• Die "No poo"-Bewegung
  • Schöne Haare durch spezielle Pflege?
  • Problematik daran
  • Fazit

"Wenn Ihr Haar strapaziert und geschädigt ist, dann können Sie es entweder abschneiden, oder wirksam und sanft reparieren." So warb in den 90er Jahren eine bekannte Haarpflegefirma für ihre Produkte. Auch heute zählen Haarpflegeprodukte zu den meistgekauften Artikeln der Drogerien, auch wenn mittlerweile immer mehr Naturkosmetika Einzug in die heimischen Badezimmer halten.

Haarshampoos im Test - das sagt Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest untersucht regelmäßig mehrere Shampoos und vergleicht diese auf Wirksamkeit, den Kostenfaktor und den Umweltaspekt. 2020 wurden 18 Shampoos und Haarseifen getestet, darunter waren sieben Naturkosmetika. Insgesamt schnitten 14 gut ab, drei waren befriedigend und eins gerade noch ausreichend. Große Preisunterschiede waren weiter spürbar, pro Haar­wäsche kosten die Produkte zwischen 1 und 38 Cent. Ein Shampoo entpuppte sich dagegen als Mogel­packung.

Aktuell ist ein neuer Trend spürbar, sogenannte "Haarseifen*" aus mit aus Lauge "verseiften" Ölen oder Fetten werden immer beliebter. Im Prinzip funktionieren solche festen Shampoos nicht anderes als flüssige Shampoos, ihnen wurde nur das Wasser entzogen und anschließend geformt. Die meisten flüssigen Shampoos schnitten durchweg gut ab, etwas schlechter waren dagegen die Haarseifen. Problematisch ist dagegen, dass diese beim Waschen weiß­liche Rück­stände bilden können. Die Folge davon sind aufquellende Haare mit einer schlechten Kämmbarkeit. Gegen diese sogenannte "Kalkseife" hilft eine Spülung aus Essig und Wasser, auch "saure Rinse" genannt. Diese Form des Haarewaschens wird unter anderem bereits seit 2014 als sogenannte "No poo" Bewegung propagiert, die ihren Ursprung in den USA hat und heute zahlreiche Anhänger und Gruppierungen weltweit besitzt. Es gibt verschiedene Formen der Bewegung, eine der bekanntesten ist das Waschen der Haare mit Essig.

Doch wie gesund ist die Essigsäure für die Haare und die Kopfhaut eigentlich? Schadet es auf Dauer vielleicht sogar den Haaren und was macht man gegen den sauren Geruch?  

Schönes Haar: Die "No poo"-Bewegung

"No poo" bedeutet simpel ausgedrückt, die Haare ohne Shampoo zu waschen. Angeblich schaden Shampoos den Haaren, die darin enthaltenen Stoffe und Chemikalien können möglicherweise krank machen. Auch besteht die Sorge, dass herkömmliche Shampoos die natürlichen Fette der Kopfhaut beseitigen und dadurch die Haare und die Kopfhaut ausgetrocknet werden.

Eine Haarwäsche mit Essig soll den Haaren zu mehr Glätte und Glanz verleihen.
CC0 / Pixabay / Alexas_Fotos

Entstanden ist die Bewegung 2014 und es gibt heute verschiedene Ausprägungen davon. Eine Gruppe lehnt jegliches Mittel für die Haare ab und reinigt diese lediglich mit Wasser. Eine andere Gruppe verwendet Backpulver an Stelle von Shampoo und Apfelessig als ergänzende Spülung. Selbst angerührte Mittel, zum Beispiel aus Roggenmehl, Eiern, Tonerde oder Bier bilden die dritte Gruppe. 

Da der aktuelle Beauty-Trend in Sachen Haarpflegeprodukte Apfelessig propagiert, wird diese Technik im Folgenden kurz vorgestellt. Weil die Kopfhaut von Natur aus leicht sauer ist (der pH-Wert der Haare beträgt ungefähr 5,5 und befindet sich im guten Mittelfeld), geht es beim Absäuern der Haare hauptsächlich um die Verringerung des pH-Werts der Kopfhaut und der Haare. Diese Pflegebehandlung soll den Haarsträhnen mehr Glanz und Glätte verleihen und eine Aufladung der Haare, durch die Schließung der Schuppenschicht und der Glättung der Haarstruktur, soll verhindert werden. Auch zahlreiche äußere Einflüsse können den natürlichen pH-Wert der Kopfhaut und der Haare negativ beeinflussen, weswegen dazu geraten wird auf entsprechende Produkte mit einem basischen pH-Wert wie Kindershampoos, industrielle Haarmasken und Spülungen, Reinigungsshampoos und Haarfärbeprodukte zu verzichten und stattdessen auf natürliche Produkte zurückzugreifen. Gemeint ist hier vor allem die "saure Rinse" (Rinse = englisch für Spülung), diese wird wie eine herkömmliche Haarspülung verwendet und schließt die Schuppenschicht wieder. Das Haar glänzt also mehr und ist leichter kämmbar. Die Mixtur wird nur in die Haarlängen gegeben, die Kopfhaut wird ausgespart.

Zubereitung der "sauren Rinse"

Die Zubereitung der Spülung ist simpel und unkompliziert. Hierfür benötigt man eine leere Flasche mit einem Liter kalten Wasser und zwei Esslöffeln Apfelessig. Bei der ersten Behandlung kann man auch mit einem Esslöffel Essig beginnen. Hierfür werden die Haare davor mit normalem Shampoo gewaschen, wobei ein Haarpflegeprodukt aus biologischen und natürlichen Inhaltsstoffen mehr Erfolg versprechen soll, da ja gerade die in normalen Shampoos enthaltenen Chemikalien zur Schädigung der Struktur führen sollen. Nach dem Haarewaschen wird die saure Rinse über die Haare gegossen, welche nicht nochmal ausgespült werden müssen. Sobald die Haare getrocknet sind, verflüchtigt sich der Essiggeruch. Falls der Geruch zu streng ist, können einige Tropfen ätherischer Öle Abhilfe schaffen. Neben Apfelessig können auch andere Essigsorten wie Balsamico-Essig, Kräuteressig und Zitronensaft oder Zitronensäure für die saure Rinse* verwendet werden. Vorsicht ist bei Zitronensäure geboten, hier reicht in halber Teelöffel aus.

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Eine weitere Möglichkeit, die Haare ohne chemische Stoffe und mit Essig zu behandeln, ist eine Kombination aus Natron und Essig. Aus dem Apfelessig und dem Wasser wird das Shampoo und aus dem Natron mit dem Wasser die Neutralisationslösung hergestellt. Anstelle des Shampoos werden die Haare mit einer Natronlösung gewaschen, um die Kopfhaut zu neutralisieren und um das Fett von der Kopfhaut zu lösen. Durch die Natronlösung wird die Haut alkalisch, das muss dann im Anschluss wiederum durch die Essigsäure ausgeglichen werden.

Auch wenn diese Prozedur simpel ist und den Haaren guttut, so ist der Geruch allerdings ein Nachteil. Auch in Bezug auf die Kämmbarkeit ist die Essigkur nicht unbedingt für alle Haartypen zu empfehlen und eignet sich vor allem für glatte Haare. Bei Haaren mit Naturkrause und Locken ist das anschließende Auskämmen dagegen sehr schmerzhaft. Bei der Verwendung von Natron besteht weiter ein eklatantes Problem, da Backpulver Kopfhaut und Haare aktiv schädigen kann. Auch könnte der natürliche pH-Wert durch das stark alkalische Backpulver gefährdet werden, was im Laufe der Zeit zu Kopfhaut- und Haarschäden führen kann.

Problematik

Eine der beliebtesten "No Poo"-Methoden ist also das Absäuern der Haare mit einer Essiglösung. Wie bereits erwähnt, gibt es hier Vor- und Nachteile. Wer gerne auf natürliche Pflegeprodukte setzt und auch gut damit zurechtkommt, sollte auf eine Pflegespülung mit Essig bauen. Jedoch ist nicht ausreichend belegt, wie förderlich diese Prozedur auf Dauer für die gesamte Haarstruktur ist. Ebenfalls konnte die Wirksamkeit weiterer Pflegeformen wie Ei- oder Bierspülungen bis heute nicht gegen Probleme wie Schuppen, Juckreiz und Trockenheit erfolgreich bestätigt werden.

Auch wenn es in Europa eine Zeit gab, wo Körpergerüche hoch angesehen waren und diese sogar noch durch eine mangelnde Körperhygiene gefördert wurden, so sind die meisten Menschen heutzutage doch gewöhnt, angenehme Gerüche ihres Gegenübers wahrzunehmen. Der natürliche Körpergeruch ist heute eher weniger gesellschaftsfähig und wird mit allen erdenklichen Methoden unterdrückt oder überdeckt. Auch die Haare beginnen ohne ausreichende Pflege nach einigen Wochen unangenehm zu riechen, da der Kopfhauttalg nach einiger Zeit wie ranzige Butter riecht. Einige Menschen leiden sehr häufig an fettigen Kopfschuppen und gereizter Kopfhaut, welche sich im Winter und durch Stress verschlechtert. Liegt solch eine Veranlagung vor, ist sogar die Anwendung eines medizinischen Shampoos mit einer Anti-Pilz-Substanz erforderlich. Dadurch können bestimmte organische Keime in ihrem Wachstum gehindert werden. Unterlässt man dies oder wäscht stattdessen gar nicht die Haare, kann es sich zu einer massiv juckenden, mit einer panzerartigen Schuppenkruste bedeckten Kopfhautoberfläche ausweiten, aus der nach und nach immer mehr Haare ausfallen.

Es hat sich gezeigt, dass einige beliebte "No Poo"-Methoden den Haaren und der Kopfhaut sogar schaden und sie reizen können.  Die Fettrückstände auf der Kopfhaut können sich verändern und oxidieren, was dazu führt, dass das Fett in übel riechende Nebenprodukte zerfällt und eine juckende und schuppige Kopfhaut verursachen kann. Der pH-Wert ist nämlich nicht der einzige Grund für die Gesundheit der Haare, einige Probleme wie Hautirritationen, Schuppen oder Allergien können zwar mit einem pH-Wert angepassten Shampoo behandelt werden, aber es ist nicht die Lösung für sämtliche Haarprobleme. Dermatologen geben weiter Entwarnung, wenn es darum geht, die körpereigene Fettproduktion an der Kopfhaut als Grund für den Shampooverzicht zu benennen, denn der Körper produziert relativ konstant die gleiche Menge an Kopfhautfett, unabhängig davon, wie häufig und intensiv die Haare mit einem herkömmlichen Shampoo zu waschen.

Fazit

Hautärzte sind durchaus besorgt darüber, dass die Haare heutzutage zu oft gewaschen werden und häufig Produkte mit ungeeigneten Inhaltsstoffen verwendet werden. Insbesondere Allergiker und Menschen mit empfindlicher Kopfhaut sollten gewisse Inhaltsstoffe (wie Farbstoffe und Konservierungsmittel, Cocamidopropylbetain, Parabene oder Silikone) vermeiden. Silikone machen das Haar zwar schön glänzend und geschmeidig, bringen aber die Gefahr mit sich, die offenen Kopfhautporen und Follikelöffnungen zu verkleben, sodass ein vernünftiger Substanzaustausch durch die Kopfhaut nicht mehr stattfinden kann.

Haarspezialisten empfehlen alle 2-3 Tage den Einsatz eines milden Shampoos* zur Kopfwäsche. Darüber hinaus sollte das Wasser nicht zu heiß sein, lauwarm reicht vollkommen. Auch beim Föhnen sollte auf eine moderate Hitze geachtet werden. Die Verwendung biologischer Produkte kann als Ergänzung zusätzlich erfolgen, beispielsweise in Form einer nächtlichen Kopfkappe mit Olivenöl, um ausgetrocknete oder schuppige Kopfhaut wieder zu stärken.

Das beste Mittel für saubere Haare und eine gepflegte Kopfhaut ist nach wie vor ein gutes Shampoo mit Pflegespülung. Moderne Shampoos sind so konzipiert, dass sie Kopfhautfette und Schmutz entfernen, ohne den natürlichen Feuchtigkeitsmantel anzugreifen. Deshalb ist es sogar wichtig für Kopfhaut und Haare, überschüssiges Fett regelmäßig zu beseitigen.

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