Alkohol, Drogen, zu hohe Geschwindigkeit - das alles sind Gründe, die zu einem Fahrverbot führen können. In manchen Fällen ist der Führerschein weg. Neben Verkehrsdelikten und Straftaten gibt es aber auch Krankheiten, die einen Führerscheinentzug nötig machen, da die Sicherheit im Straßenverkehr gewährleistet sein muss. Laut §2 Straßenverkehrsgesetz (StVG) ist eine Person zum Autofahren geeignet, wenn sie "die notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllt und nicht erheblich oder nicht wiederholt gegen verkehrsrechtliche Vorschriften oder gegen Strafgesetze verstoßen hat". 

Freiwillig muss man sich nicht melden, wenn man aufgrund einer Erkrankung nicht mehr fahren kann. Wer jedoch "fahruntauglich" erwischt wird, kann von der Polizei oder einer Behörde den Führerschein entzogen bekommen. Wer aufgrund von körperlichen oder geistigen Mängeln nicht mehr fähig ist, sicher am Straßenverkehr teilzunehmen, muss sein Fahrzeug deshalb stehen lassen oder selbst vor Antritt der Fahrt prüfen, ob er fähig ist, ein Fahrzeug zu führen. Andere Verkehrsteilnehmer*innen dürfen dabei nicht gefährdet werden.

Körperliche Beeinträchtigungen, die zu einem Fahrverbot führen können

Bei den folgenden Krankheiten kann ein Fahrverbot erteilt werden - muss es aber nicht. Ob der Führerschein entzogen wird, ist abhängig von der Schwere der Erkrankung.

Wer schlecht sieht oder hört, darf nur mit Brille oder Hörgerät Auto fahren. Dafür gibt es zudem eine eigene Gesetzesverordnung. Bei einer hochgradigen Schwerhörigkeit, die mit weiteren Beschwerden einhergeht, wie die Störung des Sehvermögens oder des Gleichgewichts, sollte auf das Fahren verzichtet werden. Hierfür gibt es Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Laut dem Bundesamt für Justiz können weiterhin Herz- und Gefäßerkrankungen, wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzleistungsschwäche oder Aortenaneurysma, zur Trübung oder zum vollständigem Bewusstseinsverlust führen und Personen nicht mehr fahrtauglich machen.  Hier liegt die Entscheidung beim Arzt, denn gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann es zu einem spontanen Kontrollverlust kommen.

Parkinson, Diabetes, Epilepsie - ärztliche Begutachtung entscheidend

Ob Parkinson das Autofahren möglich macht, ist abhängig vom Grad der Erkrankung. Bei leichten Fällen sowie einer erfolgreichen Therapie ist das durchaus möglich. Auch bei einer ärztlichen, verkehrsmedizinischen Begutachtung wird festgelegt, ob Personen nach einem Schlaganfall fahren dürfen. Manche werden gar nicht bemerkt, andere wiederum sind so stark, dass dauerhafte Lähmungen und/oder Gehirnschädigungen bleiben.

Auch Diabetes mit einer schweren Stoffwechselstörung muss beobachtet werden, da Diabetiker durch Unterzuckerung in einen Zuckerschock fallen können.

Daneben kann ebenso Epilepsie zu einem Fahrverbot führen. Kam es aber über 12 Monate zu keinem Anfall und es wurde zusätzlich eine ärztliche Behandlung durchgeführt, ist das Autofahren möglich. Eine schwere Niereninsuffizienz beeinträchtigt das Fahrvermögen ebenfalls.

Geistige Beeinträchtigungen

Auch psychische Erkrankungen, wie eine akute organische Psychose, eine akute schizophrene Psychose, eine akute Phase der Manie oder eine sehr schwere Depression erlauben es, den Führerschein zu entziehen. Sind die akuten Symptome weg, können Betroffene wieder als fahrtauglich eingestuft werden, dazu sind jedoch regelmäßige Untersuchungen oder Kontrollen bei Fachärzten notwendig. Psychische Störungen (organische, hirnorganische Psychosen, Persönlichkeitsveränderungen, pathologische Alterungsprozesse, Manien, Depressionen, Schizophrenie) werden zum Teil mit Medikamenten behandelt, die die Fahrtauglichkeit ebenso beeinträchtigen können, wie die Krankheit selbst. 

Mit zunehmendem Alter lässt außerdem die Konzentration nach und auch auftretende Schmerzen können sich auf diese auswirken. Eine altersbedingte Demenz oder drastische Veränderungen der Persönlichkeit gefährden das Autofahren genauso.

Bevor du dich ins Auto setzt, müssen zudem Nebenwirkungen, die bei einer Einnahme von Medikamenten auftreten können, vollständig abgeklungen sein. Besser wartest du etwas länger, anstatt weitere Verkehrsteilnehmer*innen zu gefährden.

Kann ein Arzt ein Fahrverbot erteilen?

Der Arzt oder die Ärztin kann kein Fahrverbot erteilen, sondern lediglich auf eine Untauglichkeit hinweisen. Im Gegensatz zum behördlichen Fahrverbot ist ein ärztliches also nicht rechtlich verbindlich. Zusätzlich besteht die ärztliche Schweigepflicht. Eine Meldung ist daher nur in Ausnahmefällen erlaubt, wenn eine extreme Gefahr vermutet wird.

Jedoch müssen Patient*innen aufgeklärt werden, wenn sie aufgrund einer Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, ein Fahrzeug zu lenken. Missachtet der/die Patient*in diese Warnung, wird er oder sie im Schadensfall mit versicherungsrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. 

Wenn der/die Mediziner*in den Eindruck hat, dass das ärztliche Fahrverbot missachtet wird, kann er oder sie die Fahrerlaubnisbehörde über den Zustand der Patient*innen informieren. Die kann folglich ein behördliches Verfahren aussprechen. Bei einem Verstoß machen sich die Betroffenen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis strafbar. Die Fahrerlaubnisbehörde kann auch ein ärztliches Gutachten über die Fahreignung einer Person anfordern, wenn sie etwas über die Erkrankung des/der Betroffenen erfährt, durch die diese*r zur Gefährdung anderer wird. 

Gutachten nach Führerscheinentzug

Wenn dir wegen einer Krankheit der Führerschein entzogen wurde, fordert die Fahrerlaubnisbehörde entsprechende Gutachten an. Danach wird entschieden, ob du den Schein zurückbekommst und wenn ja unter welchen Auflagen. Das wird im Führerschein vermerkt. Folgende Gutachten sind möglich: 

  • Fachärztliches Gutachten/Medizinisches Gutachten: Es darf nicht vom eigenen Haus- oder Facharzt erstellt werden. Das machen Verkehrsmediziner, Arbeitsmediziner, Rechtsmediziner oder Betriebsärzte. Bei diesem Gutachten wird festgestellt, ob die Krankheit die Fahrtauglichkeit beeinflusst. Besonders beachtet wird dabei, dass die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer*innen und für die Person selbst gewährleistet ist. 
  • Medizinisch-Psychologisches Gutachten MPU: Die MPU wird durchgeführt, wenn ein fachärztliches Gutachten nicht reicht.
  • Technisches Gutachten: Diese Art Gutachten kann bei Menschen mit Bewegungseinschränkungen angefordert werden. Oft reicht es schon aus, ein Fahrzeug entsprechend umzubauen, um den/die Betroffene*n wieder am Straßenverkehr teilhaben zu lassen.

Letztendlich solltest du die Entscheidung, ob du in der Lage bist Auto zufahren nicht leichtsinnig treffen, denn du gefährdest dich damit nicht nur selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer*innen.