Sie ist das größte Felsenlabyrinth Europas und beherbergt eine beeindruckende Freilichtbühne: die Luisenburg bei Wunsiedel. Ab 1. Februar 2026 erhält sie das Prädikat "Nationales Naturmonument". Das hat das Kabinett bei seiner Sitzung am Montag, 12. Januar 2026, in Bamberg beschlossen.
Das Geotop im Norden Frankens ist erst das zweite Naturmonument dieser Art in Bayern, nach der Weltenburger Enge. Bundesweit gibt es bisher nur acht entsprechende Naturmonumente. Mit der Anerkennung wird die bedeutende geologische und kulturhistorische Rolle der Luisenburg hervorgehoben.
Europas größtes Felsenlabyrinth: Luisenburg wird zweites Nationales Naturmonument
Durch das neue Nationale Naturmonument erhalte Oberfranken im Naturpark Fichtelgebirge einen weiteren Erlebnis-, Bildungs- und Forschungsmagneten. Die Luisenburg weise seit mehreren Jahrhunderten eine herausragende, national einzigartige kulturhistorische Entwicklung auf, teilte die Staatskanzlei bereits 2024 mit.
Im Randbereich der Luisenburg entstand Ende des 18. Jahrhunderts ein Landschaftsgarten, und es wurde die erste Freilichtbühne Deutschlands eingerichtet. Die nationale Bedeutung spiegelt sich beispielsweise auch in den hohen Besucherzahlen von mehr als 100.000 pro Jahr wider. Im Freilichttheater finden alljährlich die Luisenburg-Festspiele statt.
Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) kündigte für März eine Festveranstaltung an, welche die beiden Schutzgebiete Luisenburg und Felsenlabyrinth miteinander vereine.
Geologische Wunder und kulturelle Bedeutung
Die faszinierenden Felsformationen der Luisenburg, die vor etwa 300 Millionen Jahren durch Wollsackverwitterung entstanden sind, zeugen von natürlichen Prozessen wie Erosion und Verwitterung. Diese geologische Struktur macht die Luisenburg dem Bayerischen Landesamt für Umwelt zufolge zu einem der bedeutendsten Geotope Deutschlands.
Die kulturhistorische Bedeutung der Luisenburg zeigt sich auch in ihrer langen Geschichte. Bereits im 18. Jahrhundert wurde hier ein Landschaftsgarten angelegt, und 1790 entstand die erste Freilichtbühne Deutschlands, die bis heute Schauplatz der beliebten Luisenburg-Festspiele ist.
Mit jährlich über 100.000 Besuchern ist die Luisenburg eines der beliebtesten Ausflugsziele im Fichtelgebirge. Sie liegt in einem Natura-2000-Gebiet, das den Schutz gefährdeter Arten sicherstellt. Zu den typischen Bewohnern des Gebiets zählen der Sperlingskauz, Schwarzspecht, Kreuzotter, Uhu, Gartenschläfer und das bemerkenswerte Leuchtmoos.
Besondere Tier- und Pflanzenarten in der Luisenburg:
- Vögel: Sperlingskauz, Schwarzspecht, Uhu
- Reptilien: Kreuzotter
- Säugetiere: Gartenschläfer
- Moose: Leuchtmoos
Auch als Forschungsstätte hat die Luisenburg eine besondere Bedeutung. Der berühmte Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe besuchte 1785 das Gebiet, um die Entstehung des Granits und dessen Verwitterungsprozesse zu studieren, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt berichtet.
Einzigartige Naturerlebnisse und Schutzmaßnahmen
Das Felsenlabyrinth bietet Besuchern ein einzigartiges Abenteuer: Verwinkelte Felsspalten, dunkle Höhlen und spektakuläre Aussichtspunkte machen den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Führungen durch das Labyrinth sind besonders in der Hauptsaison von Mai bis September beliebt.
Highlights des Felsenlabyrinths:
- Verwinkelte Wege und Felsspalten
- Dunkle Höhlen und beeindruckende Aussichtspunkte
- Geführte Touren mit Geopark-Rangern
Die Ernennung zum Nationalen Naturmonument bringt zusätzliche Schutzmaßnahmen mit sich. Besonders der natürliche Fichtenwald, der das Labyrinth umgibt, wird langfristig geschützt. Dies sichert nicht nur die Artenvielfalt, sondern ermöglicht auch weitere wissenschaftliche Studien, so das Bayerische Landesamt für Umwelt.
Praktische Hinweise für Besucher: Das Felsenlabyrinth ist Teil des Naturparks Fichtelgebirge und liegt in der Nähe von Bad Alexandersbad. Besucher sollten festes Schuhwerk tragen, da das Gelände anspruchsvoll ist. Bei starkem Regen oder Schnee bleibt die Anlage aus Sicherheitsgründen geschlossen berichtet.
Felsenlabyrinth Luisenburg: Besucherinformationen
- Öffnungszeiten
- April bis Mitte November: täglich von 8.30 bis 18.00 Uhr
- Festspielzeit (Juni bis August): verlängerte Öffnungszeiten bis 19.00 Uhr
- Eintrittspreise
- Erwachsene: 6,00 Euro
- Jugendliche/Kinder (unter 18 Jahren): 2,00 Euro
- Familienkarte (2 Erwachsene + bis zu 3 eigene Kinder): 14,00 Euro
- Gruppen (ab 20 Personen): 5,00 Euro pro Person
- Kinder unter 6 Jahren: Kostenlos
- Hunde: Erlaubt, bitte an der Leine führen
- Weitere Informationen auf der Website der Stadt Wunsiedel.
- Adresse
- Lage, Anfahrt und Parken
- Das Felsenlabyrinth liegt im Naturpark Fichtelgebirge nahe Wunsiedel.
- Anfahrt: Über die B303; von Berlin, München, und Nürnberg erreichbar.
- Parkplatz: dDirekt unterhalb des Felsenlabyrinths.
- Parkgebühren: Pkw: 3,00 Euro, Motorrad: 2,00 Euro, Wohnmobil: 5,00 Euro, Bus: 10,00 Euro.
- Kontakt
- Telefon: +49 9232 5673
- Offizielle Website
Die Ausweisung von Nationalen Naturmonumenten erfolgt durch Verordnung der bayerischen Staatsregierung. Sie sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, die aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind. "Neben der Erhaltung der imposanten Naturerscheinung mit ihren Felsformationen profitieren von der Ausweisung vor allem die natürlichen Fichtenblockwälder und Waldstrukturen, die sich langfristig entwickeln können", hieß es zur Begründung.
Die acht Nationalen Naturmonumente in Deutschland
Laut Bundesumweltministerium gibt es in Deutschland derzeit acht Nationale Naturmonumente. Sie sind rechtsverbindlich geschützte Gebiete, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Bedeutung sowie ihrer Seltenheit, Eigenart und außergewöhnlichen Schönheit ausgewiesen wurden. Diese Schutzgebiete bieten Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere sowie einzigartige Naturphänomene:
- Ivenacker Eichen (Mecklenburg-Vorpommern): Die bis zu 1000 Jahre alten Eichen, die als erstes Nationales Naturmonument Deutschlands ausgewiesen wurden, sind ein bedeutendes Naturwunder und kulturhistorisches Zeugnis.
- Bruchhauser Steine (Nordrhein-Westfalen): Vier imposante Felsformationen im Sauerland, die geologisch und kulturhistorisch bedeutsam sind und durch einen Erlebnispfad erlebbar gemacht wurden.
- Kluterthöhlensystem (Nordrhein-Westfalen): Ein Höhlensystem in Ennepetal mit über 7600 Metern Gängen, das durch seine hydrologischen Verbindungen und Karststrukturen beeindruckt.
- Grünes Band Thüringen (Thüringen): Ein Abschnitt des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens, der für seinen Beitrag zum Biotopverbund und die Erinnerungskultur bekannt ist.
- Grünes Band Sachsen-Anhalt (Sachsen-Anhalt): Ein weiterer Teil des Grünen Bandes, der als wichtiger Lebensraum für gefährdete Arten dient.
- Grünes Band Brandenburg (Brandenburg): Dieser Abschnitt des Grünen Bandes verbindet auf besondere Weise Natur- und Kulturgeschichte.
- Grünes Band Hessen (Hessen): Der jüngste Teil des Grünen Bandes, der 2023 als Naturmonument ausgewiesen wurde, umfasst über 8000 Hektar ökologisch wertvolle Fläche.
- Weltenburger Enge (Bayern): Ein beeindruckender Donaudurchbruch, der durch seine spektakulären Felsformationen und einzigartige Landschaft besticht.
Die Nationalen Naturmonumente sind ein wertvoller Bestandteil des deutschen Naturschutzes und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt sowie zur Förderung des Naturverständnisses und der Erinnerungskultur. sl/mit dpa