• Wie wichtig ist Schlaf?
  • Bisher angenommen: Warum schlafen wir?
  • Neue Schlaf-Studie: Forscherteam liefert überraschende Ergebnisse
  • Schlafen, um zu vergessen: Schlafen wir aus diesem Grund?

Unsere Welt fokussiert stets auf Karriere und Status, sodass Schlaf und Gesundheit oftmals zu kurz kommen. Wenn du dir die steigenden Burnoutzahlen oder die Zunahme psychischer Erkrankungen ansiehst, wirst du merken, dass viele Menschen guten Schlaf nicht wichtig genug nehmen. Dabei ist der Tiefschlaf sogar noch wichtiger als das aktive Tagesbewusstsein. Ein Erwachsener sollte im Schnitt 7,5 Stunden schlafen. Was während des Schlafs alles geschieht, erfährst du in diesem Artikel. 

Wie wichtig ist Schlaf?

Schlafen gehört bei jedem Menschen zur alltäglichen Routine. Forscher wissen heute mit absoluter Sicherheit, dass guter Schlaf überlebenswichtig ist. Ausreichend zu schlafen ist laut dem Robert Koch Institut besonders für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wichtig. Der Schlafbedarf sinkt mit zunehmendem Alter und kann sich auch zwischen Gleichaltrigen unterscheiden. 

Schlafforscher empfehlen für Erwachsende mindestens 7,5 Stunden Schlaf am Tag. Kinder hingegen brauchen je nach Alter deutlich mehr. In den ersten Jahren sind 13 Stunden oder mehr üblich. Danach nehmen die Stundenzahlen mit den Jahren nach und nach ab. Als Jugendlicher sollte man acht bis elf Stunden schlafen. 

Wenig schlafende Kindern und Jugendliche haben ein erhöhtes Adipositasrisiko, was auf die geringe Schlafdauer zurückgeführt wird, die zu einem gesteigertem Appetit und somit zu einer erhöhten Energieaufnahme führen kann. Des Weiteren kann Schlafmangel mit einer verminderten Körpertemperatur einhergehen, wodurch der Energiebedarf gesenkt wird. Zuletzt führt Schlafmangel zu Müdigkeit, die sich negativ auf die körperliche Aktivität auswirkt. 

Bisher angenommen: Warum schlafen wir?

Wir schlafen um am Tag aufgenommene Informationen zu verarbeiten und zu organisieren.
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Generell wird davon ausgegangen, dass Schlafen für die Entwicklung und Regeneration von Nervenzellen essenziell ist. Schlaf ist ein notwendiger Prozess zur Speicherung und Verarbeitung von Informationen. Somit ist es überaus wichtig gut zu schlafen, da ausreichender Schlaf wie ein Reset-Knopf wirkt. Am nächsten Morgen bist du fit und ausgeruht, sodass du bestenfalls voll fokussiert und konzentriert deinen Aufgaben nachgehen kannst. 

Solltest du aufgrund eines stressigen Jobs, Familie oder anderen täglichen Belastungen ständig zu wenig schlafen, wirst du feststellen, dass du deutlich unkonzentrierter und ungeschickter bist. Du reagierst langsamer oder triffst falsche Entscheidungen, weil dein Gehirn nicht ständig auf Hochtouren laufen kann. 

Forscher haben einige Hypothesen darüber aufgestellt, warum wir Schlaf benötigen:

  • Das Gehirn hat die Chance, wichtige neuronale Verbindungen zu trainieren, die sich sonst aufgrund mangelnder Aktivität verschlechtern könnten.
  • Schlaf gibt dem Gehirn die Möglichkeit, Daten zu reorganisieren, um eine Problemlösung zu finden, neu gelernte Informationen zu verarbeiten und Erinnerungen zu organisieren und zu archivieren.
  • Nicht mehr benötigte Synapsen werden gelöscht und bereinigt. Deshalb wachen wir auf und fühlen uns erfrischt und optimistischer.
  • Das Herz-Kreislauf-System macht im Schlaf eine Pause. Bei ausreichend gutem Schlaf kann der Blutdruck langfristig gesenkt werden.
  • Im Tiefschlaf werden vermehrt Wachstumshormone freigesetzt. Der Körper kann während des Schlafes Muskeln, Gewebe sowie alternde oder tote Zellen reparieren oder ersetzen

Neue Schlaf-Studie: Forscherteam liefert überraschende Ergebnisse

Wenn wir nachts schlafen, schläft zwar der Körper, nicht aber der Verstand. Das Gehirn ist nachts vor allem damit beschäftigt, Gedanken und Erlebnisse zu verarbeiten. Es sortiert aus, welche Gedanken in Erinnerung bleiben und welche gelöscht, beziehungsweise archiviert werden. 

Tononi und Cirelli, Biologen der Universität Wisconsin-Madison, stellten in einem Artikel der New York Times die Annahme vor, dass Menschen und Tiere schlafen, um zu vergessen. Dabei fanden sie heraus, dass Synapsen teilweise zerschnitten werden, während wir schlafen. Auf diese Weise gehen unwichtige Erinnerungen verloren. Auf der anderen Seite merken wir uns mehr, wenn die Neuronen im Gehirn möglichst viele Verbindungen haben. Wenn ein Gedanke oder eine Tätigkeit also öfter genutzt wird, wird auch die Verbindung der Synapsen im Gehirn immer stärker. Alle Verbindungen, die nur einmal oder eher selten gebraucht werden, rücken immer weiter in den Hintergrund. Wir gehen davon aus, dass wir diese Information vergessen, auch wenn das Gehirn eigentlich nie etwas vergisst.

Jetzt könnte man meinen, das sei etwas Schlechtes, oder wir würden dadurch vergesslicher werden. Ganz im Gegenteil! Wenn das Gehirn automatisch alle Informationen löscht, die unwichtig oder überflüssig sind, schafft das mehr Kapazität für neue Eindrücke und Gedanken. Wer also oft einen vollen Kopf hat, sollte sich mal wieder eine große Portion Schlaf gönnen, um Unwichtiges vergessen zu können. 

Schlafen um zu vergessen: Schlafen wir aus diesem Grund?

Im Vordergrund des Schlafens steht aber nicht das Vergessen, sondern die Aufrechterhaltung unserer Gesundheit. Dies beinhaltet ebenso das automatische Löschen von Informationen im Gehirn wie die Regeneration des Körpers. Wer ausreichend schläft, tut etwas für seine Gesundheit. 

Umgekehrt erhöht zu wenig Schlaf das Krankheitsrisiko: Die Ergebnisse einer aktuellen Schlafstudie der Universität Göteborg weisen darauf hin, dass Menschen, die weniger als sechs Stunden pro Nacht schlafen, beispielsweise ein 27 Prozent höheres Atherosklerose-Risiko haben, was zur Verstopfung der Venen und so zu Herzversagen, Schlaganfall oder einem Aneurysma führen kann. Weiter geht aus der Studie hervor, dass Männer mittleren Alters, die fünf Stunden oder weniger pro Nacht schlafen, zwanzig Jahre später ein doppelt so hohes Risiko haben, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu haben. 

Fazit: Zu wenig Schlaf ist vergleichbar mit den Auswirkungen von Rauchen oder Diabetes. Es gibt genug Gründe dafür, sich regelmäßig ausreichend Schlaf und Ruhe zu gönnen, um Körper und Geist langfristig gesund und aktiv zu halten und die 60.000 Gedanken, die wir täglich denken, zu sortieren, zu verarbeiten oder zu löschen.