Wunsiedel
Corona-Krise

Händler fordert Erklärung von Söder: "Aldi und Lidl dürfen alles verkaufen!"

Aldi, Lidl, Norma und Co. dürfen ihre Ware im Lockdown verkaufen - auch Bekleidung. Peter Ludwigs Schuhgeschäft bleibt dagegen geschlossen. Das trifft bei dem Einzelhändler aus Wunsiedel auf Unverständnis.
Während Aldi, Lidl, Norma und andere Discounter aufhaben, muss sein Geschäft zubleiben: Schuhhändler Peter Ludwig aus Wunsiedel ärgert sich über die Corona-Auflagen der Regierung. Foto: Ludwig Schuhe

Aldi, Lidl und Norma dürfen öffnen - er nicht: Frust bei Einzelhändler aus Wunsiedel: Seit dem 16. Dezember 2020 ist Peter Ludwigs Geschäft "Ludwig Schuhe" in Wunsiedel inzwischen schon geschlossen. Anders als die "systemrelevanten" Supermärkte und Discounter, in denen aber schon lange nicht mehr nur Lebensmittel verkauft werden. Der lokale Einzelhändler ist deshalb wütend. In einem Schreiben wendet er sich direkt an Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU).

"Sehr geehrter Herr Söder, eine Frage an Sie persönlich", heißt es darin. "Wir als Schuhgeschäft dürfen seit dem 16. Dezember nicht mehr öffnen! Aldi, Lidl und die anderen Discounter dürfen alles verkaufen! Siehe auch das beigefügte Angebotsblatt der Firma Norma!" Seine Frage an Söder: "Wie können Sie mir dies als Einzelhändler erklären??? Wir hatten ein Hygienekonzept mit Einlasskontrolle." In den großen Discountern seien dagegen viel mehr Menschen unterwegs. "Wollen Sie, dass alle Geschäfte schließen müssen? ERKLÄREN SIE MIR ES BITTE!"

Aldi, Lidl und Norma haben auf: Einzelhändler sauer über Corona-Auflagen

"Wir verkaufen Damen-, Herren- und Kinderschuhe, Sportbekleidung, Handtaschen und Geldbeutel", erläutert Ludwig inFranken.de. Doch im Corona-Lockdown bleibt sein Schuhgeschäft geschlossen. Was ihn konkret an den Auflagen stört? "Dass die Discounter alles verkaufen dürfen und wir als Fachgeschäft müssen schließen." Zwölf Angestellte beschäftigt der Wunsiedler Schuhhändler. Sie befinden sich derzeit in Kurzarbeit. 

An einem angemessenen Hygiene-Konzept scheitere es nicht. "Im April hatten wir ein Konzept mit getrennten Ein- und Ausgängen, mit Schutz an den Kassen, Desinfektionsspendern und Einlasskontrolle", erklärt Ludwig. Trotzdem bleibt der Einzelhandel geschlossen, während in den Discountern viel mehr Menschen unterwegs sind - für Ludwig nicht nachvollziehbar.

Seit dem 11. Januar ist in Bayern Click-and-Collect erlaubt, um die Situation für den Einzelhandel zu erleichtern: ein schwacher Trost für Peter Ludwig. "Click-and-Collect" werde nur minimal in Anspruch genommen. "Kleidung muss anprobiert werden, aber selbst das ist nicht erlaubt", so Ludwig. Auch das sehe in den Discountern anders aus. An Wühltischen sei es beispielsweise nicht unüblich, dass Kunden etwas im Laden anprobieren.

"Jetzt kaschpern sie in Berlin und München wieder rum"

Als Modehändler macht Ludwig noch ein anderes Problem zu schaffen. "Die Frühjahrsware muss rein, die Winterware raus", erklärt er. Seine Herbst- und Winter-Kollektion hat er überdies per Vorkasse gezahlt.

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Ludwigs Forderung: „Wir brauchen ein klares Signal. Ich möchte, dass jetzt endlich mal ein Termin genannt wird, wann wir wieder öffnen dürfen.“ Doch danach sieht es nach Ludwigs Empfinden bislang nicht aus. Die Politiker reden sich das schön. Aber wenn es darauf ankommt, dann passt es nicht." Sein Fazit: "Jetzt kaschpern sie in Berlin und München wieder rum." Eine wirkliche Perspektive gebe es aber nicht.

In seinem Schreiben an die bayerische Regierung fordert Ludwig eine Erklärung für die ungleiche Behandlung von Einzelhandel und Discountern. Für den weiteren Verlauf der Pandemie wünscht er sich von den Politikern: "Dass sie ihre Hausaufgaben machen und wir keinen dritten Lockdown bekommen." 

Einen ähnlichen Fall gab es zuletzt in Hof: Eine lokale Händlerin aus Hof ist stinksauer. Sie muss ihren Blumenladen geschlossen lassen, während Supermärkte Blumen verkaufen dürfen - die Nerven liegen blank.