• Verboten oder erlaubt: Darf ich über mein Gehalt sprechen?
  • Das Gleichbehandlungsgesetz
  • Ausnahmen
  • Das Entgelttransparenzgesetz

Geht es um das Gehalt, ist das Gespräch meist von Unsicherheit geprägt: Was darf man sagen, und was ist vielleicht sogar verboten? Einige Tipps können helfen, einen richtigen Umgang mit dem Thema zu finden. 

Gespräche über das Gehalt: Deshalb ist es erlaubt

Im Alltag kann das Thema Gehalt durchaus einmal aufkommen: sowohl im Arbeitsalltag unter Kolleg*innen oder auch einfach bei einem gemütlichen Nachmittag mit Freund*innen oder der Familie. In Deutschland gehören Gespräche über das Gehalt häufig zu den Tabu-Themen, sodass man denkt, man dürfe nicht über das eigene Gehalt sprechen. Aber die Realität sieht anders aus: Ja, du darfst über dein Gehalt sprechen.

Arbeitgeber*innen hoffen mit der Vermeidung von offenen Gesprächen über das Gehalt, den Frieden innerhalb des Betriebes zu wahren. Eine Regelung dazu, beispielsweise eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag, wäre jedoch unwirksam: Das Einkommen unterliegt nicht der Schweigepflicht. Eben das zeigt exemplarisch eine Rechtsprechung des LAG Mecklenburg-Vorpommern. Arbeitnehmer*innen haben grundsätzlich das Recht, nicht unangemessen benachteiligt zu werden. Gesetzlich gesichert ist diese Grundlage im § 307 des BGB. Möchten Arbeitnehmer*innen die Einhaltung dessen prüfen, gelingt dies nur über Gespräche mit Kolleg*innen. Hast du also das Gefühl, im Vergleich mit deinen Kolleg*innen schlechter bezahlt zu werden, ist es ein durchaus sinnvolles Vorhaben, das Gespräch mit dem- oder derjenigen aufzusuchen. Zudem liegen Beschäftigtengehälter nicht im Bereich der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse; du brichst also keines dieser Verbote. 

Eine Ausnahme, in der es eine wirksame Klausel zur Verschwiegenheit geben könnte, liegt bei Manager*innen vor: Konkurrent*innen könnten, wenn das Gehalt offengelegt werden würde, möglicherweise wirtschaftliche Rückschlüsse daraus ziehen. Verschwiegenheitsklauseln können also dann rechtens sein, wenn sie die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens reduzieren.

Mehr Transparenz über das Gehalt

Im Jahr 2017 trat zusätzlich das sogenannte Entgelttransparenzgesetz in Kraft. Mithilfe dessen soll verhindert werden, dass Frauen und Männer für eine vergleichbare Arbeit ungleich bezahlt werden. Auf Nachfrage sind nun auch Arbeitgeber*innen dazu verpflichtet, Auskunft über die firmeninterne Gehalts- oder Lohnstruktur zu geben. Du erfährst im Zuge einer solchen Nachfrage zwar nicht das Gehalt einer*s bestimmten Kollegen*in, jedoch kannst du erfahren, von welchen Variablen der Verdienst abhängig ist und wie hoch der Verdienst in deiner Vergleichsgruppe ist.


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Vermutest du, dass du schlecht bezahlt wirst, solltest du zunächst das Gespräch mit deinen Kolleg*innen suchen. Neben diesem Vergleich kann auch eine Online-Recherche nach Gehaltstabellen für deine Branche hilfreich sein, um dich grob zu orientieren. Eine Hilfe kann beispielsweise der Gehaltsvergleich des Statistischen Bundesamtes sein. Hier wird dein Gehalt nach individuellen Angaben eingeschätzt. Andererseits kannst du dich auch in deinem Bekanntenkreis dazu austauschen und somit erfahren, ob du in deinem Beruf vielleicht tatsächlich unterbezahlt wirst.

Zusammengefasst sind Klauseln, die dir verbieten, über dein Gehalt zu sprechen, bis auf wenige Ausnahmen unzulässig. Der offene Austausch gilt für dich als einzige Möglichkeit, um festzustellen, ob du innerhalb des Unternehmens in deiner Position fair bezahlt wirst; und dies ist durch das Gleichbehandlungsgesetz festgelegt. Auch mit Freund*innen, Bekannten und Familie darfst du, sofern es nicht der Wettbewerbsfähigkeit deines Unternehmens schädigen könnte, offen über dein Gehalt sprechen.

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