Der Pfeil aus der Redaktion landet im Unterholz eines ehemaligen US-Truppenplatzes. Dieser heißt Brönnhof. Zuerst nutzte ihn die deutsche Wehrmacht im zweiten Weltkrieg, dann kamen die Amerikaner. Ende März 2014 zogen sie ab. Wir sind zum ersten Mal hier. Östlich vom 600-Seelen-Dorf Pfändhausen, das zur Gemeinde Dittelbrunn gehört, startet unsere Tour. Meine Kollegin und ich laufen bei strömendem Regen los. Niemand sonst ist unterwegs. Zunächst bleiben wir noch auf geschotterten Wegen, dann meldet das Navi, dass wir abbiegen müssen. Es geht über Stock und Stein. Kleine Fliegen umschwirren uns. Mücken stechen durch die Kleidung. Es ist schwülwarm. Mit dem Regenschirm in der Hand bahnen wir uns den Weg durch den Wald. Ein paar Meter neben einem Hochsitz erreichen wir unser erstes Ziel. Hier ist der Dartpfeil gelandet.

Dann zieht es uns weiter. Raus aus dem Wald, hin zum Offenland, das so heißt, weil dort kaum Bäume stehen. Die deutsche Wehrmacht holzte in den 1930er Jahren einen Teil des Waldes ab.

Riesiges Areal

Der ehemalige Standortübungsplatz ist ca. 2500 Hektar groß, sagt Stefan Fritsche später am Telefon. Er ist Forstrevierleiter beim Bundesforstbetrieb Reußenberg. Ein Teil des Areals gehört zur "größten Naturerbefläche Bayerns". So heißt es auf einer Seite der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die zu den Flächeneigentümern gehört. Das Naturerbe ist laut Fritsche 1288 Hektar groß. Das entspricht mindestens 1800 Fußballfeldern. Ein Gebiet, so groß, dass selbst Menschen, die häufig zum Brönnhof kommen, erzählen, dass sie sich immer mal wieder verlaufen. Für Besucher gibt es bisher kaum Wegweiser. Das soll sich nächstes Jahr ändern, berichtet Fritsche.

Geschützter Lebensraum

Seit 2016 ist der Brönnhof Teil des Nationalen Naturerbes. Gefährdete und geschützte Arten wie Hirschkäfer, Bechsteinfledermaus und Kammmolch finden hier einen geschützten Lebensraum. Stefan Fritsche ist unter der Woche fast jeden Tag am Brönnhof. Er hat ein Auge darauf, wie sich der Wald entwickelt und dass das Offenland frei bleibt und nicht verbuscht. Manchmal höre er die Kritik, die Fläche sei doch Naturerbe, wieso man sich nicht aus allem zurückziehe. "Manche Biotope müssen wir pflegen, wenn man spezielle Arten erhalten will." Genaue Zahlen, wie sich die Artenvielfalt entwickelt hat, lägen noch nicht vor. "Dazu wird es ein Monitoring mit Universitäten und Umweltschutzverbänden geben."

Mittelwald

Auch das Waldgebiet hat er im Blick: Auf einer Fläche von 120 Hektar sollen etwa in einem Turnus von dreißig Jahren bestimmte Parzellen des Waldes gerodet werden. Alte Eichen bleiben stehen. Dadurch entstehe eine Mosaikstruktur, die dazu führe, dass es unterschiedlich viel Licht am Waldboden gebe. "Licht ist Leben. Jede Art hat ein unterschiedliches Lichtbedürfnis." Manche Arten, die von der militärischen Nutzung profitiert hätten, würden sich allerdings wieder zurückbilden, etwa die Gelbbauchunke.

Das Camp Robertson

Jahrzehntelang nutzte die siebte US-Panzerbrigade den Platz als Panzerfahrgelände und zur Infanterieausbildung. Im "Camp Robertson" soll es eine Kantine, eine Sauna, Erdbunker und eine Kläranlage gegeben haben.

Das Camp ist heute umzäunt. Dort und bei alten Munitionsdepots im Gelände sollen in Zukunft Photovoltaikanlagen entstehen. "Das wird aktiv von uns vorangetrieben", sagt Fritsche. Die Flächen sind nicht Teil des Naturschutzerbes. Ein Großteil der Fläche sei versiegelt, es gebe bereits Versorgungsleitungen. "Es sind keine großen Eingriffe notwendig."

Auf Entdeckungstour im Gelände

Peter Buberl aus Bergrheinfeld geht auf dem Gelände gerne auf Entdeckungstour. Bei Facebook hat er das Profil "Brönnhof und Umgebung" angelegt, auf dem er seit Jahren Bilder, Karten und neue Informationen zum Brönnhof teilt. Der 51-Jährige fuhr als Taxifahrer amerikanische Soldaten durch Schweinfurt, daher interessiert er sich für ihre Spuren.

Manchmal findet er bei seinen Touren Überbleibsel: Etwa eine hohe Holzwand, die von den Soldaten überwunden werden musste, oder ein altes Kettenglied eines Panzers. "Man sieht immer was", sagt Buberl. Auch die Überreste eines alten Bauernhauses kennt er. Dieses gab dem Areal seinen Namen, existiert jetzt aber nicht mehr. Ein beliebter Besichtigungspunkt ist die Feldherrenhalle. Diese beschreibt Buberl als "überdimensionales Carport".

Als Kind auf dem Brönnhof unterwegs

1952 wurde der Brönnhof zum Übungsgelände der Amerikaner, sagt Gerd Geiß. Er führt regelmäßig Gruppen über den Truppenübungsplatz . Als Kind und Jugendlicher verabredete er sich mit Freunden auf dem Brönnhof, um das einzusammeln, was die amerikanischen Soldaten liegen ließen: "Wir sammelten Patronenhülsen aus Messing, Konserven mit Erdnussbutter, Schokolade und Zigaretten." In den 1970er Jahren habe es noch keinen Umweltschutz gegeben, sagt er. Später hätten dann diejenigen Soldaten, die etwas anstellten, Müll aufsammeln müssen.

Nicht alle vertrieben die Kinder

Das Betreten des Übungsplatzes sei "auf eigene Gefahr" gewesen. Eigentlich sollte geheim bleiben, was die Amerikaner auf dem Gelände machten, berichtet er. Aber es sei auf die jeweiligen Offiziere angekommen. "Manche schickten uns weg, anderen war es egal." Nach den Anschlägen 2001 auf das World Trade Center sei die Bewachung strenger geworden.

"Es ist nicht scharf geschossen worden. Nur mit Platzpatronen", berichtet er. Statt Patronen landen nun nur noch Papier-Dartpfeile im Wald.

Am Dienstag berichtet Ellen Mützel von ihrem Tag in Schottenstein.