Der 11. April 2026 ist ein Tag, den die Familie Mayr aus Allersberg im Landkreis Roth wohl nie mehr vergessen wird. Verzweifelt kämpfte Mutter Bianca damals gemeinsam mit Ersthelfern um das Leben ihres Sohnes Samuel, der sich auf einem Supermarktparkplatz in ihrer Heimatgemeinde an einer Wurst verschluckt hatte.

Was folgte, waren dramatische Szenen, in denen der Zweijährige mit dem Tode rang - und mehrere Menschen zu Helden wurden.

An Wurst verschluckt: Kind bricht in Allersberg zusammen

"Wir wollten nur kurz etwas zu essen für den Papa holen, der gerade im Garten gearbeitet hat", erinnert sich Bianca Mayr rund drei Monate später im Gespräch mit inFranken.de. Nach dem Einkauf war ihr und ihrem Kind spontan noch eine Wurst angeboten worden, die sie nach kurzem Überlegen schließlich mitgenommen hatten. Gerade, als Bianca ihre Einkäufe auf dem Parkplatz in den Wagen lud, nahm der Albtraum seinen Lauf.

Samuel verschluckte sich an dem letzten Stück Wurst - und bekam auf einmal keine Luft. Schnell erkannte Mayr, deren Hilfsversuche ohne Erfolg blieben, dass die Lage ernst war. "Ich habe mir gedacht: ‚Okay, du hast zwei Minuten‘, habe Samuel gepackt und bin dahin gerannt, wo Menschen standen. Ich habe zweimal gerufen und sofort hat jeder in der Nähe alles stehen und liegen gelassen".  Ihre schnelle Entscheidung, fremde Hilfe zu suchen anstatt in Ohnmacht zu erstarren, sollte sich schlussendlich als lebensrettend erweisen.

Zunächst schlugen jedoch auch alle weiteren Versuche von Mayr und den umstehenden Menschen, dem Jungen zu helfen, fehl. "Samuel ist in meinen Armen blau angelaufen, er war weg. Ich habe ein totes Kind in den Armen gehalten", erinnert sich die Mutter. Eine Gruppe von Frauen mit medizinischer Ausbildung, die zufällig vor Ort war und ebenfalls erfolglos versuchte, dem Jungen das Atmen zu ermöglichen, nahm Mayr daraufhin zur Seite und überzeugte sie, nun den mittlerweile alarmierten Rettungskräften das Feld zu überlassen.

Einsatzleiter des BRK-Rettungsdienstes: "Da geht der Puls schon extrem hoch"

Mittlerweile waren einige Feuerwehrleute eingetroffen, darunter auch ein junger Assistenzarzt. Dieser war durch die Team-Bayern-Helfer-App alarmiert worden und begann sofort mit der Behandlung des Jungen. Auch ein Mann aus Bamberg wurde zuletzt unversehens zum Lebensretter. Bianca Mayr wurde nach der Ankunft der professionellen Helfer etwas abseits von Feuerwehrleuten "sehr lieb betreut", wie sie berichtet.

Bald darauf trafen weitere professionelle Helfer ein, zu denen auch Dominik Gruber vom BRK Südfranken gehörte. Gruber war an diesem Tag Einsatzleiter des Rettungsdienstes und hielt sich in der Nachbarstadt Hilpoltstein auf, als er alarmiert wurde. Sofort machte er sich auf den Weg zu dem Parkplatz in Allersberg.

"Da geht der Puls schon extrem hoch, da eine Kinderreanimation trotz aller Erfahrung immer noch eine Seltenheit ist", erzählt Gruber. "Man unterhält sich auf der Anfahrt mit Kollegen, wie man vorgehen wird, legt sich einen roten Faden zurecht - und wenn man dann aus dem Wagen aussteigt, funktioniert man einfach", erzählt der Vater einer kleinen Tochter im Gespräch mit inFranken.de

Rettungskräfte reanimieren Samuel - und bangen weiter

Dass bei seiner Ankunft bereits mehrere Ersthelfer vor Ort waren, sieht Gruber als absoluten Glücksfall - und als Verdienst der Team-Bayern-Helfer-App, die den entscheidend an Samuels Rettung beteiligten Assistenzarzt zur Einsatzstelle geleitet hatte: "Das ist eine Top-App, ich habe es jetzt schon mehrmals gesehen, dass die den entscheidenden Unterschied gemacht hat. Eine Kinderreanimation ist vom Setting her sehr aufwendig, da sind es manchmal einfach zwei oder drei Hände zu wenig - hier nicht".

Trotzdem war er sich angesichts der Tatsache, dass das Herz des kleinen Samuel bereits mehrere Minuten nicht geschlagen hatte, nicht sicher, ob die Geschichte ein gutes Ende nehmen würde. "Ich war schon sehr skeptisch", gesteht Gruber ein. Er hat solche Situationen schon oft erlebt. In den dramatischen Minuten nach seiner Ankunft gaben die Einsatzkräfte alles, um den kleinen Samuel, der in diesen Momenten auf der Schwelle zwischen Leben und Tod steht, zu retten. "Die Ersthelfer haben versucht, das Stück Wurst aus dem Mund zu bekommen, was sich als schwierig erwiesen hat", beschreibt Gruber das Geschehen. Letztendlich gelang es mit vereinten Kräften, die letzten Reste, die immer noch im Hals steckten, in die Lunge zu schieben. Das kann, wie Gruber erklärt, zwar zu Entzündungen führen, im Vergleich zur Alternative erschien das aber als das deutlich kleinere Übel.

"Man schaut in solchen Fällen, dass man Infos bekommt, wie es dem Kind geht"

Der Plan ging auf, ein Helfer konnte einen Schlauch in Samuels Lunge schieben - und der Junge dadurch endlich reanimiert werden. Bianca und ihr zwischenzeitlich auch auf dem Parkplatz eingetroffener Mann durften zu ihrem Sohn, der dann aber im Eiltempo ins nahegelegene Südklinikum gebracht wurde. Es galt, keine Zeit zu verlieren, denn auch wenn sich Samuels Zustand stabilisiert hatte, war das langfristige Ausmaß des entstandenen Schadens unklar.

Gruber blieb zurück auf dem Parkplatz und verarbeitete dort gemeinsam mit den anderen Einsatzkräften die dramatischen Minuten. Bei aller Professionalität habe er in dieser Situation mit dem Kind mitgefiebert und gehofft, dass die Sache gut ausgeht. "Man schaut in solchen Fällen, dass man Infos bekommt, wie es dem Kind geht".

Tatsächlich sollte es noch einige Tage dauern, bis sich der Nebel um Samuels Zustand lichten sollte. Nach drei Tagen im künstlichen Koma auf der Intensivstation wurde der Zweijährige aufgeweckt - und begann zur Erleichterung seiner Eltern schon bald, erfreuliche Fortschritte bei seiner Genesung zu zeigen.

Samuels schnelle Genesung: Krankenhauspersonal spricht von "Wunder"

"Es kommt mal ein Lächeln, er brabbelt oder bewegt seine Hand. Das waren alles Dinge, bei denen uns jedes Mal ein Stein vom Herzen gefallen ist", erzählt Mutter Bianca. Nach und nach wurde offensichtlich, dass es Samuel erstaunlicherweise gut ging.

Mehr noch, die lange Zeit ohne Atem und Herzschlag, die bei Menschen oftmals zu schweren Hirnschäden führt, hatte er gänzlich unbeschadet überstanden. Angesichts der umfassenden Genesung hätten die Schwestern laut Bianca im Krankenhaus von einem "Glück" und "Wunder" gesprochen. Nach zehn Tagen konnte er aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Heute merke man Samuel die schicksalhaften Ereignisse kaum noch an - außer bei einer Sache: "Er hat früher sehr schnell gegessen. Heute kaut er langsamer, bewusster und vorsichtiger", beobachtet Bianca. Auch bei ihr hat der Vorfall Spuren hinterlassen - und doch kann sie etwas Positives daraus ziehen. "Ich würde sagen, dass man das Leben mit anderen Augen sieht und alles einfach mehr zu schätzen weiß".

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