Fußball, Schwimmen, Tanzen - gerade in Familien mit mehreren Kindern steht oft jeden Tag irgendwas auf dem Plan. Die Eltern erledigen Fahrdienst, schauen beim Training zu und feuern bei Turnieren an. So ist es auch bei Marina Biebl. Sohn Leo spielt Fußball, Gitarre und manchmal noch irgendwas anderes. Max spielt Fußball und Schlagzeug. Das familiäre Fußballfieber hat auch Tochter Masha gepackt. Außerdem tanzt sie noch und macht einen Schwimmkurs.


Individuelle Interessen

Aber wie lässt sich vermeiden, dass die Hobbys der Kinder für die Familie in Stress ausarten? Gerade bei mehreren Kindern sei es wichtig abzuwägen, sagt Maria Große Perdekamp. Sie ist Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.

"Was sind individuelle Interessen, und was kann der Einzelne?" Zumindest ein Hobby pro Kind hält die Expertin für sehr positiv.
Ute Blessing-Kapelke ist Expertin für Familien und Sport beim Deutschen Olympischen Sportbund. Sie sagt, dass viele Vereine inzwischen versuchen, Familien zu entlasten. Beispiele sind die Zusammenarbeit von Vereinen und Kindergärten oder Sportangebote extra für Eltern - die dann parallel zum Kinder-Kurs stattfinden. "Unser Interesse ist es aber eher, aus dem Sporttreiben ein gemeinsames Familienevent zu machen", sagt sie. Sind die Eltern dabei, freut das die Kinder.
Wie gut ist der Veranstaltungsort des Hobbys erreichbar? Und lässt sich das Hobby organisatorisch an die Schule anknüpfen, beispielsweise in einer AG? Das sind Fragen, die sich Familien bei der Wahl des Hobbys stellen sollten, sagt Maria Große Perdekamp.

Wichtig ist auch, dass die Kinder mit der Rolle der Eltern besonders bei Turnieren oder Wettkämpfen zufrieden sind. "Wer ständig Einfluss auf das Spiel nimmt, ist keine gute Unterstützung", sagt Große Perdekamp. Wer nur schlecht aushalten kann, dass sein Kind Misserfolge erlebt, sollte besser weggehen.


Es muss allen Spaß machen

Große Perdekamp glaubt, dass organisierte Hobbys besonders für Einzelkinder Sinn machen - vor allem wenn es auch in der Nachbarschaft nicht viele Spielkameraden gibt. Doch jedes Kind ist anders: Manche brauchen Sport, andere Ruhe. Besonders wichtig findet die Expertin, dass die Eltern dem Kind nicht ihre eigenen Wünsche aufdrängen. "Das Wichtigste ist: Es muss allen Spaß machen."
Zeit für eigene Hobbys bleibt Marina Biebl kaum.

"Man fällt da schon hinten runter, aber das ist ja meine Entscheidung." Irgendwann hat sie versucht, ei nen Tag in der Woche mittags zum Sport zu gehen - das hat aber wegen der Arbeit auf lange Sicht nicht geklappt. Und nicht immer nutze sie die Trainingszeiten für Erledigungen wie Ein kaufen, sagt sie. "Ich schaue schon immer mal wieder gerne zu." dpa-mag