Am Samstag (7. März 2026) wird in den Münchner Bavaria-Studios entschieden, wer "Miss Germany 2026" wird. Neun Frauen haben sich gegen mehr als 2600 Bewerberinnen durchgesetzt, darunter Unternehmerinnen, eine Fotografin und eine Presseoffizierin der Bundeswehr. Der Wettbewerb versteht sich längst nicht mehr als klassischer Schönheitswettbewerb. Laut den Organisatoren soll die Veranstaltung Frauen sichtbar machen, "die Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten".
Unter den Finalistinnen ist auch die Würzburgerin Amelie Reigl, die in der Kategorie "Female Founder" antritt. Die 31-Jährige züchtet menschliche Haut im Labor, um Tierversuche in der Forschung zu reduzieren. Auch in den sozialen Medien ist Reigl keine Unbekannte.
Rund 500.000 Follower: "Miss Germany 2026"- Finalistin macht Wissenschaft greifbar
Aufgewachsen ist Amelie Reigl im baden-württembergischen Wertheim. Für ihr Studium zog sie nach Würzburg, wo sie seit mittlerweile zehn Jahren lebt - und sie ist längst ein "kleiner Social-Media-Star". Im Netz nimmt die Forscherin ihre rund 500.000 Follower unter dem Namen "@diewissenschaftlerin" regelmäßig mit in die Welt der Wissenschaft. Im weißen Laborkittel und mit blauen Handschuhen möchte sie Forschung greifbar und verständlich machen.
Dort spricht sie auch über alltagsnahe Fragen wie: "Warum ist Lachen ansteckend?", "Warum ist es überall so leise, wenn Schnee liegt?"oder "Warum beruhigen wir uns, wenn wir berührt werden?". "Mein großer Traum ist ein gläsernes Labor, also wirklich ein Labor, wo man Forschung direkt sehen kann", erzählt sie. Ihre ersten wissenschaftlichen Beiträge veröffentlichte Reigl während der Corona-Pandemie, um über den Impfstoff aufzuklären. "Ich finde, man braucht Vertrauen in die Wissenschaft. Und Vertrauen kann man dadurch erlangen, indem man einfach besser erklärt, besser kommuniziert", so die Forscherin weiter.
Gerade ist Amelie Reigl dabei, das Start-up TigerShark Science aufzubauen. Das Konzept: Menschliche Hautmodelle für Forschung und Industrie sollen "moderne Hautforschung ohne Tierversuche ermöglichen", wie das Team es im Netz beschreibt.
Würzburger "Miss Germany"-Kandidatin kämpft gegen Vorurteile
Die Ergebnisse seien besser auf den Menschen übertragbar und die aus den Tests resultierenden Medikamente könnten die Patienten schneller erreichen. "Und genau da setzen wir an mit unseren Hautmodellen, weil sie aus menschlichen Zellen stammen, um wirklich gute und übertragbare Daten für unsere Kunden zu liefern", erklärt die 31-Jährige.
Um die Hautmodelle auf den Markt zu bringen, fehle dem Team "noch die Anschubsfinanzierung für Miete des Labors, Materialkosten und Produktion der Hautmodelle", heißt es in einer Spendenkampagne. In den sozialen Medien thematisiert Reigl auch Höhen, Tiefen und Herausforderungen ihres Alltags als Wissenschaftlerin. So bekomme sie etwa noch immer den Satz zu hören: "Du siehst gar nicht aus wie eine Wissenschaftlerin?!" Ihrer Meinung nach sollte es egal sein, wie sie aussieht, machte sie in einem Instagram-Post vom 11. Februar deutlich.
"Wissenschaft interessiert sich nicht für Frisuren, Outfits oder Geschlechterrollen. Sie interessiert sich für Neugier", fügt die 31 Jahre alte Würzburgerin hinzu. "Als Wissenschaftlerin im System zu sein heißt: manchmal nicht ernst genommen zu werden, manchmal lauter kämpfen zu müssen, manchmal mehr beweisen zu müssen." Bei "Miss Germany" wolle sie vor allem Mädchen und Frauen zeigen: "Was ich kann, kannst du auch!" Ihre Mission als Kandidatin: "Zukunft mitzugestalten, in der nicht nur Wissenschaft weiblicher, sichtbarer und mutiger wird und in der wir neue Wege gehen, um echte Veränderung zu schaffen, egal in welchem Bereich."
"So toll!": Girlsday wünscht viel Glück
Amelie Reigl hat bereits viele Fans. In den Kommentaren eines Instagramposts von @missgermany_official senden viele Herzen und Daumen nach oben. "Einfach nur toll! Und das alles, weil du neugierig geblieben bist" und "Lieblings-Nerd" ist zu lesen. Der Account des Girlsdays schreibt: "So toll! Wir drücken ganz doll die Daumen!" Über die Joyn-App läuft die Abstimmung über die Gewinnerin, informiert der Wettbewerb zudem in den Kommentaren.
Das Motto des Wettbewerbs lautet inzwischen: "Wirkung statt Bewertung, Haltung statt Klischees." Gesucht werden "nicht die nächsten Beauty-Influencerinnen, sondern zukünftige DAX-Vorständinnen und erfolgreiche Gründerinnen", wie die Organisatoren betonen.
Im Finale tritt die Würzburgerin in der Kategorie "Female Founder" gegen zwei weitere Kandidatinnen an. Abina Ntim aus Hamburg, die eine Pflegemarke für Afrohaare gegründet hat, und Büsra Sayed aus Berlin, die ein Modelabel betreibt, das Frauen mit dem traditionellen Kopftuch Hijab sichtbarer machen soll.