Vor allem jetzt, in der dunklen Jahreszeit, wenn sich der Berufsverkehr verstärkt in der Dämmerung abspielt, werden Wildunfälle zu einem großen Problem auf den rheinland-pfälzischen Straßen. Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. kennt den Grund hierfür: Es sind die Nahrungsgewohnheiten der Wildtiere, denn diese machen sich vorzugsweise in der Dämmerung auf die Suche nach etwas Essbarem.

Im Jahr führt das, nach Angaben des Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz, zu rund 5.600 Tieren, die auf den Straßen des Bundeslandes verenden. So ein Wildunfall ist eine furchtbare Sache. Wenn das angefahrene Tier tot ist, macht das die Situation nicht besser, aber einfacher. Wenn das Tier den Aufprall überlebt hat, wirft das ein moralisches Dilemma auf: Soll ich das Tier einfach liegen lassen? Oder muss ich es töten, um es von seinem Leiden zu erlösen? Was sagt mein Mitgefühl? Und was der Gesetzgeber?

Aktueller Wildunfall aus Franken sorgt für Diskussionen

Ein aktueller Fall hat sich in Franken zugetragen, im Kreis Kronach, und sorgt jetzt für Diskussionen. Die Polizei berichtet den folgenden Unfallhergang: Am Abend des 29.10.2021 fuhr ein bislang Unbekannter auf der Kreisstraße 9 von Buchbach in Richtung Rothenkirchen und verursachte dabei einen Wildunfall mit einem querenden Reh.

Der Fahrer hielt zunächst an, stieg aus und betrachtete den Schaden am Fahrzeug. Danach stieg er wieder in sein Auto und fuhr weiter, ohne sich um das verletzte Wild zu kümmern. Der Vorgang konnte von einer weiteren Verkehrsteilnehmerin beobachtet werden, die im Anschluss die Polizei verständigte. Durch die Beamten wurde das Tier von seinem Leiden erlöst.

Verhalten beim Wildunfall: Ein verletztes Tier darf man nicht liegen lassen

Die zuständige Polizeiinspektion ermittelt nun wegen einer Ordnungswidrigkeit nach dem Bayerischen Jagdgesetz gegen den bislang unbekannten Autofahrer. In Rheinland-Pfalz würde ein solches Verhalten ebenfalls nicht geduldet werden. Denn auch hier kann man ein verletztes Tier nicht einfach am Straßenrand liegen lassen und weiterfahren.

"Ein verletztes Tier darf man unter keinen Umständen einfach liegen lassen", so ein Sprecher des Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. Da sei nicht nur moralisch höchst verwerflich, sondern stelle auch einen Gesetzesverstoß dar: "Die Verkehrssicherungspflicht verbietet ein solches Verhalten. Außerdem machen sich Verkehrsteilnehmer in so einem Fall auch nach dem Tierschutzgesetz strafbar." Allerdings sei es häufig schwierig, flüchtige Fahrer zu stellen oder ihnen ihr Fehlverhalten nachzuweisen. 

Richtig verhalte sich, wer zuerst die Unfallstelle sichert und den Wildunfall anschließend der Polizei meldet. "Was die meisten Autofahrer dazu bewegt, die Polizei zu informieren, ist, dass auch die Kfz-Versicherung meist ohnehin eine Polizeibescheinigung fordert", so der Landesjagdverband. Ohne eine solche Bescheinigung würde die Versicherung nicht für den durch den Unfall entstandenen Schaden zahlen. 

Autofahrer*innen müssen verletzte Wildtiere nicht selbst von ihrem Leiden erlösen

Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Nein, du musst ein schwer verletztes Tier nicht selbst töten, um es von seinem Leiden zu erlösen. Aber du musst jemanden verständigen, der sich darum kümmert. Was nicht in Frage kommt, ist, das Tier einfach liegenzulassen.

Wer sich nach wie vor unsicher darüber ist, wie man sich nach einem Wildunfall am besten zu verhalten hat, findet auf der Website des Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. weitere hilfreiche Tipps und Informationen.