• Hinweise auf eine Hochbegabung
  • Renzulli: Ein Modell der Hochbegabung
  • Mögliche Beratungsstellen

Eine Hochbegabung ist sehr selten; dies führt dazu, dass sie oft nicht wahrgenommen und nicht entsprechend gefördert wird. Wichtig ist, Anzeichen frühzeitig zu erkennen und sich bei Bedarf bezüglich einer Kindesförderung beraten zu lassen.

Anzeichen einer Hochbegabung

Eine Hochbegabung ist nicht immer direkt ersichtlich, sondern lässt sich eher durch deutlich herausragende Leistungen in einem oder mehreren Bereichen erkennen. Wie sich die Hochbegabung bei einem Kind äußert, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die hohe intellektuelle Begabung ist dabei das, was in der Regel als Erstes mit einer Hochbegabung assoziiert wird. Erkannt werden kann die Begabung in diesem Bereich durch überdurchschnittliche Leistungen in Intelligenztests, erhöhte Kompetenzen in logischem sowie abstraktem Denken, das schnelle und korrekte Ableiten von Schlussfolgerungen, das rasche Verstehen von Zusammenhängen, Regeln und Strukturen sowie sehr zügigem, aber korrektem Lernen. Oftmals besitzen Hochbegabte eine sehr gute Merkfähigkeit und ein komplexes, außergewöhnlich vielfältiges Vokabular. Eine hilfreiche Orientierung bietet der IQ-Test: Laut Begabtenzentrum spricht man von einer Hochbegabung, wenn der Intelligenzquotient des Kindes bei über 130 liegt. Richtet man sich rein nach diesem Wert, entspricht dies etwa 2 Prozent der Bevölkerung. Eine eindeutige Aussage über eine potenzielle Hochbegabung kann allein aufgrund des Testes also nicht getroffen werden.

Eine Hochbegabung ist zum einen Teil aus der Umwelt, aber zum anderen Teil auch genetisch bedingt. Jedoch kann auch hier nicht pauschalisiert werden: nicht jedes Kind, dass entsprechende genetische Veranlagungen hat, entwickelt auch automatisch eine Hochbegabung. Genauso kann auch eine Hochbegabung, die in der frühen Kindheit diagnostiziert wurde, wieder schwinden, wenn das Kind keine entsprechende Hochbegabtenförderung erhält. Schon im frühen Kindesalter können Hinweise auf eine Hochbegabung auftreten; solche sind beispielsweise ein sehr frühes Erlernen von Laufen oder Krabbeln, ein sehr schneller Spracherwerb, ein sehr gutes Gedächtnis oder eine sehr frühe Herstellung von Blickkontakt und einer Hand-Augen-Koordination. Oftmals ist auch festzustellen, dass Kinder Fragen stellen, die nicht ihrem Alter entsprechend sind; folglich suchen diese Kinder auch häufig Kontakt zu Älteren. Im etwas späteren Kindesalter erkennt man zudem, dass Kinder sich meist über Langeweile beklagen und sich erfreuen, sehr komplexe und ungewöhnliche Aufgaben zu lösen.

Lehrer*innen und Eltern erkennen eine Hochbegabung meist nicht direkt: Das Kind langweilt sich häufig in der Schule und nimmt kaum am Unterricht teil, da es sich unterfordert fühlt. Zu bemerkende Resultate sind nicht selten schlechte Noten oder eine Zurücksetzung. Bemerkst du als Elternteil oder Autoritätsperson eines der genannten Merkmale bei einem Kind, solltest du dies unbedingt ansprechen: Die Folgen einer missverstandenen oder ignorierten Hochbegabung können gravierend sein. Kinder könnten in einen inneren Konflikt geraten und sich selbst als Ursache für die Probleme sehen, sich Verhaltensweisen zwanghaft von Mitschüler*innen abschauen und im schlimmsten Fall sogar in eine Depression geraten. Auffällig sind oft Schwierigkeiten im sozialen Umfeld, da die Kinder sich nicht mit den Problemen der Gleichaltrigen identifizieren können.

Das Konzept der Hochbegabug nach Renzulli

Der amerikanische Psychologe Joseph Renzulli entwarf 1978 das Drei-Ringe-Modell, welches die Entstehung von einer Hochbegabung anhand dreier verschiedener Einflussfaktoren symbolisierte. Für ihn war es nicht ausreichend, einfach Hochbegabung = hoher IQ zu definieren. Dieses Modell, erweitert von F.J. Mönks, kann dazu dienen, die Entstehungsweise einer Hochbegabung auch unter Berücksichtigung sozial-ökologischer Faktoren nachzuvollziehen. Zu diesen Faktoren gehören einerseits die Schule, aber auch die Peers ("Gleichaltrigen") und die Familie. Wie stark und in welchem Maße diese Einflüsse erfolgen, wirken sich auf die Ausprägung, die Förderung oder sogar die Beeinträchtigung möglicher Fähigkeiten aus.

Das Drei-Ringe-Modell nach Renzulli kann helfen, die Entstehung einer Hochbegabung nachzuvollziehen.
Bild: Evelyn Abigail Isaaak

Grundsätzlich definiert das Modell die Hochbegabung als eine Schnittmenge aus überdurchschnittlichen, intellektuellen Fähigkeiten, überdurchschnittlich ausgeprägter Kreativität und einer außergewöhnlichen Aufgabenzuwendung sowie Motivation. Hochbegabung nach Renzulli ist also eher mit Hochleistung, in verschiedenen Bereichen, gleichzusetzen. Mönks Ergänzung des Modells zeigt auf, dass die menschliche Entwicklung auch einem Prozess gleichzusetzen ist: Die Sozialisationsinstanzen dürfen nicht vernachlässigt werden.

Das Modell kann dabei helfen, eine Hochbegabung schneller zu erkennen und entsprechend zu fördern. Es zeigt, dass die Hochbegabung nichts Statisches ist: Sie ist ein veränderbares, dynamisches Phänomen, welches einen ein Leben lang begleiten, aber auch schwinden kann.

Beratungs- und Förderungsstellen für Hochbegabte

Die Förderung hochbegabter Kinder sollte so schnell wie möglich erfolgen. Die Karg-Stiftung setzt sich beispielsweise dafür ein, dass hochbegabte Kinder in jeder Altersstufe entsprechend gefördert werden; beginnend ab dem Kindergarten. Weitere wichtige Anlaufstellen für die Förderung hochbegabter Kinder ist die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK). Hier setzen sich Pädagogen*innen, Psychologen*innen und betroffene Eltern dafür ein, dass Kinder individuell intellektuell gefördert werden.

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Beratungsstellen, die dich bei Anliegen rund um die Hochbegabung unterstützen. Dazu gehört beispielsweise die Ludwig-Maximilians-Universität München, welche eine Begabungsspsychologische Beratungsstelle hat. In dieser wird eine Beratung bezüglich vermuteter Hochbegabung, aber auch Fragen zur Förderung des Kindes, zu Unsicherheiten in Erziehungsfragen sowie Fragen bezüglich der Einschulung oder dem Überspringen einer Klasse beantwortet werden.

Auch die Bundesregierung reagiert auf das Phänomen der Hochbegabung bei Kindern: Sie setzt auf eine Begabtenförderung in Schule, Stipendium und Beruf. Es werden für die weiterführende Förderung von Schüler*innen Wettbewerbe wie "Jugend forscht" eingeführt, und auch im späteren Leben unterstützt die Regierung leistungsstarke Menschen durch Stipendien.