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Arzt-Praxis zu verschenken: Würzburger Arzt sucht händeringend nach einem Nachfolger

Der Allgemeinarzt Norbert Hofmann aus Würzburg findet keinen Nachfolger für seine Praxis. Mit einer ungewöhnlichen Methode ging er auf die Suche. Doch hat das was gebracht?
Ein Arzt aus Würzburg findet keinen Nachfolger für seine Praxis. Nun möchte er sie verschenken. Hat er inzwischen einen Nachfolger gefunden? Online Marketing / unsplash.com

Früher hatte der Stadtteil Zellerau nicht den besten Ruf in Würzburg, doch das hat sich geändert. Mittlerweile gilt die Zellerau als "aufstrebender Stadtteil", denn es mangelt hier an nichts. Die Nahversorgung ist gut und mit der Straßenbahn ist man in wenigen Minuten in der Innenstadt.

Doch der Allgemeinmediziner Dr. Norbert Hofmann findet trotzdem keinen Nachfolger für seine Praxis in Zellerau. Seit zwei Jahren sucht er bereits vergeblich nach einem Nachfolger.

Würzburger Arzt sucht mit außergewöhnlichen Mitteln nach einem Nachfolger

Eigentlich wollte er mit 65 Jahren aufhören, doch es fand sich bis heute keiner, der die Praxis weiterführen würde. Doch Hofmann würde nur ungern seine Praxis ohne einen Nachfolger hinterlassen. Eines Nachts kam dem nun 67-Jährigen eine kuriose Idee: Warum nicht die Praxis verschenken?

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Daraufhin schaltete Hofmann eine Anzeige in einer Würzburger Zeitung: "Allgemeinarztpraxis in Würzburg zu verschenken". Denn wenn eine Nachfolgersuche auf dem üblichen Weg nicht klappe, müssten andere Herangehensweisen ausprobiert werden, so der Allgemeinmediziner gegenüber inFranken.de. Noch drastischer ist seine Anzeige im Ärzteblatt: "Warum möchte eigentlich keiner eine Praxis in Würzburg geschenkt bekommen?", heißt es dort.

Laut dem Arzt wollte er mit dieser drastischen Anzeige Aufmerksamkeit erwecken, mit der Hoffnung, dass sich so jemand als Nachfolger findet. Der Mietvertrag für seine Praxis läuft noch bis Ende des Jahres. Hofmann hofft, bis dahin doch noch einen Nachfolger zu finden.

Warum ist es so schwer einen Nachfolger zu finden?

Für den Arzt gibt es dafür mehrere Gründe, weshalb die Suche bislang noch nicht erfolgreich war. Eine mögliche Erklärung sei, dass viele Ärzte heutzutage lieber als Angestellte arbeiten würden, denn als angestellter Arzt würde man sich viel bürokratische Arbeit sparen. Eine Praxis mit so vielen Patienten (1800 sind es aktuell) würde besonders viele junge Ärzte abschrecken. 

Ein weiterer Grund ist laut Hofmann, dass immer weniger Absolventen die Universität als Allgemeinmediziner verließen. "Viele Absolventen spezialisieren sich lieber", so der  Allgemeinmediziner. Auch zögen immer mehr Absolventen die Forschung an der Universität dem Praxisalltag vor.

Als Hausarzt zu arbeiten hätte laut dem Mediziner viele Vorteile, aber das würden viele gar nicht mehr sehen: "Keine Nachtdienste, keine Arbeit am Wochenende und Urlaub, wann man ihn nehmen möchte", zählt der Mediziner auf.

Ist Norbert Hofmann fündig geworden?

Laut dem Würzburger Arzt gibt es inzwischen ein paar Interessenten, wie zum Beispiel einen Kollegen, der eine Zweitpraxis eröffnen möchte, ein Kollege aus dem Umland oder ein Oberarzt. Doch bis jetzt ist noch nichts in trockenen Tüchern. Es ist also immer noch unsicher, ob die Praxis weiter bestehen bleibt.

Sollte sich niemand als Nachfolger für die Praxis finden, wird sie wohl für immer schließen müssen. Über den möglichen Patientenansturm würden sich die Ärzte aus der Nachbarschaft bereits Sorgen machen.

Doch was würde der Nachfolger eigentlich geschenkt bekommen? Laut Hofmann: "eine voll funktionsfähige Praxis". Das würde die gesamte Einrichtung und nach Absprache auch medizinische Geräte beinhalten. Zudem würde sich auch seine Arzthelferinnen über einen Nachfolger freuen.

Ärzteversorgung in Würzburg: So ist die Lage

Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) gibt es in Würzburg 104,30 Kassenarztsitze, verteilt auf 120 Ärzte, von denen nicht alle in Vollzeit tätig sind. Würzburg hat einen Versorgungsgrad von 134,31 Prozent und ist damit laut KVB statistisch überversorgt.

Zwar gilt Würzburg damit statistisch gesehen als überversorgt, aber wenn eine Praxis schließt, dann müssen andere Ärzte die Patienten auffangen, was für die Ärzte in der Nachbarschaft seine Schwierigkeiten mit sich bringt. Hofmann befürchtet: "Die Qualität könnte darunter leiden", denn bei der Versorgung hätten die Ärzte für die Patienten dann weniger Zeit und Kapazitäten.

Interessenten können sich per Mail bei Norbert Hofmann melden: drnorberthofmann@aol.com.