Es ist eine knappe Meldung auf der Homepage des Bayerischen Fußball-Verbandes: "Der BFV hat mit Tabellenführer Türkgücü München den Aufsteiger aus der aktuell unterbrochenen Spielzeit 2019/20 in der Regionalliga Bayern für die Teilnahme an der Saison 2020/21 für die Dritte Liga fristgerecht an den Deutschen Fußball-Bund gemeldet." Das ist die logische Konsequenz daraus, dass die Münchner am Freitag mit der Präsentation des Grünwalder und des Olympiastadions den Nachweis einer Spielstätte präsentieren konnten. Doch das bedeutet nicht endgültig, dass Türkgücü aufsteigt, und der FC 05 Schweinfurt Regionalligist bleibt.

Lediglich die Formalitäten wurden erfüllt für die nun folgende Lizenzierung durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Infolge der Corona-Pandemie hatte der BFV-Vorstand sehr frühzeitig die Regionalliga-Ordnung dahingehend geändert, dass die Mannschaft aufsteigt, die bis zum Zeitpunkt des Ablaufs der Meldefrist des Aufsteigers in die Dritte Liga Tabellenerster der Regionalliga Bayern ist: Mit neun Punkten Vorsprung auf den FC 05 ist das Türkgücü. Aus den anderen Regionalligen wurden der 1. FC Saarbrücken und der VfB Lübeck gemeldet. Die Relegation am 25. und 30. Juni bestreiten Lok Leipzig und der SC Verl.

Türkgücü hatte über seinen neuen Geschäftsführer Max Kothny jedoch in den letzten Wochen zunächst verlauten lassen, dass man zögere, aus finanziellen Gründen das Aufstiegsrecht wahrzunehmen; der Einnahmenausfall durch zu erwartende Geisterspiele sei zu groß. Doch dann einigte sich Präsident Hasan Kivran mit beinahe der ganzen Mannschaft auf Gehaltsverzichte und gab grünes Licht.

Plötzlicher Winkelzug

Blieb die Stadionfrage, da der DFB aus logistischen Gründen keine drei Drittligisten im selben Stadion zulässt. Letzte Woche tauchte der Winkelzug auf, dass 50 Pflicht-Spiele im Grünwalder Stadion möglich seien. Der TSV 1860 und der FC Bayern II belegen nur 38. Die verbleibenden zwölf könne Türkgücü nutzen, die restlichen im seit 15 Jahren nicht mehr für Fußball genutzten Olympiastadion austragen.

Dieser Deal könnte aber noch zur Fußangel werden im Lizenzierungsverfahren des DFB. Denn der schreibt in seinen Zulassungsbedingungen für die Dritte Liga unter Punkt C (technisch-organisatorische Leistungsfähigkeit) die Benennung einer ligatauglichen Spielstätte zwingend vor ("Nachweis einer Platzanlage für alle Pflichtspiele der Mannschaft der 3. Liga"). Es heißt in dem Statut: "Das Stadion muss für den Spielbetrieb der 3. Liga uneingeschränkt zur Verfügung stehen." Im Falle des Olympiastadions ist dies nicht gegeben, da dort im Vertrag mit der Stadt steht, dass Konzert- und Eventbetrieb vorrangig sei.

Nicht umsonst kommentiert Kothny den möglichen Aufstieg Türkgücüs in einer Pressemitteilung des Vereins mit zurückhaltender Euphorie: "Die letzten Wochen und Monate waren und sind aufgrund der Corona-Pandemie für unseren Verein keine einfache Zeit gewesen. Letztendlich sind wir aber nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gekommen, unser Aufstiegsrecht wahrzunehmen und den Sprung in die Dritte Liga zu wagen. Nun hoffen wir, dass wir vom DFB grünes Licht bekommen und unsere Planungen vorantreiben können."

Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" äußerte sich Kothny noch vorsichtiger: "Das bringt uns alles gar nichts, das ist ein halbgebackener Kuchen." Wenn er rein nach den Auflagen des DFB gehe, sagt der 23-Jährige, würde er die Lizenz für die 3. Liga nicht bekommen. Der BFV hat dem DFB für den Fall der Nichterteilung der Lizenz an Türkgücü sicherheitshalber den FC 05 Schweinfurt benannt, freilich ohne das zu werten. "Das ist eine übliche Vorgehensweise, um in einem solchen Fall den bayerischen Startplatz in der 3. Liga nicht zu verlieren", teilte die Pressestelle des BFV auf Nachfrage mit.

Informationen zum Lizenzierungsverfahren lägen dem BFV nicht vor, da er nicht involviert sei. Der DFB wies am Montag darauf hin, dass das Zulassungsverfahren erst abgeschlossen ist, wenn die technisch-organisatorische Leistungsfähigkeit, wie zum Beispiel ein drittligataugliches Stadion, nachgewiesen ist.

Weitere Optionen für den FC 05

Beim FC 05 Schweinfurt, der im Fall eines Nichtaufstiegs designierter DFB-Pokal-Erstrundenteilnehmer wäre, hat man die Hoffnung offenbar nicht aufgegeben, dass der DFB das Münchner Stadion-Modell nicht durchgehen lässt. Die Schweinfurter, die angekündigt hatten, ein Aufstiegsrecht als Nachrücker wahrnehmen zu wollen, müssten, so daraus nichts wird, die Runde ab September zu Ende spielen. Die Regionalliga Bayern spielt die Restsaison mit 17 Vereinen weiter und ermittelt bis Mai 2021 in Play-offs der Top-Vier einen Meister, der an der Relegation um den Aufstieg in die Dritte Liga 2021/22 teilnehmen darf - gegen den Ersten der Regionalliga Nord.