• Hinter dem Begriff "Sharenting" verbirgt sich ein riskanter Trend
  • Mit dem Posten von Kinderfotos im Netz gehen viele Gefahren einher
  • Auch Kinder haben ein Recht am eigenen Bild
  • Mit diesen Tipps schützen Sie Ihr Kind so gut es geht

Viele Eltern möchten sämtliche Entwicklungsschritte ihres Kindes auf Fotos festhalten, denn "Die Kleinen werden so schnell groß." Daran gibt es nichts auszusetzen. Schließlich gibt es nichts Schöneres, als ganz viele Bilder aus der Kinderzeit zu besitzen als Erinnerung. Heutzutage bleibt es aber oft nicht beim Knipsen der Fotos - immer häufiger werden Bilder des eigenen Kindes, Enkels oder der Nichte oder des Neffen öffentlich gepostet. Doch dadurch verletzen Sie nicht nur das Persönlichkeitsrecht Ihres Kindes, sondern riskieren auch, dass das Bild in die falschen Hände gerät.

Sharenting: Fotos von Kindern online posten ist riskant

Kinder werden oft ungefragt und unbemerkt von ihren Eltern oder Verwandten fotografiert. Werden diese Fotos auf Social Media gepostet, wird das Persönlichkeitsrecht des Kindes dabei verletzt, berichtet das Präventionsportal der Polizei. Schließlich wurde es vorher nicht um Erlaubnis gebeten. Bei Kleinkindern, die sich noch nicht ausdrücken können, wäre das noch nicht einmal möglich. "Gerade für junge Eltern, die selbst mit sozialen Medien aufgewachsen sind, ist es nahezu selbstverständlich, private Fotos aus ihrem Alltag im Internet zu teilen", sagt Dr. Iren Schulz, Mediencoach bei der Initiative „SCHAU HIN!“. 

Der Trend um das regelmäßige Teilen von Bildmaterial der eigenen Kinder erhielt sogar einen Namen: Sharenting. Das Wort setzt sich aus dem englischen Begriff für 'teilen' "share" und dem Begriff für 'erziehen' "parenting" zusammen. 

Das Deutsche Kinderhilfswerk (dkhw) empfiehlt, das Kind so früh wie möglich darüber entscheiden zu lassen, ob es ins Netz gestellt werden möchte oder nicht. Auch sollten Sie ihrem Kind schon in jungem Alter erklären, welche Gründe für einen Upload und welche dagegen sprechen. Trotzdem muss man sich im Klaren darüber sein, dass Kinder bis zu einem gewissen Alter noch nicht realistisch einschätzen können, was für Folgen das Onlinestellen der Bilder haben kann. 

Kinderfotos im Netz: Die Weiterverbreitung ist zunächst legal

Aber auch ein Kinderfoto, das mit Einverständnis des Kindes hochgeladen wurde, ist nicht sicher, denn es kann legal weiterverbreitet werden. Ein Beispiel dafür ist die Gruppe "Gespenster am Fenster" auf Facebook. In dieser Gruppe werden ständig sämtliche Kinderfotos mit einem Klick ganz legal geteilt, um darauf aufmerksam zu machen, wie leicht die Verbreitung der Fotos wirklich ist. Das stößt natürlich bei vielen Menschen auf Kritik - rechtlich gesehen tut die Gruppe damit aber nichts Unerlaubtes.

"Vorausgesetzt, ein Foto wurde rechtmäßig, das heißt nicht ohne oder gegen den Willen des/der Abgebildeten oder der gesetzlichen Vertreter hochgeladen, darf das Foto jedenfalls im Rahmen aller Funktionen der jeweiligen Plattform genutzt und verbreitet werden, also meistens: Teilen, Liken, Einbetten, Kommentieren", erklärt der Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht Stephan Dirks dem Portal leben-und-erziehen.de. "Nicht erlaubt ist das Kopieren und Re-Posten des Materials auf derselben Plattform oder an anderer Stelle, da dies eine eigenständige Veröffentlichungshandlung darstellt."

Obwohl es nicht legal ist, wenn Dritte ein entsprechendes Bild herunterladen und selbst neu hochladen, ist das keine Seltenheit. "Die Bilder könnten durch Dritte ins Darknet befördert werden, wo sie womöglich Pädophilen in die Hände fallen", warnt Schulz. Im schlimmsten Fall kann das Bild tatsächlich auf rechtswidrigen Webseiten landen und eine Vorlage für pädophile Fantasien werden. "Klar ist, dass jemand, der die Fotos seiner Kinder in soziale Netzwerke einstellt, die Kontrolle über die Verbreitung und Nutzung letztlich vollständig abgibt, weil er wirksam kaum kontrollieren kann, ob rechtliche Beschränkungen eingehalten werden", erklärt Dirks.

Sharenting: Das Risiko der Verbreitung von Bildern im Netz ist nie bei Null

Zwar kann man sein Profil im Netz auf "privat" stellen, - was vom dkhw auch geraten wird - doch minimiert das lediglich das Risiko der Weiterverbreitung des Kinderbildes. Bei Null ist das Risiko im Internet niemals. Das eigene Profil könnte Hackern zum Opfer fallen, oder einer der vielzähligen Facebook-Freunde hat kriminelle Absichten, von den man selbst nichts ahnt.

Jede Social-Media-Plattform hat Richtlinien, die besonders Kinder vor Missbrauch schützen sollen. Instagram heißt es beispielsweise: "Viele Menschen teilen gerne Fotos und Videos ihrer Kinder. Aus Sicherheitsgründen kann es vorkommen, dass wir Bilder entfernen, auf denen nackte oder halbnackte Kinder zu sehen sind. Auch wenn solche Inhalte in guter Absicht geteilt werden, könnten sie von anderen Personen auf unerwartete und unerwünschte Weise verwendet werden." Das wird von Instagram auch aktiv umgesetzt, aber auch hier ist das Risiko nur minimiert und die Möglichkeit, dass trotzdem etwas passieren könnte, existiert noch.

"Natürlich kann man Eltern nicht verbieten, Fotos von ihren Kindern bei Facebook einzustellen. Sie sollten sich aber immer die Frage stellen: Würde ich das Foto auch posten, wenn ich das Kind wäre, das darauf zu sehen ist?", gibt Schulz zu bedenken.

Um den Upload von Kinderbildern so risikolos wie möglich zu gestalten, rät das dkhw Folgendes: 

Verzichten Sie auf personenbezogene Daten

Nennen Sie niemals den vollen Namen Ihres Kindes in den sozialen Netzwerken und  verzichten Sie auf weitere Informationen, die, eingegeben in einer Suchmaschine, das Bild Ihres Kindes zeigen. Dazu zählen unter anderem Standortangaben, Alter des Kindes und Namen des familiären Umfeldes. Außerdem ist es nicht ratsam, Bilder von Orten zu posten, an denen sich Ihr Kind regelmäßig aufhält, wie in der Schule, im Kindergarten oder vor dem Eigenheim.

Überprüfen Sie regelmäßig die Privatsphäre-Einstellungen

Schon beim Anmelden in sämtlichen sozialen Netzwerken sollten Sie Ihre Privatsphäre-Einstellungen auf sich anpassen. Da diese Einstellungen vom Anbieter aber gelegentlich angepasst werden, ist es ratsam, sie regelmäßig anzupassen.

Posten Sie keine Bilder von Ihrem Kind in unangemessenen Situationen

Auch wenn der erste Töpfchengang für die meisten Eltern ein absolutes Highlight ist und sie gerne damit hausieren gehen würden, sollten Sie besser darauf verzichten. Ein Kind sollte stets vollständig bekleidet auf öffentlichen Bildern zu sehen sein und nicht in einer lächerlichen oder peinlichen Situation abgebildet werden.

Veröffentlichen Sie das Bild ohne Gesicht

Immer häufiger sieht man in den sozialen Medien Kinderbilder, bei denen das Gesicht des Kindes durch einen Sticker in einem Nachbearbeitungsschritt unkenntlich gemacht wurde. Das ist eine gute Option, um sein Kind zu zeigen und es gleichzeitig vor den Gefahren des Internets zu schützen. Auch Aufnahmen, die das Kind von hinten zeigen, sind eine gute Alternative. Aber auch das Posten von Detailaufnahmen, wie von Händen oder Füßen ist unbedenklich. Stellen Sie sich immer die Frage: Ist es wirklich notwendig für die Aussage des Bildes das Gesicht meines Kindes zu zeigen?

Gehen Sie als gutes Vorbild voran

Bereits ab einem Alter von 14 Jahren können Kinder alleine und ohne Einverständnis der Eltern Bilder von sich in der Social-Media-Welt hochladen. Als Elternteil oder Großelternteil sollten Sie besonders daran denken, dass Sie eine Vorbildfunktion innehaben. Wenn Sie also selbst verantwortungsbewusst mit ihren Daten und Bildern im Netz umgehen und das ihren Sprösslingen auch vermitteln, tragen Sie dazu bei, dass auch ihre Kinder sich verantwortungsbewusster bei Instagram und Co. verhalten.