Wer ein Kind erwartet, denkt an Vieles: Strampler und Kinderwagen kaufen, Namen aussuchen, Vorsorgetermine absolvieren. Was werdende Mütter und Väter bei aller Vorbereitung häufig vergessen, ist das Elterngeld. Wer möglichst viel davon haben möchte, muss kurz nach Beginn der Schwangerschaft oder schon bei der "Planung" eines Kindes handeln.

Grund: Das Elterngeld richtet sich nach dem Nettoeinkommen. Wenn Mütter oder Väter rechtzeitig von Steuerklasse V in die Steuerklasse III oder wenigstens die Steuerklasse IV bzw. IV mit Faktor wechseln, erhalten sie mehr Elterngeld. Das geht nach einer Gesetzesänderung seit Januar 2013 aber nicht mehr so leicht wie früher.
Das Elterngeld ist als Einkommensersatzleistung gedacht. Auf den ersten Blick ist das Prinzip einfach, wie Michael Beumer von Finanztest erklärt: Eltern, die mehr als 1240 Euro netto verdienen, stehen bis zu 14 Monate lang 65 Prozent des Nettoeinkommens zu, höchstens 1800 Euro im Monat. Wer weniger als 1240 Euro netto verdient, erhält einen höheren Satz, Geringverdiener sogar bis zu 100 Prozent.

Wegen der Ausrichtung am Nettogehalt wechseln viele Paare die Steuerklassen, sobald klar ist, wer nach der Geburt des Kindes Zuhause bleibt. Häufig hat der Mann Steuerklasse III, die Frau Steuerklasse V. Wird die künftige Mutter die Elternzeit übernehmen, wechselt sie in die Steuerklasse III, bekommt ein höheres Nettogehalt und folglich mehr Elterngeld. Das Nettogehalt des Mannes sinkt parallel und das Paar hat vorübergehend weniger Geld auf der Hand. "Aber das kann man sich über den Lohnsteuerjahresausgleich wieder zurückholen", sagt Beumer.

Dieser Wechsel der Steuerklassen ist zwar legal, wurde aber vom Gesetzgeber zum Jahresbeginn erschwert: Jetzt muss er spätestens kurz nach Beginn der Schwangerschaft geschehen. Wollen Mütter ihr Elterngeld erhöhen, muss der Arbeitgeber vor dem Monat, in dem der Mutterschutz beginnt, mindestens sechs Monate lang Gehalt nach der neuen Steuerklasse abgerechnet haben.

Finanzexperte Beumer gibt ein Beispiel: Wird die Geburt Mitte Dezember erwartet, beginnt der sechswöchige Mutterschutz Anfang November. Die günstigere Steuerklasse muss spätestens ab Mai gelten. Die Frist ist allerdings so knapp, dass Mütter den Wechsel kaum schaffen und auch Väter wenig Zeit haben. Deshalb rät Finanztest, die Steuerklassen vorsorglich mit dem "Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten" zu ändern, wenn sich ein Paar ein Kind wünscht. "Elterngeld, das durch eine ungünstige Steuerklasse verloren geht, ist weg", sagt Beumer.

Auch Sonja Prechtner vom deutschen Steuerberaterverband empfiehlt den Wechsel der Steuerklassen zur Erhöhung des Elterngeldes. Jedoch gibt sie zu bedenken: "Das Elterngeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Das heißt, es ist zwar grundsätzlich steuerfrei, es erhöht aber den Steuersatz auf das übrige Einkommen." Abhängig von den Einkommensverhältnissen könne das auch Steuernachzahlungen zur Folge haben. Prechtner rät deshalb, "sich vor dem Wechsel der Steuerklasse mal alles durchrechnen zu lassen."

Apropos: Zur Berechnung des Elterngeldes nimmt man den Nettolohn nach Abzug von Steuern und pauschalierten Sozialversicherungsbeiträgen als Grundlage. Zusätzlich geht noch ein Zwölftel des Arbeitnehmer-Pauschbetrages ab, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie steuerfreie Zuschläge bleiben außen vor. Auch hier brachte die Gesetzesänderung im Januar eine Änderung: Einheitlich werden jetzt 21 Prozent für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgezogen. "Dadurch kann für Eltern mit monatlich 2000 bis 3000 Euro Bruttolohn das künftige Elterngeld um 7 bis 10 Euro im Monat sinken", rechnet Finanzexperte Beumer vor. Außerdem werden individuelle Freibeträge nicht mehr anerkannt. Konnte man durch den Eintrag von zum Beispiel Fahrtkosten auf der Steuerkarte das monatliche Nettogehalt und damit das Elterngeld erhöhen, fällt dieser legale Steuerkniff durch die Gesetzesänderung weg.

Finanztest rät, regelmäßig Steueränderungen zu verfolgen, die Arbeitnehmer persönlich betreffen. "Sonst entgehen ihnen vielleicht Steuervorteile", warnt Beumer. Freibeträge, Steuerklasse und andere Lohnsteuerdaten kann man beim Finanzamt ändern.

Anträge auf Steueränderungen sind auf der Seite des Bundeszentralamts für Steuern möglich.

Einen Antrag auf Elterngeld kann man online auf der Internetseite des Zentrums Bayern für Familie und Soziales stellen. Dort gibt es auch weitere Infos zum Thema Elterngeld und einen Elterngeldrechner.