"Die Firma brennt!" Diesen Anruf eines sichtlich schockierten Mitarbeiters am Mittwochmorgen (2. Februar 2022) um kurz nach 1 Uhr haben Wenke Fischer und ihr Mann Thomas heute noch in den Ohren. "Bitte die Zweitschlüssel für die Fahrzeuge mitbringen", bat bei einem weiteren Anruf die Polizei. "Dann sind wir los gefahren und haben schon von Ferne die Rauchwolke gesehen", erzählt Thomas Fischer, selbst ehemaliger Feuerwehrmann in Bad Königshofen.

Vor Ort zeigte sich, dass das Feuer im Kellergeschoss ausgebrochen war und die Wehrleute aus Bad Neustadt die Flammen schnell unter Kontrolle hatten. "Wenige Minuten später wär es ein Großbrand geworden, hätte der Bewohner nicht den Rauchmelder gehört und sofort reagiert", sagen die Fischers. Ihr Dank geht deshalb an den schnellen, professionellen Einsatz der Wehrleute, aber auch an die Polizei, den Rettungsdienst und Notarzt, die die Anwohner im ersten Stock in letzter Minute aus der Gefahrenzone brachten.

Zahlreiche Bestatter bieten Hilfe an

Beim Blick in das Kellergeschoß lässt sich das Ausmaß des Feuers nur erahnen. "Wir dürfen hier noch nicht weiter, da die Ermittlungen der Gutachter zur Brandursache nicht vollständig abgeschlossen sind", erklärt Thomas Fischer. Fest steht jedenfalls, dass das Feuer in einem Vorbereitungsraum ausgebrochen ist, in dem Innenausstattungen für Särge, wie Decken und Kissen lagerten und sich Personal- sowie Hygieneraum befanden. Glück im Unglück war, dass zwischen einem weiteren Raum, in dem die Holzsärge lagern, eine Wand ist, die ein Übergreifen der Flammen verhinderte.

Als Wenke Fischer wegen des Brandes ihre Teilnahme an den laufenden Prüfungen als Prüferin in Münnerstadt absagte, ahnte sie nicht "welchen Stein sie damit ins Rollen brachte." Plötzlich kamen Anrufe verschiedener Bestattungsunternehmen aus allen Bereichen Deutschlands, die ihre Hilfe anboten.

"Es waren mindestens 50 Kolleginnen und Kollegen, die nachfragten, wie sie helfen können. Notwendige Desinfektionsmittel und Hygieneartikel wurden zur Verfügung gestellt ebenso Waren, Dekorationsartikel, aber auch Manpower", sagt Wenke Fischer. "Damit konnte der Betrieb sofort weiter laufen." Wie sich im Nachhinein herausstellte, hat ein Kollege die Mitlieder des Bundesverbandes deutscher Bestatter informiert und damit diese einmalige Hilfsaktion eingeleitet.

Kripo ermittelt - Schaden im sechsstelligen Bereich

Wie hoch der Schaden ist, wird sich erst zeigen, wenn man die Brandstelle im Keller betreten und mit der notwendigen Entkernung beginnen kann. Die Kripo spricht nach ersten Schätzungen von einem sechsstelligen Betrag. Letztendlich sind auch Kellerbereiche betroffen, die von Mietparteien genutzt werden.

Bereits beim Betreten des Bestattungsunternehmens ist heute noch der Brandgeruch bemerkbar. "Das wird wohl noch einige Zeit dauern", meint Thomas Fischer. Im Außenbereich zeigt er auf die zerstörten Fenster, die mit Brettern verschalt sind, an anderer Stelle erkennt man zerbrochenes Fensterglas und Brandspuren an der Hauswand.

"Man darf gar nicht daran denken, was passiert wäre, hätte unser Mitarbeiter nicht so vorbildlich reagiert", sagt Wenke Fischer. "Er hatte das Piepsen gehört und zunächst gedacht, dass die Batterie des Rauchmelders leer ist." Erst als er die Türe öffnete und den Rauch sah, erkannte er die Gefahr und alarmierte über die Notrufnummer die Rettungskräfte.

Weiterhin werden Zeugen gesucht

Am Einsatzort war die Feuerwehr aus Bad Neustadt und Brendlorenzen, ebenso der Rettungsdienst des BRK Rhön-Grabfeld mit Einsatzleiter Richard Rockenzahn, sowie Notarzt Klaus Büchner und die Beamten der Polizei Bad Neustadt. Gegen 5 Uhr morgens war der Einsatz für die Wehrleute beendet.

Die ersten Ermittlungen der Kripo Schweinfurt lassen vermuten, dass der Brand vorsätzlich in den Geschäftsräumen des Bestattungsunternehmens gelegt worden sein könnte. Dazu werden nun Zeugen gesucht.

Wer hat in der Nacht von Dienstag, 1. auf Mittwoch 2. Februar, eine verdächtige Person oder ein verdächtiges Fahrzeug im Bereich der Rederstraße gesehen? Wer kann sonst sachdienliche Hinweise zu der Entstehung des Brandes oder mögliche Verursacher geben? Hinweise nimmt die Kripo Schweinfurt unter der Telefonnummer 09721/202 17 31 entgegen.