Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt hat nach jahrelangem sexuellen Missbrauch eines Mädchens Anklage gegen die Mutter, deren Lebensgefährten und einen weiteren Mann erhoben. Der Lebensgefährte soll im Jahr 2018 begonnen haben, sich regelmäßig an dem damals neun Jahre alten Kind zu vergehen.

Die Mutter soll das nicht nur geduldet, sondern ihre Tochter in einem Fall gemeinsam mit ihrem Freund missbraucht haben. Das teilten die Ermittler am Wochenende auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Neunjährige zur Prostitution angeboten

Weiterhin soll der Lebensgefährte das Mädchen dem 50 Jahre alten dritten Angeklagten und weiteren fremden Männern zur Prostitution angeboten haben. Das Schweinfurter Landgericht muss nun über die Zulassung der Anklagen entscheiden.

Seit Ende Juli 2020 führt die Kriminalpolizei Schweinfurt in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Schweinfurt umfangreiche Ermittlungen in diesem Fall durch, wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung des Polizeipräsidiums Unterfranken und der Staatsanwaltschaft Schweinfurt vom 16.12.2020 hieß.

Anlass der Ermittlungen war eine Mitteilung eines Lastwagenfahrers, dem am 31. Juli 2020 auf einem Parkplatz an der A70 sexuelle Dienste von einem minderjährigen Mädchen angeboten wurden. Beamte der Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck hatten damals im Rahmen einer sofort eingeleiteten Fahndung die Minderjährige und den Lebensgefährten ihrer Mutter angetroffen. Da sich bei einer Befragung des Kindes Hinweise auf sexuelle Missbrauchsfälle ergeben hatten, nahm die Kripo Schweinfurt die weiteren Ermittlungen auf. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Schweinfurt wurde inzwischen gegen die Mutter des Kindes, deren Lebensgefährten und einen weiteren Mann die Untersuchungshaft angeordnet. 

Was wird Mutter und Stiefvater vorgeworfen?

Von Ende 2018 bis Juli 2020 soll der Haupttatverdächtige in regelmäßigen Abständen und einer Vielzahl von Fällen sexuelle Handlungen an dem in diesem Zeitraum neun- bis elfjährigen Mädchen vorgenommen haben. Die Taten ereigneten sich vorwiegend in der gemeinsamen Wohnung. Zum Teil wurden von den Missbrauchsfällen Bild- und Videoaufnahmen gefertigt. Der Beschuldigte war zudem in Besitz einer Vielzahl von kinderpornografischen Dateien, die er sich offenbar über das Internet verschafft hatte, wie es in der Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei heißt.

In mindestens zwei Fällen soll der Beschuldigte das Kind einem 50-Jährigen, der ebenfalls aus der Region stammt, "zur Durchführung von sexuellen Handlungen zugeführt haben". Im Zeitraum vom 26. Juli bis zum 31. Juli 2020 soll der Lebensgefährte außerdem das Kind auf der Autobahn Lkw-Fahrern zur Durchführung von sexuellen Handlungen gegen Entgelt angeboten haben. Ein bislang noch unbekannter Täter soll ein entsprechendes Angebot auch angenommen haben.

Die leibliche Mutter des Mädchens soll die Taten nicht nur toleriert haben, sondern war offenbar auch an mindestens einer Tat beteiligt.

red/dpa