• Warum und seit wann gibt es das Ehegattensplitting
  • Wie funktioniert es, wo liegen die Vor- und Nachteile
  • Was will die Ampel-Regierung genau ändern?
  • Was bedeutet das für Ehepaare?

Das Ehegattensplitting soll steuerliche Vorteile für Eheleute bringen. Doch es birgt auch Nachteile. Ein Faktorverfahren soll Abhilfe schaffen. Was steckt dahinter und was will die Ampel-Regierung ändern? Das solltest du wissen.

Ehegattensplitting - so ist es entstanden

Das Ehegattensplitting in seiner aktuellen Ausgestaltung geht auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 1957 zurück und wurde ein Jahr später rechtskräftig umgesetzt. Damals entschieden die Richter, dass die bis dato geltende Form der steuerlichen Zusammenveranlagung gegen den grundgesetzlichen Schutz der Ehe nach Art. 6 I GG verstoße. Denn nach Einführung der progressiven Einkommenssteuer (1920) führte die Zusammenveranlagung zu einer finanziell nachteiligen Situation bei den Ehepaaren, in deren Ehe beide Partner*innen berufstätig waren. Selbst wenn das zu dieser Zeit noch nicht weit verbreitet war, bewirkte die Progression jedoch, dass das gemeinsam zu versteuernde Einkommen nun einem höheren Steuersatz unterlag, als es bei einer Individualbesteuerung der Fall wäre.

Das steuerliche Vorläufermodell der Zusammenveranlagung entstammte der Zeit der Preußen und deren Einkommenssteuergesetz von 1891 – damit hatte dieses fast so lange überlebt, wie die Regelungen zum jetzigen Ehegattensplitting bis heute.

Zu Beginn und während der Wirtschaftswunderjahre war die Erwerbstätigkeit von Frauen immer noch nicht besonders erwünscht und schon gar nicht üblich. Aus dieser zeitlichen Perspektive betrachtet, muss man ehrlich und kritisch feststellen, dass mit dem Ehegattensplitting – bis heute – statt der Vermeidung der negativen Diskriminierung eine positive Diskriminierung etabliert wurde. Denn in der jetzigen Form rechnet sich das Modell für Ehepaare dann besonders günstig, wenn einer, egal ob Mann oder Frau, möglichst viel und der andere möglichst wenig verdient. Das Bundesverfassungsgericht führte dazu in einer Begründung in anderer Sache (2013) aus, dass mit dem geltenden Ehegattensplitting die "besondere Anerkennung der Aufgabe der Ehefrau als Hausfrau und Mutter" gewürdigt werde.

So funktioniert das Ehegattensplitting

Beim Ehegattensplitting werden die Einkünfte beider Ehepartner zunächst addiert und das gemeinsam zu versteuernde Einkommen durch zwei geteilt. Anschließend wird die Steuerlast des hälftigen Betrags errechnet und verdoppelt. So errechnet sich eine Steuerersparnis gegenüber der Einzelbesteuerung vor allem dann, wenn ein relativ hohes Einkommen und ein deutlich geringes oder sogar kein Einkommen erzielt wird. 

Vereinfachtes Beispiel:

A verdient 80.000 € => Steuersatz 42,0 % => 33.600 €

B verdient 20.000 € => Steuersatz 26,8 % =>   5.360 €

A+B = 100.000 € / 2 = 50.000 € => Steuerlast 29 % (Splittingtarif) = 14.500 € * 2 =29.000 €

Steuervorteil: 9.960 €  

Ob der Steuervorteil tatsächlich so hoch ausfällt, hängt natürlich von weiteren Faktoren ab, die an der Stelle zwecks Vereinfachung nicht berücksichtigt werden.  

Vorteile und Nachteile des Ehegattensplittings

Vorteile des Ehegattensplittings

  • Der Wunsch nach gemeinsamer Veranlagung ist unkompliziert beim zuständigen Finanzamt anzumelden.
  • Eine einmal ausgeübte Wahl (einzelne oder gemeinsame Veranlagung) kann grundsätzlich (und jährlich) geändert werden, solange der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist.
  • Es muss nur eine gemeinsame Steuererklärung abgeben werden.
  • Ehepartner profitieren vom Ehegattensplitting selbst dann, wenn man zeitweise räumlich voneinander getrennt (in Deutschland) lebt.   
  • Im Falle einer Scheidung gilt das Ehegattensplitting auch noch im Trennungsjahr.
  • Je größer der Einkommensunterschied zwischen den Partner*innen ist, desto höher ist der Steuervorteil.

Nachteile des Ehegattensplittings

  • Das Ehegattensplitting setzt auf dem Arbeitsmarkt falsche Anreize, weil es steuerlich belohnt, wenn ein Teil deutlich weniger verdient als der andere. Allerdings haben sich die Zeiten doch dahingehend geändert, dass in vielen Familien beide Partner arbeiten. Der Einkommensunterschied zwischen (gleich qualifizierten) Männern und Frauen besteht allerdings immer noch. Das ist hinsichtlich des bestehenden Ehegattensplittings wiederum vorteilhaft mit Blick auf den Steuervorteil. Nachteilig jedoch in punkto eines unerwünschten Anreizes.
  • Es gibt wenige Fälle, bei denen sich das Ehegattensplitting nicht lohnt und sogar eine höhere Steuerlast gegenüber der Einzelveranlagung bewirkt. Zum Beispiel dann, wenn ein Teil arbeitet, der andere aber Lohnersatzzahlungen (Arbeitslosen- oder Krankengeld) bezieht.
  • Je geringer der Einkommensunterschied zwischen den Einkommen ausfällt, desto geringer ist auch der Steuervorteil.

Was will die Ampel-Koalition ändern?

Zwei Dinge sind zunächst wichtig zu wissen:

  1. In Deutschland gibt es sechs Steuerklassen. Die Zugehörigkeit ergibt sich im Wesentlichen aus dem Familienstand. Ehepaare haben dabei die Wahl zwischen den Steuerklassen III, IV, IV plus Faktor und V. 
  2. Ein Koalitionsvertrag stellt lediglich eine Art Absichtserklärung dar. Inwieweit einzelne Punkte darin tatsächlich zur Umsetzung kommen, bleibt erst mal offen. Zumal auch Uneinigkeit besteht, ob eine gänzliche Abschaffung des Ehegattensplittings nicht erst noch verfassungsrechtliche Hürden nehmen müsse. 

Mit Blick auf eine etwaige Änderung des Ehegattensplittings steht auf Seite 115 im Koalitionsvertrag:

"Wir wollen die Familienbesteuerung so weiterentwickeln, dass die partnerschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche Unabhängigkeit mit Blick auf alle Familienformen gestärkt werden. Im Zuge einer verbesserten digitalen Interaktion zwischen Steuerpflichtigen und Finanzverwaltung werden wir die Kombination aus den Steuerklassen III und V in das Faktorverfahren der Steuerklasse IV überführen, das dann einfach und unbürokratisch anwendbar ist und mehr Fairness schafft."

Steuerklassen III und V

Die Steuerklassen-Kombination "III plus V" rechnet sich für Ehepaare insbesondere dann, wenn die Einkommensunterschiede zwischen beiden besonders groß sind. Dem obigen Beispiel entnommen, würde Ehepartner*in A (voll sozialversicherungspflichtig und gesetzlich krankenversichert) demnach Steuerklasse III und Ehepartner*in B Steuerklasse V wählen. Aus dieser Konstellation errechnet sich das bestmögliche Nettoeinkommen. Diese beiden Steuerklassen sollen nach der Willensbekundung im Koalitionsvertrag nun gänzlich entfallen und stattdessen künftig allein das Faktorverfahren angewendet werden. Ein Wahlrecht bestünde dann nicht mehr.

Das Faktorverfahren

Bereits seit Anfang 2010 steht Ehepaaren das sogenannte Faktorverfahren offen. Beide Ehegatten werden in dem Fall in Steuerklasse IV eingruppiert. Das Finanzamt errechnet für beide Eheleute jeweils einen persönlichen Faktor, der unterjährig jeweils zustehende Steuerentlastungen (Grundfreibetrag, Vorsorgepauschale, Kinder) bereits beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt.

Was bedeutet das für Ehepaare?

Aus dem geplanten Vorschlag ergibt sich der Vorteil, dass die weniger verdienende Person in einer Ehe unterjährig mehr Netto als vergleichsweise in der Kombination aus Steuerklasse III und V hat. Der Faktor bewirkt zudem, dass mit keinen nennenswerten Steuernachforderungen zu rechnen ist. Nachteilig am Faktorverfahren ist jedoch, dass die Eheleute jeden Monat mehr Steuern als in der Kombination III+V Kombination zahlen. 

Fazit

Zusammengefasst würden die skizzierten Veränderungen faktisch eine Steuererhöhung für Ehepaare bedeuten. Befürworter weisen auf den psychologischen Effekt hin, dass der geringer verdienende Teil nun monatlich mehr Netto hat und im Vergleich zum besser verdienenden Teil nicht ganz so schlecht da steht. Außerdem muss aufgrund des Faktors keine Steuernachzahlung gefürchtet werden.

Amazon-Buchtipp: Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest

Kritiker sehen in der vorgeschlagenen Änderung allein allerdings noch keine wirkliche Modernisierung des Steuersystems. Dies sei erst dann der Fall, wenn zugleich eine "Mini-Job-Reform" angestrebt würde. Was es damit auf sich hat, kannst du hier nachlesen. 

Mehr zum Thema Finanzen:

 

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn du auf einen dieser Links klickst bzw. darüber einkaufst, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.