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Tipps & Tricks

Insektenfreundliche Stauden im Herbst: ein Wohlfühlort für die heimische Tierwelt

Der Herbst ist die Jahreszeit, die manche Gärtner gar nicht mögen, denn die Natur zeigt deutlich, dass nun alle Weichen auf den nahen Winter gestellt sind. Stauden sterben ab und hinterlassen hässliche braune Blüten, die Blätter fallen, besonders in trockenen Jahren, vorzeitig ab und das Gemüse im Beet bietet nur noch einen traurigen Anblick. Der naturnahe, insektenfreundliche Garten bietet aber auch im Spätsommer und Herbst noch viele blühende Stauden.
Diese Stauden sehen im nicht nur Herbst schön aus, sondern bieten auch den Insekten ein Zuhause. Erfahren Sie hier, welche Stauden in Ihren Garten passen! Bild: Thisabled/pixabay.com Thisabled
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Schon der berühmte Staudengärtner Karl Förster (1874 - 1970) plädierte vor 100 Jahren für Gärten, in denen immer etwas blüht. „Es wird durchgeglüht“ war seine Parole und das ist besonders in naturnahen Gärten kein Problem. Einige Wildstauden blühen sogar besonders lange, vom Sommer bis in die Herbstzeit. Zurückgeschnittene Kräuter, wie Lavendel, erleben ihre zweite Blütezeit.

Stauden im Sommer zurückschneiden

Ein besonderer Trick der Staudengärtner hat sich bei einigen Pflanzen bewährt. Um sie ein zweites Mal zum Blühen zu bringen, werden sie im Sommer, direkt nach der Blütezeit, zurückgeschnitten, damit sie neu austreiben und blühen können. In der Fachwelt nennt man das remontieren. Durch den Rückschnitt werden die Pflanzen zu neuem Wachstum angeregt und deshalb freuen sie sich besonders über ein wenig organischen Dünger. Kompost ist eine Möglichkeit, aber auch Mulchmaterial in Form von Rasenschnitt, Brennnesselgrün und abgeschnittenen Pflanzenmaterial. Das hilft zusätzlich, dass der Boden nicht so schnell austrocknet und das Bodenleben mit Regenwürmern und Co. gefördert wird.

Die Gartenschere eignet sich perfekt dafür Stauden zurückzuschneiden...

Fetthenne

Zur Pflanzenfamilie der Dickblattgewächse  Crassulaceae gehörend, zählen  Sedum telephium’, hohe Fetthennen, zu dem Staudenwundern für den Garten. Ganz besonders in trockenen Jahren, hat man an dieser Pflanze lange Freude, da sie nur wenig Wasser benötigt. Wie bei allen Stauden, sterben die oberirdischen Pflanzenteile im Winter ab und werden Braun. Im Naturgarten sollten Stängel und Blüten im Herbst stehen bleiben. Vögel knabbern gerne im Winter an den Samen, Wildbienen nisten oft in hohlen abgestorbenen Staudenstängeln und der Garten sieht im Winter nicht so kahl aus. Im Frühjahr, wenn die ersten Neuaustriebe sichtbar werden, schneidet man die alten Stängel zurück und bald schießt das neue Grün in die Höhe, so dass keine Lücken im Beet entstehen. Der große Auftritt kommt im Spätsommer. Bis zu den ersten Frösten locken die doldenförmigen Blütenstände zahlreiche Bienen und Schmetterlinge an. Es gibt die Fetten Hennen in verschiedenen Sorten. Beliebt sind besonders die Sorten ‚Herbstfreude‘, ‚Matrona', Munstead Purple’ und ‚Karfunkelstein‘ Es gibt außerdem Sorten mit roten Blättern, wie ‚Mohrchen‘ und gelben Blüten, wie ‚Hab Grey‘.

Bergminze

Den ganzen Sommer tritt diese Staude kaum in Erscheinung. Im Spätsommer überrascht Calamintha nepeta, auch Kleinblütige Bergminze oder Steinquendel genannt, mit unzähligen kleinen, duftenden, zweilippigen Blüten.  Als Nektar- oder Pollenpflanze bietet sie Bienen und Schmetterlingen bis in den Herbst Nahrung. Sie ist ebenfalls eine trockenheitsverträgliche Staude. In ihrem Herkunftsland wächst sie in trockenen Laubwäldern, auf Kalkfelsen und zwischen Geröll im Gebirge. Daraus kann man gut die Standortansprüche für den eigenen Garten ableiten. Sehr gut eignet sich die Bergminze für naturnahe Steingärten, am Beetrand im Vordergrund oder am Gehölzrand. Sogar für die Kübelpflanzen ist die buschig wachsende Calamintha geeignet. Die Wuchsform erinnert sehr an Thymian oder Bergbohnenkraut. Die Blüten sind winzig und erscheinen meist in hellem Violett bis Weiß. Beliebt ist die Sorte ‚Triumphator’ mit hellblauen bis violetten Blüten. ‚Blue Cloud‘ ist eine sehr wüchsige Staude und zeigt sich mit blauvioletten Blüten.


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Astern

In den Gärtnereien werden im Herbst Astern in großer Menge angeboten. Von niedrigen Sorten für Balkonkasten oder Kübel bis hin zu hohen Sorten, die besser im Staudenbeet Platz finden. Hier sollte der Naturgärtner besonders auf ungefüllte Asternblüten achten, damit auch Biene und Co. in den Garten kommen. Besonders empfehlenswert sind hier die Bergastern der Sorten ‚Aster amellus‘. Mit ihren blauvioletten ungefüllten Blüten bieten sie einen tollen Farbtupfer im Herbstgarten. Sie wachsen aufrecht und buschig von ca. 40 - 60 cm und sind gut für die Kübelbepflanzung geeignet. Als Spätsommerblüher locken sie noch einmal ordentlich die Insektenwelt an und sind wenig anspruchsvoll an den Standort, solange er sonnig ist. Kalkhaltiger, nährstoffarmer oder steiniger Boden ist ideal und so passt die Bergaster auch in den Steingarten. Einige Sorten von Aster amellus werden Weiß oder Rosa blühend angeboten.

Gelbe Skabiose

Ein Dauerblüher vom Sommer bis in den Herbst ist die Gelbe Skabiose (Scabiosa ochroleuca). Hat man sie mehrere Jahre im Garten, verteilt sie ihre Samen freizügig im Beet und bietet nach einiger Zeit wunderschöne, über den anderen Stauden schwebende Blüten, die von Schmetterlingen besonders gerne aufgesucht werden. Aber auch Hummeln und Bienen finden die reich verzweigten, hellgelben Blütenstände besonders anziehend. Farblich harmonieren sie gut in Präriepflanzungen zusammen mit Gräsern, Brandkraut und Sonnenbraut. Die Stauden sollten dann niedriger sein, als die Skabiosen. Für eine längere Blühfreude kann man regelmäßig einige Blüten (nicht alle) abschneiden, um die Staude zu neuem Blütenaustrieb anzuregen. Der Standort sollte sonnig und trocken sein.

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Blühender Wilde Rauke (Rucola)

Viele Gärtner wundern sich über Unmengen an Wilder Rauke im Gemüsebeet, obwohl man sie gar nicht ausgesät hat. Der Grund ist, dass Rauke, sobald sie einmal im Garten gepflanzt bzw. selber aus Samen vermehrt worden ist, gerne im Beet vergessen wird und im Herbst wunderschöne kleine, schwefelgelbe Blüten (Kreuzblütler) zeigt. Der daraus entstandene Samen sät sich selber wieder ins Beet und wird zur Wildform. Diese Rauke überrascht sogar mit Winterhärte im Gegensatz zur einjährigen Form und wenn man sich nicht drum kümmert, gibt es jedes Jahr an anderen Stellen wilde Rauke. Der Geschmack ist etwas schärfer als bei der ursprünglichen Sorte und es reichen nur wenige Blättchen als Würze im Salat oder in der Tomatensauce aus. Das gelingt selbstverständlich auch im Balkonkasten oder im Kübel z.B. unter Tomatenpflanzen. Nur neben andere Kreuzblütler sollte man sie nicht säen. Die nektarreichen Blüten werden gerne von Bienen und Schwebfliegen besucht.

 


Sigrun Hannemann vom Bergblumengarten mit dem Fokus auf naturnahes Gärtnern. Frau Hannemann ist Gartenbloggerin und schreibt auf ihrem Blog und im Hortus-Netzwerk.de über ökologisches und insektenfreundliches Gärtnern. Für den Naturgartenverein e.V. testet sie Gärten zum Verleih der deutschen Plakette ‚Natur im Garten‘. Zusätzlich ist sie Jurorin der LWG und zertifiziert Naturgärten für die Plakette 'Bayern blüht Naturgarten'.