In Restaurants, Bars und Kneipen ist das Rauchverbot schon längst Normalität. Aber wird es nun auch bald im Auto verboten? Wenn es nach dem Bundesrat geht, dann auf jeden Fall. Schon zwei Mal hat er einen Versuch gestartet, das Rauchen im Auto unter bestimmten Bedingungen zu verbieten. Zuletzt legte das Länder-Gremium im März 2022 einen entsprechenden Entwurf zur Änderung des Nichtraucherschutzgesetzes im Bundestag vor. 

Konkret geht es den Ländern darum, Minderjährige und Schwangere besser vor den Folgen des Passivrauchens zu schützen. Wenn sie mit im Auto sitzen, soll das Rauchen deshalb verboten werden. Bei Verstößen könnten Bußgelder von 500 bis 3.000 Euro drohen. Das Rauchverbot solle auch dann gelten, wenn Fenster und Schiebedächer geöffnet sind. 

Rauchverbot im Auto? Kinder sind besonders gefährdet 

Schon im Jahr 2019 hatte eine Länder-Initiative aus den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein einen Vorstoß in diese Richtung unternommen. Die Länder-Initiative begründete ihren Änderungsentwurf damals damit, dass sich die Erwartung nicht erfüllt habe, dass freiwillig auf das Rauchen im Auto bei Anwesenheit von Kindern oder Schwangeren verzichtet würde. Als weiteres Argument für die Einführung des Rauchverbots im Auto führten sie den nur wenig höheren "Vollzugsaufwand" an. Die Einhaltung des Gesetzes könne im Rahmen der allgemeinen Verkehrskontrollen überwacht werden.

Schließlich brachte die Länder-Initiative auch noch harte Fakten an: Jährlich würden 166.000 Kinder weltweit an den Folgen des Passivrauchens sterben, heißt es in dem Gesetzesentwurf. Gerade im Auto sei die Konzentration des Passivrauchs so hoch wie an kaum einem anderen Ort - entsprechend hoch seien auch die Gefahren einer gesundheitlichen Schädigung für Minderjährige und ungeborene Kinder.

Einer Schätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) nach ist derzeit rund eine Million Minderjähriger in Deutschland Tabakrauch im Auto ausgesetzt. Kinder sind dem DKFZ zufolge gerade deshalb so gefährdet, weil sie eine höhere Atemfrequenz haben und ein weniger effizientes Entgiftungssystem als Erwachsene. Rauchen ihre Eltern, leiden sie häufiger unter Mittelohrentzündungen und Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Lungenentzündungen. Bei Säuglingen wird die Lungenfunktion durch Passivrauchen nachhaltig beeinträchtigt. Im schlimmsten Fall kann es sogar zum plötzlichen Kindstod kommen. 

Bundesregierung hat beim Rauchverbot im Auto "verfassungsrechtliche Bedenken"

Der erneute Antrag aus dem Jahr 2022 wiederholt die Argumentation und den Änderungsvorschlag aus dem Jahr 2019. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob der Gesetzesentwurf durchgeht. Die Bundesregierung teilte mit, den "gesetzgeberischen Handlungsbedarf" überprüfen zu wollen, räumte jedoch "verfassungsrechtliche Bedenken" ein. Gleichwohl werde "ein Rauchverzicht im Auto bei Anwesenheit von Minderjährigen" uneingeschränkt begrüßt.

Würde das Gesetz zum Rauchverbot im Auto tatsächlich beschlossen, wäre Deutschland in guter Gesellschaft: In zahlreichen anderen europäischen Ländern ist das Qualmen am Steuer bereits verboten. In Italien beispielsweise darf im Beisein von Schwangeren und Minderjährigen nicht im Auto geraucht werden. Bei Verstößen droht eine Strafe zwischen 500 und 5.000 Euro. Auch in Irland, Schottland, England, Frankreich und Griechenland gibt es ähnliche Verbote.

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