Die Miss-Germany-Wahl 2026 hatte alles, was eine moderne Erfolgsgeschichte braucht: starke Frauen, innovative Ideen und eine gehörige Portion Mut. Mittendrin: Amelie Reigl aus Würzburg, die es bis unter die Top 3 schaffte.

Die 31-jährige Biologin trat in der Kategorie "Female Founder" an und präsentierte ihre außergewöhnliche Arbeit – sie züchtet menschliche Haut im Labor, um Tierversuche zu reduzieren. Doch am Ende des Abends in den Bavaria Studios bei München stand eine andere Frau als Siegerin fest.

Miss-Germany-Wahl entschieden: So knapp verpasste die Würzburgerin Amelie Reigl den Titel

Bei der Miss-Germany-Wahl 2026 in den Bavaria Studios bei München schaffte es die 31-jährige Amelie Reigl aus Würzburg bis in die Top-Drei des Finales. Die Biologin und Gründerin trat in der Kategorie "Female Founder" an und überzeugte mit ihrer beeindruckenden wissenschaftlichen Arbeit: Sie züchtet menschliche Haut im Labor – mit dem erklärten Ziel, Tierversuche in der Forschung zu reduzieren, wie wir bereits berichteten (siehe unten). Die ursprünglich aus Faulbach im Kreis Miltenberg stammende Wissenschaftlerin zählt auch zu den erfolgreichsten Content-Creatorn der Region.

Reigl verkörpert das neue Selbstverständnis von Miss Germany: "Ich möchte nicht nur Wissenschaft betreiben, sondern auch zeigen, dass Frauen einfach alles können", erklärte sie im Vorfeld des Finales. Trotz ihrer beeindruckenden Leistungen reichte es am Ende nicht für den Gesamtsieg – die Würzburgerin musste sich knapp geschlagen geben.

Den Titel holte sich am Samstagabend (7. März 2026) die 26-jährige Streamerin Rose Mondy aus Herne. Das Publikums-Voting brachte ein überraschendes Ergebnis, das zeigt, wie sehr sich der traditionsreiche Wettbewerb gewandelt hat. Unter den neun Finalistinnen, die sich gegen mehr als 2600 Bewerberinnen durchgesetzt hatten, befanden sich neben Amelie Reigl auch eine Bundeswehroffizierin und Unternehmerinnen mit Kopftuch.

Streamerin triumphiert: Rose Mondy ist neue Miss Germany 2026

Mondy eroberte eine Männerdomäne, die sich deutlich von klassischen Berufsfeldern unterscheidet: Sie ist auf der Plattform Twitch als Gaming-Streamerin aktiv. Dort zeigt sie sich beim "Zocken" populärer Videospiele wie "Minecraft" oder "Fortnite" – ein Metier, in dem traditionell Männer dominieren. Wie Jury-Mitglied und Schauspielerin Collien Fernandes betonte, zocken jedoch auch Millionen Frauen.

Rose Mondy steht nach dem Finale der "Miss Germany Awards" 2026 im Bavaria Film Gelände als neue Miss Germany 2026 auf der Bühne.
Felix Hörhager (dpa)

Das Ergebnis der Miss-Germany-Wahl 2026:

Von der "Wundertüte" zur Siegerin

Die Jury bezeichnete Mondy als "Wundertüte", die dem Produktionsteam der zugehörigen Serie "Road to Miss Germany" auf Sixx und Joyn so manches graue Haar beschert habe. Doch im Laufe des Wettbewerbs sei sie über sich hinausgewachsen und aus sich herausgekommen. Bereits vor dem Finale hatte sich die Streamerin in der Kategorie 'Female Mover' durchgesetzt – eine Auszeichnung für Frauen, die sich in männlich dominierten Branchen behaupten. 2025 wurde Mondy bereits als "Streamerin des Jahres" ausgezeichnet. Als Kind syrischer Eltern kam sie in jungen Jahren nach Deutschland und hat heute Hunderttausende Follower in den sozialen Medien. Nachdem die Corona-Krise ihrem Kosmetikstudio erheblich zugesetzt hatte, verlagerte sie ihre berufliche Tätigkeit ins Internet – eine Entscheidung, die sich als wegweisend erweisen sollte.

Ihre Streams nutzt Mondy nicht nur für Gaming-Inhalte, sondern auch als Plattform für gesellschaftlich relevante Themen. Offen spricht sie über ihre Sprachprobleme und den Alltagsrassismus, den sie als Kind syrischer Eltern in Deutschland erlebt. "Ich zeige, dass man nicht perfekt sein muss, um Erfolg zu haben", sagte sie nach ihrem emotional gefeierten Sieg gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Konkurrentinnen und das Produktionsteam reagierten mit Tränen auf das Ergebnis. Interessanterweise war dies nicht Mondys erster Anlauf beim Miss Germany-Wettbewerb. Bereits 2024 hatte sie das Finale erreicht, musste damals jedoch krankheitsbedingt aussteigen. Umso größer war die Freude über ihren Triumph 2026.

Als dritte Finalistin in der Endrunde stand die 36-jährige Anne Bäumler aus dem hessischen Assenheim auf der Bühne. Sie hatte sich in der Kategorie "Female Leader" durchgesetzt und führt bei einer Drogeriekette ein Team von mehr als 800 Mitarbeitenden, so Joyn. Die drei Kategorien – "Female Founder", "Female Leader" und "Female Mover" – spiegeln das veränderte Konzept des Wettbewerbs wider, der nicht mehr primär Schönheit, sondern gesellschaftliches Engagement und berufliche Leistung würdigt.

Plattform für starke Frauen

Unter den neun Finalistinnen befanden sich auch zwei Unternehmerinnen, die Kopftuch tragen und dafür immer wieder angefeindet werden: Büsra Sayed aus Berlin, die ein Modelabel gegründet hat, und Amina Ben Bouzid. "Wie willst du denn die deutsche Frau repräsentieren?", bekommen sie zu hören – Fragen, die die gesellschaftliche Debatte über Diversität und Zugehörigkeit widerspiegeln. Ebenso stand die Bundeswehroffizierin Aileen Tina Hufschmidt im Finale – in Zeiten, in denen Fragen nach der Bedeutung des Militärs zur Verteidigung demokratischer Werte besonders aktuell sind.

Rose Mondy ,Miss Germany 2026 (3.v.l) steht beim Finale "Miss Germany Awards" 2026 auf der Bühne im Bavaria Film Gelände als neue Miss Germany 2026 zusammen mit Amelie Reigl (2.v.l) und Anne Bäumler (l) und der Moderatorin Lola Weippert im Moment der Verkündung ihres Titels.
Felix Hörhager (dpa)

Der Miss-Germany-Wettbewerb, der im kommenden Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert, hat sich grundlegend gewandelt. Lange als reiner Schönheitswettbewerb bekannt, versteht sich die Verleihung inzwischen als Auszeichnung für Frauen, "die Zukunft gestalten, entwickeln" und in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Diese Neuausrichtung wird auch in der Kommunikation des Veranstalters deutlich.

"Wir suchen nicht nach den nächsten Beauty-Influencerinnen, sondern nach zukünftigen Dax-Vorständinnen und erfolgreichen Gründerinnen", teilten die Miss-Germany-Studios mit. Das Finale fand erstmals in den Bavaria Studios in Grünwald bei München statt – nach mehr als zwei Jahrzehnten im Europa-Park Rust in Baden-Württemberg. Die Wahl am 7. März, dem Vorabend des Weltfrauentags, wurde erstmals live im Fernsehen übertragen. Die neun Finalistinnen durchliefen verschiedene Kategorien und präsentierten sich in unterschiedlichen Challenges. Das Bewertungssystem kombinierte Jury-Entscheidungen mit einem Publikums-Voting, wobei letztlich die Zuschauer das entscheidende Wort hatten. Dieser demokratische Ansatz unterstreicht den partizipativen Charakter des modernisierten Wettbewerbs.

Nachfolgerin einer innovativen Vorgängerin

Rose Mondy löst nun die Ärztin Valentina Busik als "Miss Germany" ab. Busik, die 2025 den Titel gewann, arbeitet mit Künstlicher Intelligenz und möchte die Digitalisierung im deutschen Gesundheitssystem voranbringen. Sie entwickelte einen Avatar, der rund um die Uhr auf 40 Sprachen und in Gebärdensprache medizinischen Fachjargon übersetzen kann – ein Projekt, das Gesundheitsversorgung niedrigschwelliger und zugänglicher machen soll.

Die Kontinuität innovativer Gewinnerinnen zeigt: Miss Germany steht heute für Frauen, die mit ihren Ideen und ihrem Engagement gesellschaftliche Veränderungen anstoßen. Von der Medizin über die Biotechnologie bis hin zur digitalen Unterhaltungsbranche – die Bandbreite der Tätigkeitsfelder könnte kaum größer sein.

Die wichtigsten Fakten zur Miss-Germany-Wahl 2026:

  • Insgesamt 2.600 Bewerberinnen nahmen am Wettbewerb teil
  • Neun Finalistinnen qualifizierten sich für das große Finale
  • Drei Kategorien: "Female Founder", "Female Leader" und "Female Mover"
  • Erstmals Austragung in den Bavaria Studios München
  • Erstmals Live-Übertragung im Fernsehen
  • Wahl am Vorabend des Weltfrauentags

Vorangegangene Berichterstattung: Würzburger Forscherin steht  im "Miss-Germany"-Finale

Am Samstag (7. März 2026) wird in den Münchner Bavaria-Studios entschieden, wer "Miss Germany 2026" wird. Neun Frauen haben sich gegen mehr als 2600 Bewerberinnen durchgesetzt, darunter Unternehmerinnen, eine Fotografin und eine Presseoffizierin der Bundeswehr. Der Wettbewerb versteht sich längst nicht mehr als klassischer Schönheitswettbewerb.

"Miss Germany"-Kandidatin und Forscherin Amelie Reigl.
Peter Kneffel/dpa

Laut den Organisatoren soll die Veranstaltung Frauen sichtbar machen, "die Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten".  

Unter den Finalistinnen ist auch die Würzburgerin Amelie Reigl, die in der Kategorie "Female Founder" antritt. Die 31-Jährige züchtet menschliche Haut im Labor, um Tierversuche in der Forschung zu reduzieren. Auch in den sozialen Medien ist Reigl keine Unbekannte.

Rund 500.000 Follower: "Miss Germany 2026"- Finalistin macht Wissenschaft greifbar 

Aufgewachsen ist Amelie Reigl im baden-württembergischen Wertheim. Für ihr Studium zog sie nach Würzburg, wo sie seit mittlerweile zehn Jahren lebt – und sie ist längst ein "kleiner Social-Media-Star". Im Netz nimmt die Forscherin ihre rund 500.000 Follower unter dem Namen "@diewissenschaftlerin" regelmäßig mit in die Welt der Wissenschaft. Im weißen Laborkittel und mit blauen Handschuhen möchte sie Forschung greifbar und verständlich machen.

Dort spricht sie auch über alltagsnahe Fragen wie: "Warum ist Lachen ansteckend?", "Warum ist es überall so leise, wenn Schnee liegt?"oder "Warum beruhigen wir uns, wenn wir berührt werden?". "Mein großer Traum ist ein gläsernes Labor, also wirklich ein Labor, wo man Forschung direkt sehen kann", erzählt sie. Ihre ersten wissenschaftlichen Beiträge veröffentlichte Reigl während der Corona-Pandemie, um über den Impfstoff aufzuklären. "Ich finde, man braucht Vertrauen in die Wissenschaft. Und Vertrauen kann man dadurch erlangen, indem man einfach besser erklärt, besser kommuniziert", so die Forscherin weiter. 

Gerade ist Amelie Reigl dabei, das Start-up TigerShark Science aufzubauen. Das Konzept: Menschliche Hautmodelle für Forschung und Industrie sollen "moderne Hautforschung ohne Tierversuche ermöglichen", wie das Team es im Netz beschreibt.  

Würzburger "Miss Germany"-Kandidatin kämpft gegen Vorurteile

Die Ergebnisse seien besser auf den Menschen übertragbar und die aus den Tests resultierenden Medikamente könnten die Patienten schneller erreichen. "Und genau da setzen wir an mit unseren Hautmodellen, weil sie aus menschlichen Zellen stammen, um wirklich gute und übertragbare Daten für unsere Kunden zu liefern", erklärt die 31-Jährige.  

Um die Hautmodelle auf den Markt zu bringen, fehle dem Team "noch die Anschubsfinanzierung für Miete des Labors, Materialkosten und Produktion der Hautmodelle", heißt es in einer Spendenkampagne. In den sozialen Medien thematisiert Reigl auch Höhen, Tiefen und Herausforderungen ihres Alltags als Wissenschaftlerin. So bekomme sie etwa noch immer den Satz zu hören: "Du siehst gar nicht aus wie eine Wissenschaftlerin?!" Ihrer Meinung nach sollte es egal sein, wie sie aussieht, machte sie in einem Instagram-Post vom 11. Februar deutlich.

"Wissenschaft interessiert sich nicht für Frisuren, Outfits oder Geschlechterrollen. Sie interessiert sich für Neugier", fügt die 31 Jahre alte Würzburgerin hinzu. "Als Wissenschaftlerin im System zu ssein,heißt: manchmal nicht ernst genommen zu werden, manchmal lauter kämpfen zu müssen, manchmal mehr beweisen zu müssen." Bei "Miss Germany" wolle sie vor allem Mädchen und Frauen zeigen: "Was ich kann, kannst du auch!" Ihre Mission als Kandidatin: "Zukunft mitzugestalten, in der nicht nur Wissenschaft weiblicher, sichtbarer und mutiger wird und in der wir neue Wege gehen, um echte Veränderung zu schaffen, egal in welchem Bereich."

"So toll!": Girlsday wünscht viel Glück

Amelie Reigl hat bereits viele Fans. In den Kommentaren eines Instagramposts von @missgermany_official senden viele Herzen und Daumen nach oben. "Einfach nur toll! Und das alles, weil du neugierig geblieben bist" und "Lieblings-Nerd" ist zu lesen. Der Account des Girlsdays schreibt: "So toll! Wir drücken ganz doll die Daumen!" Über die Joyn-App läuft die Abstimmung über die Gewinnerin, informiert der Wettbewerb zudem in den Kommentaren.

Das Motto des Wettbewerbs lautet inzwischen: "Wirkung statt Bewertung, Haltung statt Klischees." Gesucht werden "nicht die nächsten Beauty-Influencerinnen, sondern zukünftige DAX-Vorständinnen und erfolgreiche Gründerinnen", wie die Organisatoren betonen. 

Im Finale tritt die Würzburgerin in der Kategorie "Female Founder" gegen zwei weitere Kandidatinnen an. Abina Ntim aus Hamburg, die eine Pflegemarke für Afrohaare gegründet hat, und Büsra Sayed aus Berlin, die ein Modelabel betreibt, das Frauen mit dem traditionellen Kopftuch Hijab sichtbarer machen soll. isc/sl/mit dpa