Krankenhäuser und Pflegeheime haben momentan mit den Engpässen bei Schutzkleidung, wie Mund-Nasen-Masken zu kämpfen. Viele Menschen möchten aber auch im Alltag eine Maske tragen und nähen sich selbst einen Schutz. Was man bei den Masken verbessern kann, erklärt Prof. Dr. Dirk W. Schubert.

Prof. Schubert ist Leiter des Lehrstuhls für Werkstoffwissenschaften (Polymerwerkstoffe) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er und sein Team produzieren Atemschutzmasken, um das Universitätsklinikum Erlangen zu unterstützen.

DIY-Atemmaske: "Auch eine schlecht funktionierende Maske ist besser als keine Maske"

Herr Prof. Schubert, Sie kritisieren die vielen unterschiedlichen Anleitungen zum Bau von Behelfsmasken im Internet. Wieso?

Es gibt verschiedene Arten von Masken: Für den Einsatz in Krankenhäusern und im Umgang mit infizierten Personen, sind Masken mit der Schutzstufe FFP-2 oder FFP-3 notwendig. Einfache OP-Masken hingegen reichen nicht. Sie sollen Patientinnen und Patienten vor dem Speichel des medizinischen Personals schützen. Sie verhindern bis zu einem gewissen Grad, das andere angesteckt werden. 

Ich bin selbst jemand, der nicht nur an der Uni gerne Dinge entwickelt und baut. Deshalb finde ich es erst einmal gut, wenn die Leute aktiv werden und selbst Masken nähen. Aber ich bin auch Wissenschaftler, der sich mit Faserwerkstoffen beschäftigt und war jahrelang in der industriellen Entwicklung von medizinischen Hygiene-Produkten bei führenden nationalen und internationalen Unternehmen tätig. Deshalb muss ich ganz deutlich sagen: Diese Selbstbaumasken funktionieren schlecht bis kaum. Sie vermitteln ein falsches Gefühl von Sicherheit. Aber auch eine schlecht funktionierende Maske ist besser als keine Maske.

Was ist das technische Problem an den selbstgebauten Masken?

Das liegt an in erster Linie am verwendeten Material. SARS-CoV-2 wird vornehmlich durch Tröpfcheninfektion weiterverbreitet. Je feiner die Fasern des verwendeten Materials sind, desto besser.

Außerdem ist wichtig, wie hydrophob – also wasserabweisend – das verwendete Material ist. Je wasserabweisender also die Fasern sind, desto weniger Wassertröpfchen gelangen beispielsweise beim Sprechen oder Husten hindurch. Baumwolle ist deshalb weniger geeignet. Problematisch sind auch DIY-Masken, die mit Taschen gebaut sind, in die das Filtermaterial eingelegt wird. Wenn diese nicht präzise genug bis zum Rand gearbeitet sind und nur Mund und Nase bedecken, atmet der Träger quasi am Filter vorbei.

Was kann man besser machen beim Bau von Do-It-Yourself-Masken?

Zuerst muss einem klar sein,  dass Masken mit guter Filterwirkung das Atmen erschweren. Abhängig davon, welche Materialien zu Hause verfügbar sind, lassen sich die passenden für hinreichend funktionierende Not-Masken auswählen. Beispielsweise haben Mikrofasertücher zwar feinere Fasern als konventionelle Kleidungstextilien, sind aber hydrophil. Sie sollten aber dennoch eher verwendet werden, als klassische Textilien. Besser eignen sich sogenannte Meltblown-Materialien: Sie sind wasserabstoßend und haben einen sehr kleinen Faserdurchmesser. Diese finden sich auch in handelsüblichen Windeln oder Staubsaugerbeuteln als Sperrschicht. (Anmerkung der Redaktion: Nach diesem Interview veröffentlichte die Drogeriekette dm eine Warnung vor selbstgebauten Masken mit Staubsaugerbeuteln - warum, das haben wir als Update in unserem umfangreichen Corona-Ticker zusammengefasst.)

 Doch damit die Maske ihren Sinn und Zweck erfüllt, müssen sie auch richtig angewendet werden.