Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Babys in Franken hat ein Gutachter die massiven Verletzungen des Kindes geschildert. Er sehe "sehr wahrscheinliche Hinweise", die einen Tod durch Ersticken nahelegen, sagte Rechtsmediziner Michael Bohnert am Freitag (22. Januar 2021) vor dem Landgericht Würzburg. Das Baby habe außerdem bis kurz vor seinem Tod unter "heftigen Gewalteinwirkungen" und "wiederholten Misshandlungen" gelitten.

Seit Oktober muss sich der damalige Freund der Mutter wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der mittlerweile 24 Jahre alte Mann bestritt zum Prozessauftakt, das Kind kurz vor Weihnachten 2019 tödlich misshandelt zu haben.

Verletzungen gezielt herbeigeführt

Die Obduktion zeigte nach Angaben des Rechtsmediziners zahlreiche Verletzungen, die nicht durch einen Unfall oder die Reanimation entstanden sein können, sondern gezielt herbeigeführt wurden. So hatte der damals acht Monate alte Junge diverse Hämatome, Einblutungen durch einen Schädelbruch sowie eine schwere Verletzung im Bauchraum. Diese stamme wohl vom Todestag und sei nur durch einen sehr schmerzhaften "Faustschlag oder Fußtritt oder starkes Zusammenpressens des Bauches" zu erklären.

Seine Lunge wies zudem auf Anzeichen eines Erstickungstodes hin, weitere Rippenbrüche seien in ihrer Art "praktisch beweisend für Kindesmisshandlung". Der Mediziner fasste zusammen: "Ich habe einen solchen Befund in 30 Jahren Arbeit nur einmal bei schwerer Kindesmisshandlung gesehen."

 

red/dpa