• Welche Phase im Flug ist die gefährlichste?
  • Welche Regel gilt?
  • Warum sie sinnvoll ist

Gerade Start und Landung sind beim Flug kritisch. Auf dem Boden muss der Verkehr von allen möglichen Fahrzeugen beachtet werden, bei der Landung kann es immer zu kritischen Situationen kommen. Warum es eine bestimmte Regel gibt.

Warum die Regel sinnvoll ist

11. September 1974. Ein Flugzeug der Eastern Airlines startete in Charleston mit Ziel Chicago. Doch die Maschine kam nie an. Sie stürzte beim Landeanflug bei der Zwischenlandung in Charlotte, North Carolina, ab. 72 der 78 Passagiere kamen ums Leben. Die US-amerikanische Verkehrsbehörde stellte bei der Untersuchung des Absturzes fest, dass die beiden Piloten durch private Gespräche, die über den Voice-Recorder ermittelt wurden, zu sehr abgelenkt waren und dadurch dem Landeanflug nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt und dadurch nicht die notwendigen Schritte eingeleitet hätten. Als Konsequenz wurde die "Sterile Cockpit Rule" eingeführt, die besagt, dass sich kein Crew Mitglied während der kritischen Phasen Aktivitäten hingeben darf, die andere Crew-Mitglieder von ihren Aufgaben ablenken oder die in irgendeiner Form die ordnungsgemäße Wahrnehmung der Aufgaben behindern könnte. Dazu gehören:

  • das Einnehmen von Mahlzeiten
  • nicht relevante Gespräche
  • das Lesen von Publikationen, die nicht mit der ordnungsgemäßen Durchführung des Fluges zu tun haben.

Als kritische Phasen wurden definiert:

  • das Taxiing (Bewegung auf dem Rollfeld)
  • Start
  • Landung
  • Flugoperationen unterhalb von 10000 Fuß (ca. 3000 Meter).

Auch wenn diese Regel so nur für die USA gilt, so gibt es eine ähnliche in Europa, die EU-OPS 1.085. In dieser heißt es: "Der Kommandant darf den Besatzungsmitgliedern die Ausübung von Tätigkeiten während des Starts, des Anfangssteigfluges, des Endanfluges und der Landung nicht gestatten, wenn diese nicht für den sicheren Betrieb des Flugzeuges erforderlich sind." Doch das ist nicht die einzige Regel. So erhalten die Pilot*innen immer unterschiedliche Mahlzeiten. Der Grund: Sollte aufgrund einer möglichen Lebensmittelvergiftung eine*r der Pilot*innen ausfallen, so ist immer noch die zweite Person einsatzfähig. Einige Airlines lassen ihre Pilot*innen zu unterschiedlichen Zeiten essen, um solche Vorfälle zu verhindern. Diese Regel ist zwar nicht offiziell, aber wird meistens so angewandt.

Warum Aufmerksamkeit wichtig ist.

Die häufigste Ursache bei Abstürzen ist der Mensch, genauer gesagt Fehler durch die Pilot*innen. Über 58 Prozent sind darauf zurückzuführen. Dabei sind Fehler bei Start und Landung mit eingerechnet. Doch warum sind gerade Start und Landung so kritisch?

Wenn du mit deinem Auto mit 100 km/h fährst, legst du pro Sekunde ca. 28 Meter zurück. Blickst du also dabei 5 Sekunden zum Beispiel auf dein Handy oder dein Beifahrer lenkt dich ab, sodass du dich nicht auf die Straße konzentrierst, legst du ca. 140 Meter zurück. Diese Strecke fährst du blind. Bei einer Landung ist ein Flugzeug, je nach Typ, immer noch etwa 200 bis 300 km/h schnell, das heißt in 5 Sekunden, in denen der Pilot abgelenkt ist, legt er 280 bis 420 Meter zurück. In dieser Zeit kann er nicht auf eine mögliche Fehlermeldung im Cockpit reagieren oder aber auf einen Funkruf des Towers. Wenn er dazu im Gespräch vertieft ist, hört er den Funkruf eventuell nicht. Wenn dazu noch die Landung auf einem Flughafen erfolgt, wo es kritisch ist, kann dies schon zu einem Unfall führen. Gerade in diesen Phasen ist es nötig, dass die Pilot*innen hochkonzentriert sind. In einem Notfall müssen schnelle Entscheidungen getroffen werden. Zu einem der schwersten Unfälle zählt die Katastrophe 1977 auf Teneriffa. Eine Boeing der KLM kollidierte beim Start auf der Rollbahn mit einer Maschine der PanAm. 583 Menschen starben. Zum Zeitpunkt herrschte dichter Nebel und die Piloten der KLM hoben ohne Starterlaubnis ab. 

Auch wenn die Anzahl der Flugzeugunfälle zurückgegangen ist, so sind Start und Landung weiterhin die kritischsten Momente. Ben Sherwood, Autor des Buches "The Survivors Club: The Secrets and Science that Could Save Your Life" hat darin die "Plus drei Minus acht "Regel aufgestellt. Diese besagt, dass sich die meisten Unfälle in den ersten drei oder den letzten acht Minuten eines Fluges ereignen. Wie viele davon auf Ablenkung der Piloten zurückzuführen sind, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall soll die "Sterile Cockpit Rule" genau dem vorbeugen.