• Die Kapitallebensversicherung: Ist sie wirklich eine gute und sichere Altersvorsorge?
  • Das solltest du am besten schon vorher wissen, um keine teuren Fehler zu machen.
  • Bestehende Verträge: Lohnt sich eine Kündigung? So lassen sich Verluste vermeiden.
  • Die betriebliche Altersvorsorge: Das Gleiche in Grün oder eine interessante Alternative?

Wer in der heutigen Zeit sein Geld - außer vielleicht in Immobilien - sicher und gewinnbringend anlegen möchte, sollte lieber einmal mehr als zu wenig darüber nachdenken und die verschiedenen Möglichkeiten in Ruhe prüfen. Doch eine Variante kann man mit gutem Gewissen bereits im Vornherein ausschließen: Die Kapitallebensversicherung. Die Wahrscheinlichkeit, bei dieser Form der Altersvorsorge später einmal eine bittere Enttäuschung zu erleben, ist zumindest laut verschiedener Experten relativ hoch.

Die Kapitallebensversicherung - ein legaler Betrug?

Ob man die Kapitallebensversicherung zurecht als "legalen Betrug" bezeichnen möchte, wie dies schon vor rund drei Jahrzehnten der Versicherungsexperte und Vorsitzende des Bundes der Versicherten Hans Dieter Meyer getan hat, darf einmal dahingestellt bleiben. Dennoch lohnt sich in Zeiten von Negativzinsen und Niedrigzinsen ein kritischer Blick auf diese Geldanlageform, die immer noch gerne zur Altersvorsorge genutzt wird. Doch zunächst erstmal die Antwort auf die Frage, was genau überhaupt eine Kapitallebensversicherung ist. Ohne zu tief in die Details einzusteigen, lässt sich zumindest feststellen, dass diese Form der Geldanlage eine Kombination aus einer Risikolebensversicherung mit einem Sparvertrag ist. Manchmal ist sogar noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung integriert. Erstere sichert die Hinterbliebenen für den Todesfall des oder der Versicherten ab, indem sie diesen einen bestimmten Geldbetrag auszahlt. Solch eine Risikolebensversicherung kann auch alleine abgeschlossen werden und ist im Verhältnis zur Kapitallebensversicherung relativ preisgünstig. Schon mit wenigen Euro im Monat lässt sich für den Fall der Fälle bereits eine Versicherungssumme von mehreren zehn- oder sogar hunderttausend Euro und mehr versichern. Die Kosten dafür schwanken einerseits je nach Versicherungsunternehmen sowie nach Alter und Gesundheitszustand der versicherten Person. Zu empfehlen ist diese auf jeden Fall dem, dessen Angehörige bei Wegfall des oder der Versicherten in finanzielle Not geraten würden und auch besonders dann, wenn noch Schulden zu bezahlen oder Hypotheken zu tilgen sind. Da die Versicherungsbeiträge mit zunehmenden Alter deutlich ansteigen, empfiehlt sich zumeist, den Vertrag zumindest dann zu kündigen, wenn kein wirkliches Risiko mehr besteht. Die Beiträge sind übrigens als Vorsorgeaufwendungen steuerlich absetzbar.

Der Sparvertrag als Teil der Kapitallebensversicherung wiederum soll dafür sorgen, dass in jedem Fall später einmal Geld ausgezahlt wird, also auch völlig unabhängig vom Todesfall. Die Idee dabei ist, dass nach einem Zeitraum von zumeist zwanzig, dreißig oder noch mehr Jahren zu einem bestimmten Zeitpunkt die eingezahlten Sparbeiträge plus der vom Versicherungsunternehmen erwirtschafteten Gewinne zur Verfügung stehen. Wer also bereits zu Beginn seines Berufslebens solch einen Vertrag abgeschlossen hat und dann über viele Jahre seine monatlichen Beiträge entrichtet hat, darf sich darauf freuen, im Alter entweder eine recht hohe Einmalzahlung zu erhalten oder über viele Jahre eine monatliche Rente. Eigentlich hört sich das Ganze ja bis zu dieser Stelle noch relativ positiv an. Doch die Crux liegt in der Verzinsung des Sparanteils: Seit dem 01.01.2022 dürfen die Versicherungsunternehmen nur noch 0,25 Prozent Gewinn garantieren.

Zu Zeiten von Hans Dieter Meyer in den Neunzigerjahren lag dieser immerhin noch bei 3 Prozent und in den Achtzigern sogar bei 3,5 Prozent. Doch wieso hat Meyer diese aus heutiger Sicht nicht gerade unbeachtliche Verzinsung überhaupt kritisiert? Der Grund lag und liegt auch heute noch gar nicht in der Verzinsung, sondern im Gewinn. Und aus genau diesem Grund wird die Kapitallebensversicherung nach wie vor vom Bund der Versicherten kritisiert: "Eine Kapitallebensversicherung braucht grundsätzlich niemand. Sie ist sowohl für den Vermögensaufbau als auch für die Altersvorsorge ungeeignet." Und zwar deshalb, weil sich der garantierte Gewinn lediglich auf den Sparanteil der monatlichen Versicherungsprämie bezieht, also ohne den Beitrag für die enthaltene Risikolebensversicherung und unter Abzug sämtlicher Verwaltungskosten wie auch Vermittlungsprovisionen. Auf diese Weise kann es letztlich sogar zu einer Negativ-Verzinsung kommen. Man bekommt also weniger Geld ausgezahlt, als man im Laufe der Jahre eingezahlt hat.

Mögliche Renditen und Gewinne

Die Inflationsrate hat in Deutschland im Mai 2022 bereits 7,9 Prozent erreicht. Damit ist klar, dass jede Geldanlage, die unter diesem Wert liegt, grundsätzlich zur unmittelbaren Geldvernichtung führt, wenn man etwaige Steuervorteile einmal außen vorlässt. Und die Renditen, die aktuell sowohl Banken als auch Versicherungen für Ratensparverträge garantieren, liegen zumeist unter 0,5 Prozent.

Als die garantierten Gewinne der Versicherer in den Achtziger- und Neunzigerjahren noch bei 3 oder 3,5 % lagen, war selbst dies im Vergleich zu den Banken zumeist ein schlechtes Geschäft. Letztere boten Verträge mit ähnlichen Zinsen, jedoch bei langfristigen Verträgen mit zusätzlichen Boni-Zahlungen an. Zudem bezog sich die Verzinsung auf die tatsächlichen Spareinlagen der Kunden und Kundinnen und nicht nur auf den Gewinn nach Abzug unternehmensinterner Kosten. Wer damals seine Kapitallebensversicherung kündigen wollte, musste oft mit Schrecken feststellen, dass aufgrund der hohen Verwaltungskosten und Vermittlungsprovisionen von seinen bislang eingezahlten Beiträgen selbst nach mehreren Jahren (noch) nichts übrig war. Dennoch muss der Fairness halber ausdrücklich gesagt werden, dass es sich damals wie heute nur um den vertraglich garantierten Gewinn handelt bzw. gehandelt hat.

Gut wirtschaftende Versicherungsunternehmen mit relativ geringen Kosten schaffen laut Stiftung Warentest auch heute noch einen Gewinn von immerhin 5 Prozent. Das ist zwar schon eine ganze Menge, allerdings bezieht sich dieser Erfolg nur auf die Vergangenheit. Niemand kann wissen, wie gut dieselben Unternehmen in Zukunft wirtschaften werden und wie hoch dann die Renditen ausfallen. Somit bleibt diese Form der Geldanlage immer auch eine Art von Glücksspiel.

Die betriebliche Altersvorsorge als mögliche Alternative

Einige Betriebe bieten für ihre Beschäftigten eine Betriebsrente zur Altersvorsorge an. Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden: Bei der ersten Variante bezahlt das Unternehmen die Beiträge zu hundert Prozent. Wenn du diese mitnimmst, kannst du definitiv nichts falsch machen, da du ja ohnehin keine Kosten hast. Du solltest lediglich im Blick haben, dass die daraus resultierenden späteren Zahlungen einerseits der Einkommensteuer unterliegen und du - falls du Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse bist - andererseits darauf auch noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abführen musst.

Hohe und sichere Renditen sind selten geworden
CC0 / Pixabay / martaposemuckel

Die zweite Variante besteht darin, dass der Arbeitgeber die jeweiligen monatlichen Beiträge nur zum Teil bezuschusst, du also selbst einen Teil davon bezahlen musst. Die Verbraucherzentrale rät, solch einen Vertrag überhaupt nur dann abzuschließen, wenn das Unternehmen mindestens 20, besser aber 30 Prozent der Beiträge übernimmt. Ob sich das Ganze dann für dich lohnt, ist pauschal nur sehr schwer zu sagen, zumal es sich auch hier um eine Art Kapitallebens- bzw. Rentenversicherung mit den bereits bekannten Problemen handelt. Dennoch besteht immerhin ein weiterer Vorteil darin, dass du die monatlichen Beiträge bis zu 4 Prozent der jeweils aktuellen Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung ohne Abzug von Sozialabgaben und bis zu 8 Prozent ohne Abzug von Steuern in solch eine Betriebsversicherung investieren kannst. Du sparst somit also bares Geld. Die Tatsache, dass du später die ausgezahlten Beträge voll versteuern musst, relativiert sich zumindest dadurch etwas, dass der Steuersatz im Rentenalter zumeist niedriger ausfällt als während des Erwerbslebens.

In Summe lässt sich also sagen, dass die Betriebsrente durch die Bezuschussung oder sogar Vollfinanzierung durch den Arbeitgeber und die Reduzierung von Steuern und Sozialausgaben im Vergleich zur klassischen Kapitallebensversicherung deutlich besser abschneidet.

Wie kannst du mit einer bestehenden Kapitallebensversicherung umgehen?

Doch was tun, wenn du solch eine Kapitallebensversicherung bereits seit einigen Jahren hast? Solltest du diese besser kündigen, um keine weiteren Verluste zu machen oder lieber in den sauren Apfel beißen und weiter - womöglich noch viele Jahre - dafür Beiträge zahlen?


Amazon-Buchtipp: Die Do-it-yourself-Rente - Passives Einkommen aus Immobilien zur Altersvorsorge

Wenn sich in diesem Zusammenhang von einem Fehler sprechen lässt, dann hast du ihn schon beim Abschluss des Vertrages gemacht und dieser lässt sich nicht durch eine überstürzte Kündigung wettmachen. Die Kosten für den Verwaltungsaufwand und für die Vertreterprovisionen (außer bei Direktversicherungen ohne Außendienst) musst du so oder so tragen. Hinter dieses Geld kannst du getrost einen Haken machen. Wenn du jedoch weiterhin brav deine Beiträge zahlst, werden sich zwar die getätigten Investitionen womöglich zumindest relativieren, dennoch ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dich am Ende mit einer minimalen Gewinnmarge abfinden zu müssen. Jedoch bieten Altverträge zum Beispiel aus den Neunzigerjahren den Vorteil, dass hier noch ein relativ hoher Mindestgewinn garantiert ist. Mit etwas Glück kommen dann sogar noch ein paar ansehnliche Euro dazu.

Eine Kündigung sollte auf jeden Fall wohlüberlegt sein, denn dabei können auch steuerliche Aspekte eine wichtige Rolle spielen. Oftmals ist in die Kapitallebensversicherung auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung integriert. Der Eintritt in eine solche ist vor allem vom Alter und von Vorerkrankungen abhängig und kann deshalb auch nicht so ohne Weiteres durch einen neuen Vertrag ersetzt werden. Zudem ist diese gerade für Menschen in der Mitte ihres Lebens besonders wichtig, um im Falle einer krankheitsbedingten Berufsunfähigkeit eine (weitere) Rente zu erhalten. Deshalb bietet es sich in vielen Fällen eher an, deine Kapitallebensversicherung nicht zu kündigen, sondern nur beitragsfrei stellen zu lassen. Für deine Entscheidung ist es auf jeden Fall sinnvoll, deine individuelle Situation genau durchzurechnen.

Mehr zum Thema Finanzen:

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn du auf einen dieser Links klickst bzw. darüber einkaufst, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.