Auf dem Hilpoltsteiner Mittelalterfest fanden in der Vergangenheit immer wieder Flugvogelschauen mit Greifvögeln statt. Auch bei der diesjährigen Veranstaltung am vergangenen Wochenende (8. bis 10. Mai 2026) war das vermeintliche Spektakel auf dem Programmflyer zu finden. Laut einer Sprecherin der Stadt Hilpoltstein sei die Show ein echter "Besuchermagnet" und als Programmpunkt sowohl für den Samstag als auch für den Sonntag geplant gewesen. Doch daraus wurde letzten Endes nichts.
Denn nur zwei Tage vor Start des Mittelalterfestes wandte sich die Tierrechtsorganisation Peta öffentlich mit scharfer Kritik an die Veranstalter. "Peta kritisiert, dass die Tiere auf dem Mittelaltermarkt inmitten von Menschenmassen und Lärm erheblichem Stress ausgesetzt werden", hieß es in dem Anliegen. Die Organisation forderte, dieses und künftige Mittelalter-Events "nur noch ohne die Beteiligung von Tieren durchzuführen". Im Gespräch mit inFranken.de äußert sich eine Sprecherin der Stadt im Nachgang der Veranstaltung nun zu der Kritik.
Stadt Hilpoltstein verteidigt Falkner-Show und wehrt sich gegen Peta-Kritik: "Kein Verstoß gegen geltendes Recht"
Die Vogelflug-Show hätte von einem Falkner durchgeführt werden sollen. Auch dessen Handwerk verurteilt Peta in der Mitteilung: "In der Falknerei werden Greifvögel zu Jagdwaffen degradiert und zum Töten missbraucht. Auf Veranstaltungen wie Mittelaltermärkten sitzen sie oft stundenlang angebunden oder werden durch Menschenmengen getragen". Gegen diese Vorwürfe wehrt sich die Stadt nun. Selbstverständlich nehme man den Tierschutz ernst und setze sich "ernsthaft damit auseinander", erklärt die Sprecherin.
Im Vorfeld habe die Stadt deshalb auch eine geeignete Falknerei für das Fest ausgewählt, bei der verantwortungsvoll mit den Tieren umgegangen werde. Außerdem sei die Kritik von Peta laut der Sprecherin etwas überspitzt dargestellt gewesen: "Die Tiere hätten selbstverständlich einen Rückzugsraum gehabt und es wurde daran gearbeitet, dass sie keinem Stress ausgesetzt sind". Zwischen den Shows, die jeweils zwei Mal am Samstag und Sonntag stattgefunden hätten, wären die Tiere auch nicht der Sonne ausgesetzt gewesen.
Dazu komme, dass die Kritik durch die Tierrechtsorganisation so kurzfristig gewesen sei, dass man nicht mehr hätte umplanen können. "Wir hätten es aber auch nicht umgeplant", erklärt sie. Für die Stadt, die in den Schauen "keinen Verstoß gegen geltendes Recht" sieht, stand bis zuletzt fest, dass sie stattfinden. Letztendlich mussten die Shows allerdings doch ausfallen, denn der für engagierte Falkner habe kurzfristig abgesagt.
Stadt bedauert Absage von beliebtem Programm-Highlight - auch Gäste zeigen sich enttäuscht
"Ich kann nicht für den Falkner sprechen, aber es ist im Endeffekt natürlich seine Entscheidung, wenn er unter diesen Umständen nicht auftreten möchte", so die Sprecherin. "Ich denke diese Entscheidung ist durchaus nachvollziehbar, wenn solche Vorwürfe im Raum stehen", ergänzt sie. Für die Stadt sei die kurzfristige Absage dennoch ein herber Schlag gewesen. "Wir haben das wirklich sehr bedauert", erklärt die Sprecherin.
Auch bei den Gästen sei die Enttäuschung über das Ausbleiben der Greifvogel-Show groß gewesen: "Es haben sehr viele Gäste danach gefragt, manche kommen ja extra dafür". Dass die Stadt an der Durchführung des Events festhalten wollte, sei auch auf kulturelle Gründe zurückzuführen. Denn die Show diene nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Wissensvermittlung, zumal die Kunst der Falknerei Unesco-Kulturerbe sei.
Ersetzt wurde der Programmpunkt schließlich von einer Schwertkämpfer-Show, wie die Sprecherin erklärt. Dabei haben sich zwei Ritter duelliert und etwas über Waffenkunde erzählt. Die Programmplanung für das nächste Hilpoltsteiner Mittelalterfest startet im Herbst 2026. Ob die umstrittene Vogel-Show dann wieder stattfinde, sei noch nicht bekannt: "Wir machen uns auf jeden Fall Gedanken dazu, müssen das alles jetzt aber erst einmal sacken lassen".
Im April brachte der Tierpark Nürnberg eine ebenfalls umstrittene Attraktion zurück. Wiedereröffnet wurde die Delfinlagune, welche die Tierrechtsorganisation Peta als nicht artgerecht kritisierte. Weitere Nachrichten aus Roth und der Umgebung liest du in unserem Lokalressort.