingartenanlagen gibt es sogar spezielle Vorschriften, welche Bäume gepflanzt werden dürfen. Hält man sich allerdings an alle bestehenden Regeln, wie maximale Höhe und Grenzabstand zum Nachbarn, sollte man entsprechend der Grundstücksgröße wenigstens einen Schatten spendenden Baum pflanzen. Bei wenig Platz kann das auch ein Obstbaum sein, sodass man zusätzlich leckeres Obst ernten kann. Gleichzeitig kann der Baum mit Vogel-Nistkästen versehen werden.

Die Blüten locken im Frühjahr viele Bestäuber wie Hummeln, Wildbienen und Honigbienen an. Vögel finden dort übers Jahr ihre Raupen-Nahrung, was gleichzeitig hervorragend als biologische Schädlingsabwehr ohne Chemie dient. Nach einigen Jahren verändert sich das Kleinklima im Garten positiv und der Baum wird zur Klimaanlage. Pflanzen in seiner Nähe verdunsten weniger Wasser und ein Sitzplatz unterm Blätterdach wird besonders an heißen Sommertagen zum Lieblingsort werden.

Laubbäume oder Nadelbäume

Damit man lange Freude an den Gartenbäumen hat, muss man besonders standortgerecht und artgerecht pflanzen. Während bestehende, alte Laubbäume durch ihr tief reichendes Wurzelwerk weniger gefährdet sind, fehlt flach wurzelnden Nadelbäumen oft der Halt im trockenen Boden und sie fallen oft im Sturm um. Inzwischen kämpfen aber auch viele ältere heimische Laubbäume wie Ahorn, Linde, Eiche, Esche, Birke, Kastanie oder Buche mit den ungewohnten Dürreperioden. Sie leiden dann an unterschiedlichsten Krankheiten und Schädlingsbefall. Daher sollte man auf ältere Bäume besonderes Augenmerk richten, da oft große Astbereiche am Baum vertrocknen bzw. Holz unbemerkt morsch wird. Bei neuen Anpflanzungen sollte man besser robuste Laubbäume

pflanzen, die tief wurzeln können und langfristig weniger Wasser benötigen. Laub- bzw. Obstbäume sind daher besser geeignet als Nadelbäume.

Pflanzzeit und Wassermanagement

Da die häufigsten Niederschläge sich auf die Wintermonate konzentrieren, ist eine Anpflanzung im Herbst von Vorteil. Dann ist der Baum schon gut eingewachsen bevor die ersten Trockenperioden im Frühjahr einsetzen. Häufig wird die Gartengestaltung aber ins Frühjahr verlegt. Dann ist besonders auf das richtige Gießen zu achten. Bei der Pflanzung sollte gut angegossen werden und eine Gießmulde angelegt werden, damit das Wasser direkt an die Wurzeln gelangen kann. In der Folgezeit sollte nicht täglich gegossen werden, dafür lieber einmal pro Woche eine größere Menge von ein bis zwei Gießkannen voll. Damit wird der Wurzelbereich ausreichend durchfeuchtet und der Baum wird in der Zeit danach angeregt, in tieferen Zonen nach Wasser zu suchen. Bei täglichem Gießen oder per Wasserautomatik wird der Baum das sonst auch in Zukunft weiter einfordern, da die Wurzeln nicht tief genug reichen.


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Durch Mulchmaterial wie Rasenschnitt, Laub oder Rindenmulch auf der Baumscheibe kann die Wasserverdunstung zusätzlich minimiert werden. Trockenheitsverträgliche Bodendecker auf der Baumscheibe sehen nicht nur hübsch aus, sondern helfen auch, den Wurzelbereich zu beschatten. Ältere eingewachsene Bäume sollten spätestens dann größere Wassergaben erhalten, wenn das Laub herab hängt, vorzeitig Gelb wird oder abfällt.

Klimafitte Gehölze

Die oft als Sichtschutz beliebten Thuja-Hecken verbrauchen Unmengen an Wasser, um nicht zu vertrocknen und bieten kaum einen Beitrag für Klimaschutz und Biodiversität. Ebenfalls ungünstig sind Kirschlorbeer-Hecken. Kirschlorbeer verbreitet sich invasiv über Vögel, die die Beeren fressen, in der Natur. Spätestens nach einem frostigen Winter ist die immergrüne Hecke unansehnlich geworden, da die Blätter an sonnigen Tagen zu viel Wasser verdunsten und der Strauch dann oft nur noch aus braunen Blättern besteht. Ist der Schaden zu groß, dann hilft auch ein Rückschnitt nicht mehr. Besser ist es, heimische Sträucher zu pflanzen, die gleichzeitig Lebensraum und Nahrung für die Vogel- und Insektenwelt bieten. Sie sind robuster und besser an extreme Wettersituationen angepasst.

Den größten Nutzen für einen naturnahen Garten bringt eine gemischte Hecke aus frei wachsenden Sträuchern wie Weißdorn, Kirschpflaume, Hartriegel, wolliger Schneeball, Faulbaum, Haselnuss oder Pfaffenhütchen. Bei wenig Platz bietet aber auch eine geschnittene Hainbuchen oder Ligusterhecke Lebensräume. Gerade Amseln nisten gerne in solchen dichten Hecken, um sich vor Katzen zu verstecken. Sind diese Hecken einmal eingewachsen, benötigen sie dann nur noch einen regelmäßigen Schnitt, aber wenig Wasser und spenden meistens noch etwas Schatten im Bereich der Hecke. Sträucher bieten eine gute Alternative, falls es nicht möglich ist, einen Baum zu pflanzen, da sie durch regelmäßigen Schnitt klein gehalten werden können.

Sigrun Hannemann vom Bergblumengarten mit dem Fokus auf naturnahes Gärtnern. Frau Hannemann ist Gartenbloggerin und schreibt auf ihrem Blog und im Hortus-Netzwerk.de über ökologisches und insektenfreundliches Gärtnern. Für den Naturgartenverein e.V. testet sie Gärten zum Verleih der deutschen Plakette ‚Natur im Garten‘. Zusätzlich ist sie Jurorin der LWG und zertifiziert Naturgärten für die Plakette 'Bayern blüht Naturgarten'. 

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