Das Münchner Ifo-Institut hat die geplante Erhöhung des Kindergeldes im Koalitionsvertrag von Union und SPD kritisiert. Der Nutzen sei nach heutigem Erkenntnisstand klein und die Kosten seien unverhältnismäßig hoch gemessen an den familienpolitischen Zielen, sagte Helmut Rainer, Leiter des Ifo-Zentrums für Arbeitsmarkt und Bevölkerungsökonomik.


Ifo-Institut fordert Investition in Kinderbetreuung

"Zielgerichteter und effektiver wäre es, mehr Geld in den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung zu investieren", sagte er. Diese entfalte nachweislich positive Effekte: Sie fördere bei Müttern die Erwerbstätigkeit, verbessere die wirtschaftliche Situation von Familien, wirke sich positiv auf die Geburtenrate aus und könne die Entwicklung von Kindern aus benachteiligten Verhältnissen unterstützen.
Als zentrale familienpolitische Maßnahme haben CDU/CSU und SPD im Koalitionsvertrag eine Erhöhung des Kindergeldes um 25 Euro geplant. Dies kostet laut Ifo-Institut 3,5 Milliarden Euro für die Wahlperiode. Das Geld sollte besser zusätzlich in die Ganztagsbetreuung in Grundschulen und den Ausbau der Kitas fließen, sagte Rainer.


Kindergeld-Erhöhung sorgt dafür, dass Mütter ihre Erwerbstätigkeit reduzieren

Hierfür seien bislang zwei beziehungsweise 3,5 Milliarden Euro eingeplant. Eine Umschichtung der Kindergeld-Anhebung in diese Bereiche wäre "dann eine nachhaltige Familienpolitik, die ihre eigenen Ziele ernst nimmt", betonte er. Das Ifo-Institut hatte 2009 alle ehe- und familienbezogenen Leistungen für die Bundesregierungen evaluiert. Das Ergebnis: Eine Kindergeld-Erhöhung sorge dafür, dass Mütter ihre Erwerbstätigkeit reduzieren.