• Wie viel Kaffee wird konsumiert?
  • Woher kommt unser Kaffee?
  • Wie wird er hergestellt?
  • Warum wird er teurer?
  • Was bedeutet das für den Kunden?

Kaffee ist beliebt. Pro Kopf werden in Deutschland rund 164 Liter im Jahr konsumiert. Damit liegt Kaffee auf dem ersten Platz der Heißgetränke. Weltweit werden auf 10,5 Millionen Hektar circa 170 Millionen Säcke zu je 60 Kilogramm angebaut. Das Hauptanbaugebiet liegt in Brasilien, die beliebtesten Sorten sind dabei Arabica und Robusta. Jeden Monat werden über 94000 Tonnen Kaffee nach Deutschland importiert. Durch die hohe Nachfrage stellt Kaffee eines der wertvollsten Agrarrohstoffe weltweit dar, die Preise sind oft starken Schwankungen unterworfen. Durch die klimatischen Ansprüche der Kaffeebohne liegen die meisten Anbaugebiete in sogenannten Schwellen- und Entwicklungsstaaten, daher ist gerade Kaffee ein zentraler Bestandteil des Fair-Trade-Handels und ist in Deutschland in diesem Bereich mit über 24000 Tonnen im Monat das umsatzstärkste Produkt. 

Kaffee-Herstellung: Wie wird aus der Kaffeekirsche Kaffee?

Kaffee wächst hauptsächlich im sogenannten Kaffeegürtel. Dieser liegt zwischen dem 23. und 25. Breitengrad. Die richtige Temperatur liegt zwischen 20 und 26 Grad Celsius. Nachts sollte die Temperatur nicht unter 15 Grad fallen. Frost schädigt die Pflanze sofort, auch zu viel Feuchtigkeit verträgt sie nicht. Zu viel Hitze und zu starke Sonne mag die Pflanze ebenfalls nicht. Auch die Höhenlage ist wichtig, Arabica gedeiht am besten in einer Höhe von 1000 bis 2000 Metern. Kaffeeanbau ist mittlerweile auch stark umstritten, da für die Anbauflächen große Teile des Regenwaldes zerstört werden und bei der Herstellung sehr viel Wasser verbraucht wird. Auch sind die teilweise schlechten Löhne und die Bezahlung der Kaffeebauern in der Kritik.

Nach etwa 10 Monaten ist die Kaffeekirsche reif und kann geerntet werden. Die Ernte ähnelt der Weinlese, ein guter und hochwertiger Kaffee wird von Hand geerntet, damit die Kirschen keinen Schaden nehmen. Dabei wird die Anbaufläche täglich bearbeitet, das geschulte Auge erkennt die reifen Kirschen. Daher dauert die Ernte meist bis zu drei Monate. Ist die Kirsche geerntet, ist Schnelligkeit gefragt, denn sie ist nicht lagerfähig. Innerhalb von fünf Stunden nach dem Pflücken muss die Verarbeitung erfolgen. Dazu werden die äußere Haut und das Fruchtfleisch entfernt. Im Inneren der Kirsche befinden sich zwei Kaffeebohnen, diese müssen von allen Resten befreit, gereinigt und getrocknet werden, bevor sie in die Rösterei gegeben werden. 

Das Rösten ist der wichtigste Prozess bei der Kaffeeherstellung. Dort werden die Aromen entwickelt und die Bohnen chemisch verändert. Hier muss vor allem darauf geachtet werden, dass die Bohnen nicht verbrennen oder nachrösten. Bei 220 bis 250 Grad Celsius werden die Bohnen in einer Drehtrommel 12 - 15 Minuten in Bewegung gehalten. Bei diesem Vorgang wird auch der Geschmack der Bohnen bestimmt, je nach Temperatur und Röstdauer. Nach dem Rösten ist der Kaffee bei Zimmertemperatur etwa 2 - 3 Wochen haltbar. Für eine längere Lagerung wird er entweder vakuumiert oder tiefgefroren. Grundsätzlich kann man sagen: Je stärker die Röstung, desto mehr verliert sich der ursprüngliche Charakter. Für bestimmte Aromen werden die unterschiedlichen Röstungen gemischt, daher kommen die Nuancen beim Geschmack.

Der Kaffeepreis: Wie setzt er sich zusammen und warum wird er jetzt teurer?

Neben den Löhnen für die Arbeiter bzw. die Kosten für den Einkauf fallen beim Kaffee auch Frachtkosten, Zoll und Steuern an. Letztere liegen zurzeit bei etwa 45 Prozent. Die Plantagenbesitzer erhalten circa 8,5 Prozent, während die Löhne gerade mal etwas mehr als 5 Prozent ausmachen. Alleine die Kaffeesteuer bei Röstkaffee liegt bei 2,19 Euro je Kilogramm, bei löslichem Kaffee bei 4,78 je Kilogramm. Übrigens: Diese Steuer gilt auch für kaffeehaltige Waren, die zwischen 10 und 900 Gramm Kaffee je Kilogramm enthalten, wie beispielsweise Schokolade.

Doch warum wird Kaffee gerade immer teurer? Ein Blick an die Börse zeigt, dass die Preise seit über einem Jahr stetig steigen. Kostete das Kilogramm Kaffee 2020 noch knapp einen Euro im Einkauf, so lagen die Preise 2021 bereits bei über zwei Euro, momentan liegt er bei 2,22 Euro. Die Hauptgründe dafür sind zum einen der weltweit gestiegene Kaffeekonsum. Zum anderen liegt es an der Ernte in den produzierenden Ländern. Kaffee ist eine recht empfindliche Pflanze und bedarf, wie bereits erwähnt, besonderer Bedingungen. Wenn diese stark schwanken oder aber aufgrund des Wetters die Ernte schlechter ausfällt, verknappt sich das Angebot und die Preise steigen. In Brasilien beispielsweise machte erst eine Dürreperiode den Bauern das Leben schwer, darauf folgen Schnee und Frost. Zusätzlich macht die Corona-Pandemie den Bauern das Leben schwer, durch Lockdowns und Container-Knappheit in den Häfen kann der Kaffee aus den exportierenden Ländern nicht weitertransportiert werden, was zu einer zusätzlichen Verknappung auf dem Weltmarkt führt. Verschärft wird dies noch durch eine Kapazitätskrise in der Schifffahrt, die ebenfalls teilweise durch Corona mit verursacht wurde. Dadurch sind die Frachtkosten gestiegen, die wiederum einen hohen Anteil am Kaffeepreis haben. Weiter hat auch der momentan recht starke Dollar einen Einfluss auf den Preis.

Tchibo hat bereits eine Preiserhöhung angekündigt. Diese fällt mit zwischen 50 Cent und 1,30 Euro je Kilogramm hoch aus. Tchibo gibt als Marktführer hier den Takt vor, das Unternehmen ist eines der wenigen, die eine solche Erhöhung kommunizieren, da der Konzern seinen Kaffee in eigenen Geschäften verkauft. Es ist nach Juni 2021 bereits die zweite massive Preiserhöhung. Andere Hersteller äußern sich momentan nicht, aber es ist davon auszugehen, dass auch sie die Preise erhöhen müssen. 

Und die Bauern?

Das Problem ist, dass gerade die Kaffeepflanze beständige Bedingungen braucht. Frost ist tödlich für sie, auch zu starke Dürre und zu viel Sonne schadet ihr. Neben den Wetterkapriolen in Brasilien trifft es auch die Kaffeebauern in Indien. Durch die Wettereinflüsse sind die Ernten dort zwischen 30 und 70 Prozent zurückgegangen. Diese sind, da sind sich die Experten einig, Auswirkungen der weltweiten Klimakrise. Die Einkäufer versuchen natürlich, Kaffee so günstig wie möglich zu bekommen. Da jedoch die Preise für Fracht etc. gestiegen sind, bleibt am Ende nur der Erzeuger. Wie bereits erwähnt, erhalten diese nur einen geringen Anteil der Gesamtkosten. Das schlägt dann natürlich auf die Arbeitsbedingungen durch. Fair gehandelter Kaffee soll hier Abhilfe schaffen, doch durch die Erhöhung der Kosten ist auch hier am Ende für die Bauern nicht mehr viel übrig. Teilweise werden die eigenen Kosten nicht mehr gedeckt. 

Experten sind der Meinung, dass Kaffee im Grunde noch zu billig sei. Um den Bauern auf Dauer wirklich zu helfen, wäre eine Preissteigerung von 30 Cent je Kilogramm nötig, die den Erzeugern direkt zugutekommen müssten. Allerdings, auch da sind sich die Experten einig, gibt dies der Weltmarkt zurzeit nicht her. 

Wir werden uns also auf weitere Kostensteigerungen beim geliebten Heißgetränk einstellen müssen. Doch vielleicht genießen wir den Kaffee dann umso mehr und in Maßen.