Seit dem 27. Juni 2015 wird im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld kein Strom mehr produziert. Das Aus für die Anlage kam früher als gedacht, nachdem der Leistungsbetrieb eigentlich bis Ende 2015 genehmigt war. Der Betreiber zog wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit aufgrund der Kernbrennstoffsteuer jedoch früher Konsequenzen und stellte die Stromproduktion endgültig ein.
Seither läuft die Anlage in der sogenannten Nachbetriebsphase. Mit dem eigentlichen Rückbau kann erst dann begonnen werden, wenn eine entsprechende Stilllegungs- und Abbaugenehmigung vorliegt.
Bernd Kaiser, seit April diesen Jahres neu im Amt als Kraftwerksleiter, erläutert die weitere Vorgehensweise nach dem Ende der Betriebszeit. Nachdem der Antrag zur Stilllegung der Anlage bereits im Jahr 2014 gestellt worden war, mussten im weiteren alle für eine Stilllegungs- und Abbaugenehmigung notwendigen Schritte mit den zuständigen Behörden abgestimmt werden. So wurde die Öffentlichkeit beteiligt und ein Erörterungstermin durchgeführt.


Warten auf Abbaugenehmigung

Jetzt hofft man darauf, dass die Antragsunterlagen keinen Grund zu Beanstandungen geben und im Verlauf der nächsten vier Wochen, das heißt noch im Januar 2018, eine Abbaugenehmigung erteilt wird. Untätig ist man in der Zwischenzeit nicht geblieben. Nach dem Abschalten des Kraftwerks habe man zunächst einmal alle nicht mehr benötigten Systeme und Komponenten außer Betrieb genommen. In einem nächsten Schritt galt es zur Reduzierung des Energieverbrauchs des Kraftwerks im Stillstand alle betroffenen Systeme entsprechend zu optimieren. Für Grafenrheinfelder Verhältnisse eine verkehrte Welt. Jahrzehntelang produzierte man Strom in großen Mengen. Insgesamt waren es 333 Milliarden Kilowattstunden. Damit könnte man den ganzen Freistaat Bayern vier Jahre lang mit Strom versorgen. Jetzt gilt es stromsparend zu wirtschaften.


Brennelemente immer noch radioaktiv

Auch ohne Produktion muss die Anlage natürlich gewartet werden, müssen Revisionsarbeiten durchgeführt werden. Noch immer sind die Brennelemente im Reaktorgebäude radioaktiv.
Wenn der Fahrplan eingehalten werden kann, sollen in Grafenrheinfeld bis Ende 2020 alle Brennelemente aus dem Reaktorgebäude entfernt und in Castorbehältern im Zwischenlager am Standort eingestellt worden sein. Das ist auch der früheste Zeitpunkt, zu dem mit dem nuklearen Rückbau der Anlage begonnen werden kann. Der Betreiber PreussenElektra geht dabei von einem Rückbau von innen nach außen aus. Eine Vorgehensweise , die man schon an den Kraftwerksstandorten Stade und Würgassen praktiziert und mit denen man gute Erfahrungen gesammelt hat.

Im Klartext heißt das: Der Rückbau beginnt im Reaktorgebäude, wo Quadratmeter für Quadratmeter dekontaminiert werden muss. Angesichts der Größenverhältnisse eine gigantische Aufgabe. 18 Jahre plant man ein, ehe das Kraftwerk komplett freigemessen ist, d.h. keine Radioaktivität mehr nachgewiesen werden kann. Das im Zusammenhang mit dem Rückbau anfallende schwach bis mittelstark belastete Material soll in einer noch eigens zu errichtenden 100 Meter langen, 28 Meter breiten und 17 Meter hohen Bereitstellungshalle gelagert werden, bis es ab 2023, so der Plan, zum Endlager "Konrad" abtransportiert werden kann.


400 Brennelemente eingelagert

Die Castorbehälter mit stark radioaktivem Material, derzeit sind das 21 Stück mit je 19 Brennelementen, bleiben bis auf weiteres am Standort Grafenrheinfeld. Sollte es dereinst einmal ein Endlager geben, würden sie dort eingelagert werden. Die Planungen sehen laut Kraftwerksleitung vor, dass der nukleare Rückbau bis zum Jahr 2033 abgeschlossen ist. Erst dann soll der konventionelle Abriss erfolgen, das heißt der Abriss der Kraftwerksteile, die mit Radioaktivität nie in Berührung kamen. Die Kühltürme etwa, oder die Maschinenhalle. Das wäre dann im Zeitraum zwischen 2033 und 2035.

Es gibt aber auch Stimmen lokaler Politiker, die dafür plädieren, wenigstens die Kühltürme schon wesentlich früher abzureißen. Dann wäre der Fortschritt der Rückbaumaßnahmen am Grafenrheinfelder Kernkraftwerk für jedermann leichter ersichtlich. Wie Bernd Kaiser erklärt, würde derzeit über eine solche Vorgehensweise nachgedacht. "Wir prüfen, inwieweit die Kühltürme des Kraftwerks schon früher abgerissen werden können. Aber das ist vor allem auch eine wirtschaftliche Frage." Nach derzeitigem Stand ist also davon auszugehen, dass die Türme irgendwann zwischen den Jahren 2033 und 2035 fallen werden. Dann stünden nur noch Bereitstellungshalle und das "Bella" genannte Zwischenlager. Den oft apostrophierten Rückbau bis zur "grünen Wiese" wird es damit eh nie geben. Bis die letzte Schraube dekontaminiert ist, wird sich der neue Kraftwerksleiter mit dem Rückbau herumschlagen müssen. Für den heute 44-Jährigen definitiv eine Lebensaufgabe. Der gebürtige Badener, der in Hamburg Maschinenbau studierte, richtet sich inzwischen entsprechend langfristig im Fränkischen ein.